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Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
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Dmitry Sitkovetsky – Russischer Stargeiger und Dirigent – am 19. Mai im Auditorium in Santa Cruz

Von Mendelssohn, Stalin und Schostakowitsch

Zuerst ertönen himmlische Klänge von Felix Mendelssohn Bartholdy: Nach der vielgespielten Ouvertüre „Die Hebriden“ mit stimmungsvollen Naturschilderungen aus Schottland sein unverwüstliches Violinkonzert e-Moll. Kein Geigenvirtuose lässt es sich entgehen, - heute nicht wie vor 150 Jahren. Hunderte von Schallplattenaufnahmen verzeichnen die Kataloge.



10.05.2006 - Teneriffa - Nur die deutschen Violinisten in den Jahren 1933 bis 1945 fehlen. Den Geigenbogen über die Saiten nach Mendelssohns Musik zu führen, war ihnen von Seiten des Führers gestrichen. Passen Sie übrigens besonders auf im ersten Satz des Violinkonzerts! Sie können hören, wo der Tenor Richard Tauber sein heute noch berühmtes Lied „Du bist die Welt für mich“ abgekupfert hat! Diesen Schlager auch noch aller heutigen Tenöre sang er  Tauber oft in seinen späten Londoner „Exiljahren“, da die Briten den „Song“ besonders mochten.
In London lebt heute auch ein großer Musiker unserer Tage, der Geigenvirtuose und Dirigent Dmitry Sitkovetsky. Er ist diesmal der Solist und zugleich Leiter des außergewöhnlichen Konzerts. Aufgewachsen ist Sitkovetsky in Moskau und Absolvent des dortigen Konservatoriums. Im Jahr 1977 emigrierte er nach New York und lebt seit 1987 mit Frau und Tochter in London. Seine Diskographie enthält Aufnahmen aller bedeutenden Violinkonzerte, zahlreiche Kammermusik-Einspielungen sowie Orchesterwerke unter seiner Leitung. Kürzlich veröffentlichte er bei „Hänssler Classic“ seine eigenen Bearbeitungen für Kammerorchester von Werken Schostakowitschs und Strawinskys. Regelmässig ist er bei den großen Festivals, u.a. in Salzburg, Luzern, Edinburgh und bei den BBC Proms zu Gast. Beim Russischen Staatssinfonieorchester in Moskau wirkt er als erster Gastdirigent.
Nach seinem Soloauftritt mit dem „OST orchestra sinfonica de tenerife“ erwartet das Orchester unter seiner Leitung dann Schwerstarbeit: Die Fünfte Sinfonie von Dimitrij Schostakowitsch. Neben ihrer musikalischen  hat sie auch eine tragische Sonderstellung unter den Werken dieses wohl wichtigsten Komponisten der damaligen Sowjetunion. Begründete sie doch fälschlich den Ruf des Meisters im „Freien Westen“, sich beim Terrorregime damit angebiedert zu haben. Das Gegenteil aber ist wahr. Stalin höchstpersönlich hatte Schostakowitsch’ Musik 1936 in einem Prawda-Zeitungsbericht vernichtend angegriffen. Der Diktator hatte ihn selbst diktiert, nachdem er während des Besuchs der Oper „Lady Macbeth“ das Theater wütend verlassen hatte. Für Schostakowitsch als Komponist des Werks war das ein halbes Todesurteil. Viele seiner Künstlerkollegen wurden zur Zeit der damaligen stalinistischen „Säuberungen“ willkürlich erschossen oder in Lagern umgebracht. Stets hielt er einen kleinen gepackten Koffer wegen des jederzeit möglichen Abtransports in den Archipel Gulag in Bereitschaft. Die 5. Sinfonie komponierte Schostakowitsch so in ständiger Lebensgefahr. Zu ihrer Uraufführung am 21. November 1937 war der Saal der Leningrader Philharmonie überfüllt. Man erwartete die Sensation, den Skandal, und versuchte zu erraten, was mit dem in Ungnade gefallenen Künstler wohl geschehen würde. Als die letzten Noten verklungen waren, weinten viele. Schostakowitsch hatte laut ausgesprochen, was alle in Gedanken bewegte, hatte in seiner Musik einen aufrichtigen, denkenden Menschen dargestellt, der unter ungeheurem moralischem Druck eine entscheidende Wahl zu treffen hat. Die Sinfonie ist durchzogen von neurotischen Pulsschlägen. Der Komponist sucht fieberhaft nach einem Ausweg aus dem Labyrinth. „Das ist keine Musik, das ist Stromstärke hohen Grades, nervöse Elektrizität“, bemerkte ein aufgewühlter Zuhörer der „Fünften“, die bis heute das am meisten bewunderte Werk von Schostakowitsch geblieben ist. Das heimische Publikum erkannte die verschlüsselte Botschaft, mit der er gegen das Stalinsche System opponierte, und wofür es ein altes russisches Sprichwort gibt: „Tu so, als ob du küsst, aber in Wirklichkeit spucke!“.
Etliche Jahre durften wir mit dem wohl weltgrößten Violoncellisten unserer Zeit, M. Rostropowitsch, Konzerte organisieren. Er kannte Schostakowitsch (+ 1975) gut und erzählte uns, was dieser selbst ihm zur Musik seiner 5. Sinfonie gesagt hatte, und was er darin musikalisch ausdrücken wollte: „Stalins Terror, und noch die Erniedrigung zum Jubel: Jubelt! Jubelt! Wollt ihr gefälligst jubeln! Die Seele krümmte sich mir zusammen.“

Hans Rueda

Konzertbeginn 20.30 Uhr. Karten € 13  – €  22  Abendkasse.






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