Infos f�r Urlauber
Ausgabe: Nr. 274 (5/2017) vom 8. - 21. März 2017
Kanarische InselnTeneriffaGran CanariaFuerteventuraLanzaroteLa GomeraLa PalmaEl HierroSpanien
Home > Kanarische Inseln > Nachrichten > Musik > Landleben, Freudentanz und Trauermarsch

Nachrichten
  Politik
  Wirtschaft
  Panorama
  Wissenschaft
  Umwelt
  Kultur
  Sport
  Gesundheit
  Multimedia
  Kurz notiert
  Leserbriefe
 
  Archiv

Kleinanzeigen
  Eintragen

Leserbriefe
  lesen
  schreiben

Suchen

   

Veranstaltungen
»Musik
  Ausstellungen
  Theater
  Sport
  Gesundheit
  Verschiedenes

Urlauberinfo
  Überblick

Service
  Mediadaten
  Aboservice
  E-PAPER
  Kundenbereich
  Rufnummern
  Partner-Webs
  Kontakt
  Impressum
  Datenschutz

Beethoven-Zyklus beginnt im Auditorio von Santa Cruz

Landleben, Freudentanz und Trauermarsch

Glanzvoll eröffnet das OST Orchesta Sinfonica de Tenerife die Reihe seiner 20 Abo-Konzerte der Saison 2006 / 2007 im Auditorio von Santa Cruz. Am 17. November erklingt unter der Stabführung von OST-Ehrendirigent Victor Pablo Pérez der erste Takt zum Zyklus aller neun Beethoven-Sinfonien.



Fotogalerie
10.11.2006 - Teneriffa - nnerhalb nur eines Monats, bis zum 21. Dezember, dürfen die Freunde klassischer Musik an fünf Abenden erleben, was seit nahezu zweihundert Jahren den Mittelpunkt unseres Konzertlebens bildet.
Mit Ludwig van Beethoven wird gleich zu Beginn einer neuen Ära des Orchesters, - nach 20 Jahren mit Pérez als seinem Chefdirigenten -, der vielleicht bedeutendste Komponist ins Zentrum der Dinge gestellt. Überblickt man die heutigen Konzertprogramme, so zeigt sich, dass noch unsere Gegenwart vorwiegend von der Substanz Beethovens und seiner Wirkung auf die Komponisten eines Jahrhunderts nach ihm lebt. Schon als wir im Sommer unseren Lesern in mehreren Folgen die Saison 2006 / 2007  vorstellten, fügten wir dem hinzu, dass auch die Konzertprogramme des OST hier keine Ausnahme machen.
Nur ein Abo-Konzert wird Maestro Lü Jia, der neue Künstlerische Direktor des OST, in der neuen Saison dirigieren. Wir stellten Pérez’ Nachfolger den Wochenblatt-Lesern bereits vor. Besonders aber der Beethoven-Zyklus wird noch geprägt sein vom nunmehrigen Ehrendirigenten. Neben den Sinfonien Nr. 6 und Nr. 7 zur  Eröffnung am 17. November, wird Victor Pablo Pérez auch die abschließende „Neunte“ am 21. Dezember dirigieren.
Die Schaffensperiode der Jahre 1803 - 1813, in denen auch seine Sinfonien Nr. 3 bis Nr. 7 entstanden und uraufgeführt wurden, erlebte Beethoven im Zenit seiner öffentlichen Anerkennung und Hochschätzung. Insbesondere der Erfolg der 7. Sinfonie bestätigte dies; bei allen Aufführungen, die im Rahmen der Feierlichkeiten zum Wiener Kongress stattfanden, mußte das Andante, der 2. Satz, auf Wunsch des Publikums wiederholt werden.
Er gehört zu den beliebtesten Sätzen Beethovens überhaupt und ist doch ungeachtet seiner Popularität merkwürdig geheimnisvoll und rätselhaft. Manche sprechen unter Verweis auf die historischen Begleitumstände von einem stilisierten Trauermarsch, von Klagegesang. In seinem Tonfall birgt sich eine eigentümliche Leidensstimmung. Wehmut und Schwermut liegen über diesem Satz.
In der 7. Sinfonie nahm Beethoven den Faden seiner Auseinandersetzungen mit dem Wirken Napoleons wieder auf. Erste Skizzen, eben auch jenes trauermarschartige Gebilde in a-moll, enstanden bereits im Sommer 1806, genau zwischen den preußisch-österreichischen Niederlagen gegen Napoleon von Austerlitz und Jena. Beethovens patriotische Gefühle richteten sich nun gegen den glänzenden Sieger Napoleon; nach dessen neuestem Sieg bei Jena und Auerstedt soll sich Beethoven geäußert haben: „Schade, dass ich die Kriegskunst nicht so verstehe wie die Tonkunst, ich würde ihn doch besiegen.“ Und einem französischen Offizier sagte er 1809, nach der Besetzung Wiens durch Napoleons Truppen: „Wenn ich als General von der Strategie verstünde, was ich als Komponist vom Kontrapunkt verstehe, dann wollte ich euch schon etwas zu schaffen geben.“ In den Jahren 1811 - 12 komponierte er dann auch mit der 7. Sinfonie den musikalischen Sieg über Napoleon. Die Zeitumstände gaben dazu den realen Kontrapunkt. Die Uraufführung der 7. Sinfonie des Siegs über Napoleon fand gerade sechs Wochen nach Napoleons entscheidender Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig statt, bestätigte also den Grundcharakter des Werkes. Dies ist ein einmaliger Fall in der Musikgeschichte: Die politische Realität hatte sich gewissermaßen der vorwegnehmenden Kraft der Kunst zu beugen, wie ein Wink des höheren Schicksals.
Ungeachtet solch programmatischer Ausdeutungen der 7. Sinfonie gibt es an dieser Musik aber etwas, was die Aufmerksamkeit fasziniert und suggestiv beeinflusst. Das beherrschende Element dieser Sinfonie ist ihr Rhythmus, und zwar in der Form, dass er in jeweils spezifischer Gewalt alle vier Sätze bestimmt. Durch die Hervorkehrung dieser rhythmischen Gewalt vergeistigt Beethoven sein Werk und macht es zeitlos gültig. Ohnehin ließ Beethoven immer nur das Reich des Geistes gelten. Wie er den Wiener Kongress beurteilt haben mag, deutet er in einem Brief an: „Von unseren Monarchen usw., den Monarchien usw. schreibe ich Ihnen nichts, die Zeitungen berichten Ihnen alles, - mir ist das geistige Reich das liebste und die oberste aller geistlichen und weltlichen Monarchien.“ Dass er in diesem Reich des Geistes ein Gigant war, war ihm durchaus bewusst. Nach einem heftigen Zusammenstoß mit seinem Förderer, dem Fürsten Lichnowsky vermerkte er: „Fürst! Was Sie sind, sind Sie durch Zufall und Geburt, was ich bin, bin ich durch mich. Fürsten hat es und wird es noch tausende geben, Beethoven gibt’s nur einen!“
Beethoven war nicht nur der erste ausdrücklich politisch interessierte Komponist, sondern auch der erste Musiker, dem  die Natur zur Quelle der Inspiration wurde, auch der persönlichen, inneren Ruhe. Als Seitenstück zur dramatisch geballten „Schicksals“-Botschaft der 5. Sinfonie,  - im Zyklus zu hören am 24. November unter der Leitung von Josep Pons -, entwarf Beethoven in der 6. Sinfonie, der „Pastorale“, ein vergleichsweise episches Bild vom Gang des Menschen durch die Natur. Ebenfalls zum ersten Mal in der Musikgeschichte entwarf er damit so etwas wie „Stimmung“ in der sinfonischen Musik.
Das Autograph der 6. Sinfonie wir heute im Bonner Beethovenhaus aufbewahrt. Die 140 Notenblätter, beschrieben von einer sich auf der jeweils gegenüberliegenden Seite abzeichnenden Tinte, sind in dunkelgrünes Leinen gebunden. Auf der ersten Seite notierte Beethoven als Kopisten-Anweisung: „Die deutschen Überschriften schreiben sie alle in die erste violin“. Diese heißen im Autograph vorläufig noch „Angenehme, heitre Empfindungen, welche bej der Ankunft auf dem Lande im Menschen erwachen“. „Scene am Bach“; „Lustiges Zusammensein der Landleute“; „Donner – Sturm“; „Hirtengesang = (…) wohlthätige mit Danck an die Gottheit verbundene Gefühle nach dem Sturm“.
Nicht nur die Angabe von Satztiteln unterscheidet die 6. Sinfonie von allen anderen Sinfonien Beethovens, sondern auch ihre für die Entstehungszeit aus der Ordnung fallende fünfsätzige Anlage – wobei die drei letzten, kürzeren Sätze ohne Pause ineinander übergehen und mit dem Gewitter als Höhepunkt einen dramatisch konzipierten Block darstellen. Doch zielt wie schon die 5. auch die 6. Sinfonie auf ihr Finale. Dort herrscht nach überwundener Störung wiederhergestellte Einheit von Mensch und Natur. In einem durch Wiederholung gesteigerten Dank, in kollektiver Hymne schlägt Beethoven in diesem als „Hirtengesang“ bezeichneten 5. Satz den Bogen zum 1. Satz: Lobpreis der nun wieder befriedeten Natur und Weltumarmung.
Beethoven arbeitete an der 6. Sinfonie gleichzeitig mit der 5. Sinfonie, und beide Werke wurden in der Akademie am 22. Dezember 1808 uraufgeführt, wobei die Zählung damals noch umgekehrt war. Man bezeichnet beide Sinfonien gern als Schwesternwerke, was tatsächlich durch eine Reihe von Merkmalen gestützt wird. Wir werden in unserer nächsten Ausgabe darauf  zu sprechen kommen. Den Konzertfreunden hier werden beide Meisterwerke nun im Wochenabstand zu Gehör gebracht.

Hans Rueda*


*Hans Rueda ist für Musikfestivals, als Konzertagent und Schallplattenproduzent tätig.


17. Nov., 20.30 Uhr - Sinfonien Nr. 6 und Nr. 7
24. Nov., 20.30 Uhr -  
Sinfonien Nr. 4 und Nr. 5


Kartentelefone:
922 239 801 / 902 317 327
Eintrittspreise 13 / 16 / 20 /
24 Euro







Leserbrief zu Artikel Landleben, Freudentanz und Trauermarsch schreiben


Wochenblatt-Leser helfen.

  NEWSLETTER
  Ihre eMail-Adresse
Inmobiliaria Optima Canarias