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Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
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Wandern und entdecken

Langsam spricht es sich herum. Die Kanarischen Inseln und vor allem Teneriffa gelten als das Galapagos der Botanik. Dies liegt zum einen an der enormen Pflanzenvielfalt dieser Region und zum anderen daran, dass hier zahlreiche Pflanzenarten aus älteren Vorgängerarten entstanden sind und so greifbare Beispiele für die Evolutionstheorie liefern. Die ersten Befunde zur Entwicklung dieser bahnbrechenden Theorie erhielt der englische Naturforscher Charles Darwin im Jahre 1835 bei der Erforschung der auf den Galapagos-Inseln und nur dort lebenden Finkenarten. Es war der erste Hinweis darauf, dass sich unterschiedliche Arten aus einer gemeinsamen Stammform entwickeln können, mithin also miteinander verwandt sind. „Galapagos“ wurde seitdem zum Synonym für Orte, an denen die Entstehung der Arten augenfällig ist. Möglicherweise wäre diese Ehre Teneriffa oder den Kanaren zugefallen, hätte nicht drei Jahre zuvor der Ausbruch der Cholera in England die Wissenschaftsgeschichte in eine andere Richtung gelenkt. Denn um die Einschleppung der Cholera zu verhindern, wurden alle spanischen Häfen für englische Schiffe gesperrt, und so durfte Darwin damals die Insel nicht betreten. Sonst hätte er hier Beispiele für die Evolution in Hülle und Fülle gefunden und sich nicht im fernen Pazifik mit nur einem einzigen begnügen müssen. Zeitlebens suchte Darwin nach weiteren Belegen für seine Erkenntnisse. Hier hätte er sie gehabt; denn nach wie vor entdecken Forscher während neuer Kampagnen unbekannte Pflanzen- oder Tierarten. Ein Ende ist nicht absehbar.



links: Madroño (Arbutus canariensis), rechts: Brezo (Erica arborea)
Fotogalerie
links: Madroño (Arbutus canariensis), rechts: Brezo (Erica arborea)
22.03.2017 - Teneriffa -
Im Malpaís von Güímar geht der Frühling langsam zu Ende. Entsprechend den einzelnen klimatischen Stockwerken der Insel wandert er nach und nach bergwärts. Aktuell hat er im Norden die Zone des Monteverde erreicht, wo jetzt die Baumheide (Erica arborea) blüht. Bis gegen Ende Mai wird sie  mit ihren kleinen weißen Blütenglocken auf nektarsuchende Insekten warten, die dabei von den roten Staubblättern eingepudert werden.

Ob wir jetzt bei der Caldera oberhalb von Aguamansa wandern oder in den Lorbeerwäldern der Anaga-Halbinsel oder des Teno-Gebirges, die blühende Baumheide, von den Einheimischen „Brezo“ genannt, ist unübersehbar. Jedes Jahr entwickelt sie große Mengen winzig kleiner Samen. Nur die wenigs­ten schaffen es, zu einem Baum zu werden. Sie wächst gerne entlang von Wegen und Straßen; denn als junge Pflanze braucht sie reichlich Licht. Zudem kommt sie mit kargen Böden aus, selbst wenn diese sauer sind. Sie ist hart im Nehmen und besiedelt manche Flächen als eine der ersten Pflanzen. Später folgen andere Arten nach, wenn sie können. So bereitet der Brezo das Gelände für die Arten des Lorbeerwaldes vor. Deswegen finden wir diesen Baum auch vorzugsweise in Rand- und Extremlagen dieser Klimazone, also dort, wo die anderen nicht so gut wachsen können. Das bedeutet aber nicht, dass wir ihn nicht ebenso im Inneren des Lorbeerwaldes antreffen können. Ist er dort zahlreich, kann das ein Hinweis auf eine frühere forstliche Nutzung der Gegend sein; denn durch Abholzungen entstanden immer wieder Lichtungen, also Siedlungsräume für diesen Baum.

Als ich vor ein paar Tagen im Anaga-Gebirge unterwegs war, schien es fast so, als wolle dort die Heide nicht blühen. Beim Cabezo de Tejo prangten alle Zweige in sattem Grün, nur Blüten wollten sich nicht zeigen. Ging auch nicht; denn wir haben es hier mit einer zweiten Art, der Besenheide (Tejo) zu tun. Sie ist seltener und im Gegensatz zur Baumheide, die auch im Mittelmeergebiet heimisch ist, ein echter Canario. Man erkennt leicht: Ihre Blättchen sind etwas größer und regelmäßig wie in Längszeilen am Zweig angeordnet. Ihre Blüten kommen erst im April und haben weiße Staubblätter. Beide, Brezo und Tejo, sind so nah verwandt, dass sie sich ab und zu spontan kreuzen und Bastarde bilden, die von beiden Elternarten etwas haben. 

Beide haben ihren Ursprung in Nordafrika. Von dort und aus dem Mittelmeergebiet sind sie – wie die meisten hier natürlich vorkommenden Arten oder ihre Vorfahren – auf die Inseln gelangt. Seltsamerweise gibt es aber noch eine weitere Baumart aus der Familie der Heidekrautgewächse auf den Inseln, die aber aus Amerika stammt. Warum sie trotzdem zur gleichen Familie gehören, erklärt sich aus der Theorie der Plattentektonik. Das genau darzulegen, würde hier zu weit führen. Die Rede ist vom Kanarischen Erdbeerbaum, dem Madroño, den man leicht an seiner glatten, rötlich-braunen Rinde erkennt. Er besitzt richtig große, ledrige Blätter, mit denen er gut in den Lorbeerwald passt. Er sieht so gar nicht aus wie ein Heidekraut, außer wenn er blüht. Die kleinen glockigen Blüten verraten ihn, auch wenn sie nicht weiß, sondern rötlich erscheinen. Sie blühen schon früher als ihre afrikanischstämmige Verwandtschaft. Ihre Blütezeit endet jetzt allmählich. Bei Aguamansa und der Caldera kann man sie nahe bei den blühenden Brezos sehen. Madroñofrüchte sind essbar, und manche Zeitgenossen sehen darin die sagenhaften Äpfel der Hesperiden.  

Madroños gibt es nur hier. Wie sie hierher gelangt sind, weiß niemand. Ihre Entwicklungslinie hat sich spätestens vor 200 Millionen Jahren getrennt, als sich die südamerikanische von der afrikanischen Kontinentalplatte trennte und ihre Bewohner andere Entwicklungslinien einschlugen. Die Trennung von Brezo und Tejo ist jünger. Deswegen sind diese beiden Arten einander auch viel ähnlicher. Ähnlichkeiten und Besonderheiten der drei Heidekrautgewächse lassen sich mithilfe der Darwinschen Theorie leicht erklären. Darwin hätte aber nicht nur dieses Beispiel gefunden. Schließlich haben wir hier noch Hunderte spezialisierte Pflanzenarten: In jeder Höhenstufe mindestens eine eigene Margeritenart oder die vielen Aeonium-Arten, von den mehr als vierzig Wolfsmilchgewächsen oder den nahezu ebenso zahlreichen Natternkopf-Arten ganz zu schweigen.  Hätte Darwin hier an Land gehen dürfen, er hätte es außerordentlich bedauert, nach ein paar Tagen weiterreisen zu müssen. Und vielleicht hießen dann heute die Galapagos-Inseln „das Teneriffa der Vogelkundler“. Der Zufall spielt nicht nur in der Evolution eine große Rolle.

Michael von Levetzow 
Tenerife on Top





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