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Ausgabe: Nr. 272 (3/2017) vom 8. - 21. Februar 2017
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Hilfen für krankes Mädchen wurden zweckentfremdet

Spendenbetrug

Hunderte spendeten für die kleine Nadia, die an einer sehr seltenen Erkrankung leidet und deren Eltern in mehreren Kampagnen um Hilfe für Operationen baten. Doch sie haben, wie nun ans Licht kam, die Schwere der Krankheit übertrieben und die Spendengelder nicht für die Behandlung eingesetzt. Leidtragende sind nicht nur die wohlmeinenden Spender sondern auch viele Hilfsorganisationen, die ehrlich arbeiten.



Fernando Blanco mit Nadia
Fotogalerie© Asociación Nadia Nerea Tpp
Fernando Blanco mit Nadia
21.12.2016 - Spanien -
Eine langjährige Spendenkampagne zugunsten der an der seltenen, genetisch bedingten Erkrankung Trichothiodystrophie leidenden Nadia Nerea hat sich als Betrug entpuppt. Durch Recherchen der überregionalen Tageszeitung „El País“ wurde bekannt, dass die Eltern das eingenommene Geld zum größten Teil verwendet haben, um ihren Lebensunterhalt in gehobenem Stil zu finanzieren. 
Der Vater des Kindes, Fernando Blanco, hatte öffentlich verschiedene Angaben zu Operationen und Behandlungen im Ausland gemacht, welche der Überprüfung durch die Journalisten in keinem Detail standhielten. Der Skandal findet ein breites Echo in den spanischen Medien. 
Es besteht wohl kein Zweifel daran, dass die kleine Nadia Nerea, heute 11 Jahre alt, tatsächlich an dem sehr seltenen Gendefekt leidet. Eine ärztliche Diagnose liegt diesbezüglich vor. Doch zur Enttäuschung aller Kampagnenhelfer und Spender scheinen Nadias Eltern sowohl die Schwere der Krankheit als auch die Notwendigkeit kostspieliger Operationen im Ausland in hohem Maße übertrieben zu haben. Seit 2009 erzählten Fernando Blanco und Marga Garau immer wieder die Geschichte ihres kranken Kindes in mehreren großen Zeitungen sowie zur besten Sendezeit in verschiedenen Fernsehprogrammen und baten um Spenden für Operationen und teure Behandlungsverfahren. Bei mehreren Kampagnen kamen auf den beiden Konten des eigens gegründeten Vereins „Asociación Nadia Nerea Tricotiodistrofia y enfermedades raras“ insgesamt 918.000 Euro zusammen. Weitere Spenden unbekannter Höhe wurden in bar bei Sammlungen, Tombolas und Benefiz-Veranstaltungen eingenommen. 
Doch dann kam der Verdacht auf, die Spendengelder würden gar nicht dem genannten Zweck zugeführt. Die katalanische Polizei, die Mossos d’Esquadra, begann zu ermitteln, und schließlich erging Haftbefehl gegen den 52-jährigen Fernando Blanco. Zwei Tage verbrachte er in Polizeigewahrsam, und nach der Befragung durch den Richter wurde Untersuchungshaft angeordnet. 
Auch die Mutter, Marga Garau, wurde zunächst festgenommen, dann jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt. Auch sie wurde richterlich befragt, und ihr wurde das Sorgerecht für Nadia entzogen, die nun bei einer Tante untergebracht ist. Garau darf ihre Tochter nun nur am Wochenende tagsüber sehen. 

600.000 Euro für private Zwecke

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen haben die Eltern von Nadia rund 600.000 Euro des auf den Konten des Vereins eingegangenen Spendenaufkommens für nicht-medizinische Zwecke ausgegeben.
Im Bericht der Mossos d’Esquadra über die Bankauszüge der Familie und des Spendenvereins zugunsten von Nadia sind zahlreiche Ausgaben aufgeführt, die zweckentfremdet sind. Darunter ist die Begleichung der Miete des Wohnhauses der Familie von 9.800 Euro jährlich. Des Weiteren eine Überweisung an ein Autohaus in Höhe von 24.500 Euro. Die Kontoauszüge weisen zahlreiche Barabhebungen sowie Ausgaben, die nichts mit medizinischer Behandlung zu tun haben, aus. 
Trichothiodystrophie entsteht durch eine Genmutation, welche die Fähigkeit, schwefelhaltige Keratine zu bilden, einschränkt. Die Betroffenen haben brüchiges Haar, können schuppenartige Hautveränderungen, Wachstumsstörungen und neurologische Probleme entwickeln. Manche der Patienten sind auch lichtempfindlich, andere nicht, und in einigen Fällen tritt vorzeitige Alterung ein. Es gibt jedoch keine Daten, die auf ein signifikant erhöhtes Sterbe- oder Krebsrisiko hinweisen. In den Medienkampagnen im Fall Nadia wurde die Krankheit dagegen als ungewöhnlich schwer und dringend behandlungsbedürftig dargestellt. 
Diesem Widerspruch trägt der Untersuchungsrichter nun Rechnung, indem er die medizinische Dokumentation von Nadias Diagnose und Behandlung durch einen Gerichtsmediziner prüfen lässt.
Untersucht wird auch, ob Teile der Spendengelder anderweitig beiseitegebracht und versteckt wurden. 

Vaterschaft infrage gestellt

Überraschend für viele Beobachter kam nun noch die richterliche Anordnung, auch die Vaterschaft Blancos zu überprüfen. Als Nadia im April 2005 geboren wurde, verbüßte Fernando Blanco gerade eine Haftstrafe wegen Betruges, die von Oktober 2001 bis Februar 2007 andauerte.





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