Infos f�r Urlauber
Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
Kanarische InselnTeneriffaGran CanariaFuerteventuraLanzaroteLa GomeraLa PalmaEl HierroSpanien
Home > Kanarische Inseln > Nachrichten > Musik > Von Alma, Seele, Leben und Tod

Nachrichten
  Politik
  Wirtschaft
  Panorama
  Wissenschaft
  Umwelt
  Kultur
  Sport
  Gesundheit
  Multimedia
  Kurz notiert
  Leserbriefe
 
  Archiv

Kleinanzeigen
  Eintragen

Leserbriefe
  lesen
  schreiben

Suchen

   

Veranstaltungen
»Musik
  Ausstellungen
  Theater
  Sport
  Gesundheit
  Verschiedenes

Urlauberinfo
  Überblick

Service
  Mediadaten
  Aboservice
  E-PAPER
  Kundenbereich
  Rufnummern
  Partner-Webs
  Kontakt
  Impressum
  Datenschutz

Das ultimative Mahler-Konzert - 2. Juni im Auditorio

Von Alma, Seele, Leben und Tod

Das Konzertereignis des Jahres für eingeschworene „Mahlerianer“ steht an: Das „OST Orquesta Sinfonica de Tenerife“ unter der Leitung seines Chefdirigenten Victor Pablo Pérez gibt zwei Gipfelwerke Gustav Mahlers, seine 9. Sinfonie und die Kindertotenlieder, gesungen von der Mezzosopranistin Nathalie Stutzmann.



26.05.2006 - Teneriffa - Die Kindertotenlieder nach Gedichten von Friedrich Rückert gehören zu Mahlers vollkommensten Schöpfungen. Als er sie zwischen 1901 und 1904 komponierte, war seine eigene ältere Tochter Maria noch fröhlich und gesund. Ob ihm später überhaupt bewusst war, daß Rückerts Kinder Ernst und Luise an der Jahreswende 1833/34 an der gleichen, oder zumindest einer ähnlichen Krankheit starben wie 1907 seine Tochter Maria, wissen wir nicht. Mahlers Ehefrau Alma meinte, hier habe er den Tod ihrer beider Tochter „vorausahnend musiziert“. Das mag unsinnig erscheinen. Unbestreitbar jedoch ist dem Genie prophetische Vorwegnahme manchmal zu eigen.
Rückert schrieb aus seiner Erschütterung heraus fast 500 Gedichte zum Gedenken seiner Kinder. Mahler wählte fünf der schönsten daraus und schuf mit diesen Liedern ein ergreifendes Stück lyrischer Kunst. Hier spricht und singt jemand, der gelernt hat, seine Gefühle  aufs äußerste zu kontrollieren, nicht in Weinkrämpfen zusammenzubrechen. Die Askese des Gefühlsausdrucks erhöht die Innenspannung, den Innendruck der Lieder ins kaum Erträgliche. Das letzte Lied erst gestattet den lange unterdrückten Ausbruch, holt ihn aber sofort wieder zurück. Der Schluss verläuft „langsam wie ein Wiegenlied“, wie Mahler vorschreibt. Bei Rückert und Mahler singt der Vater den toten Kindern mit einer unendlich trostvollen Melodie zärtlich das Lied zur ewigen Ruhe.
Viele große Sängerinnen und Sänger haben die „Kindertotenlieder“ im Konzertsaal oder für die Schallplatte gesungen. Heute ist die Französin Nathalie Stutzmann wie kaum eine andere berufen, diesen Liederzyklus zu interpretieren. Gerade erschien ihre Aufnahme mit Schuberts Abschieds-liedern, seinem „Schwanengesang“. Nach dem Gewinn des Deutschen Schallplattenpreises und vielen internationalen  Auszeichnungen wird auch diese neueste Schallplatte im aktuellen fonoforum hoch gelobt: „ Frau Stutzmann ist hier konsistenter im Ton noch als  Jessye Norman“.
Mahler erlebte die Uraufführung seiner „Neunten“am 26. Juni 1912 nicht mehr. Im Jahr zuvor war er im Alter von 51 Jahren seiner Herzkrankheit erlegen. Diese war 1907 erkannt worden und bedrückte ihn auch bei der Arbeit an der letzten vollendeten Sinfonie. Vielen seiner Verehrer gilt sie als Mahlers größtes Werk. Wir teilen jedoch nicht die verbreitete Ansicht, sie gebe Mahlers Besessenheit vom Tod und Abschied vom Leben deutlich zu erkennen. Gewiß scheinen die desolaten Worte, mit denen er die Skizzen versah, - „O Liebe! Verwehte! O Schönheit! Welt! Lebe wohl!“ - diese Vermutung zu bestätigen. Sie könnten sich aber genauso gut beziehen auf das Desaster seiner Ehe mit Alma. Mahlers Problem war nicht der Tod, sondern das Leben: Trotz der Diagnose seines Wiener Arztes war Mahlers Existenz weiterhin aufreibend. Ende 1907 ging er nach Amerika und dirigierte dort über mehrere Winter bis in sein Todesjahr hunderte Konzerte und Opernaufführungen. In München gelang ihm 1910 mit der Uraufführung seiner „Achten“, der „Sinfonie der Tausend“ ein triumphaler Erfolg.
Dieses Werk hatte er seiner Gattin Alma gewidmet, eine der exzentrischsten, weiblichsten und intelligentesten Frauen ihrer Zeit. Zugegeben, Mahler hatte sie über die Jahre seines Wirkens als Chef der Wiener Staatsoper vernachlässigt. Nun betrog sie ihn mit dem später berühmt gewordenen Bauhaus-Architekten Walter Gropius. Wusste Alma um den Inhalt eines Briefes von Gropius, den sie ihm eines Tages mit anderer Post aufs Klavier legte? Der bat darin forsch um Almas Freigabe für ihn zwecks Heirat. Mahler war geschockt und kämpfte um seine Ehe. Jetzt kümmerte er sich sogar um Almas Liedkompositionen, die vor ihrer Hochzeit entstanden waren. Alle künstlerische Betätigung hatte er ihr ja von da ab verboten. Was mag Siegmund Freud ihm dazu und zu seiner Seelennot gesagt haben, als Mahler ihn deswegen konsultierte? Freud konnte ihm wohl helfen, in seiner Ehe mit Alma aber wurde Mahler nicht mehr glücklich. Alma verließ ihn zwar nicht, setzte ihre leidenschaftliche Beziehung zu Gropius aber fort, was Mahler in seiner vielen Arbeit nicht mitbekam. Sie heiratete Gropius 1915, vier Jahre nach Mahlers Tod. Dazwischen lag ihre Affaire mit Oskar Kokoschka, der sich ihretwegen fast umgebracht hätte. Zur Uraufführung der 9. Sinfonie in Wien hatte Alma den jungen Kokoschka mitgenommen, der sich danach in einem Brief beklagte:  „Warum hast Du mich zu diesem Totentanz eingeladen und verlangt, daß ich Dich stundenlang ansehe, während Du wie eine geistige Sklavin den Melodien dieses Mannes lauscht?“ Da litt ein Malergenie am Genie Mahler.
Wir können Alma nachempfinden, wie sie dem Sog der Musik von Mahlers „Neunter“ an jenem Tag erlag. Der langsame letzte Satz, ein Adagio, hat sehr bald den Charakter eines testamentarisch letzten Worts angenommen. Es ist das Adagio aller Mahlerschen Adagios. Wir wollen es ganz krude so ausdrücken: Wer dieses Adagio hört, und von ihm nicht im Tiefsten bewegt wird, der sollte weitere Bemühungen um Mahler einstellen: er ist für Mahler, und Mahler ist für ihn verloren. Dieser vierte Satz gilt als Antwort auf die ersten drei Sätze des Werks, wie man aus Mahlers Briefen herauslesen kann. Seine persönliche Krise, die ihn grundstürzend erschütterte, war ja keineswegs überwunden. Diese Musik ist auch ein Versuch, seine Erfahrungen kompositorisch zu gestalten. Im zweiten Satz etwa, scheinbar wohlvertraut im Tanzcharakter eines Ländlers, steigert er diesen Charakter ins Uner-bittliche. Der dritte Satz, eine „Rondo-Burleske“, ein musikalischer Spaß also, treibt ebenfalls etwas auf die Spitze. Er gerät zum bösen, gewalttätigen Spaß, wird letztlich ein überhitzter Marsch, mit dem eine sich immer schneller drehende Gesellschaft immer blinder in den Abgrund marschiert: „Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnen“, hätte er gerade diesen Satz mit Richard Wagners Worten aus dem „Ring des Nibelungen“ kommentieren können.
Von Wagners Liebestod- und gewaltigen Untergangs-Szenarien ist nächstens zu berichten. Den  Programmgestaltern der Konzerte des „OST“ im Auditorio sei gedankt. Großes wird hier oft geboten.
Konzertbeginn  2. Juni, 20.30 Uhr, mit Werken von Gustav Mahler
Konzertbeginn  9. Juni, 20.30 Uhr, mit Werken von Richard Wagner
Karten jeweils € 13 - € 22  Abendkasse.

Hans Rueda






Leserbrief zu Artikel Von Alma, Seele, Leben und Tod schreiben


Wochenblatt-Leser helfen.

  NEWSLETTER
  Ihre eMail-Adresse
Inmobiliaria Optima Canarias