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Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
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Fortsetzung des Beethoven-Zyklus’ im Auditorio: 24. November und 08. Dezember im Auditorium in Santa Cruz

„Man möchte fürchten, das Haus fiele ein!“

Zwei Katalanen, international angesehene Dirigenten beide, leiten die nächsten Konzerte des Beethoven-Zyklus’ aller neun Sinfonien im Auditorio von Santa Cruz. Maestro Josep Pons interpretiert mit dem OST - Orchesta Sinfónica de Tenerife am 24. November die Sinfonien Nr. 4 und Nr. 5. Am 08. Dezember leitet Maestro Antoni Ros Marbá das Orchester, wenn die Sinfonien Nr. 1 und Nr. 2 auf dem Programm stehen.



Fotogalerie
23.11.2006 - Teneriffa - Einst studierte Maestro Pons bei Maestro Marbá in Barcelona. Heute ist er Chef des Spanischen Staatsorchesters. Antoni Ros Marbá, der nahezu alle großen Orchester der Welt dirigiert hat, ist Träger des Spanischen Nationalpreises und des „La Creu de Sant Jordi“ der „Generalitat de Catalunya“.    
Beeindruckend gelang kürzlich der Zyklus-Auftakt mit den Sinfonien Nr. 6 und Nr. 7 im ausverkauften Auditorio. In umgekehrter Reihe folgen  nun die Sinfonien Nr. 5 bis  Nr. 1. Nur Beethovens Dritte, die „Eroica“ bleibt ausgespart und folgt am 15. Dezember. Zweifellos ist Beethovens Fünfte, die „Schicksalssinfonie“ neben der Neunten auch seine berühmteste. Sie wurde zum Inbegriff überhaupt aller sinfonischen Musik. Schon in seiner 1. Sinfonie aber schlug Beethoven einen höchst eigenwilligen und auch selbstbewussten Ton an. „Selbst-Gestalten-Wollen“ ist es, was bereits diese Sinfonie von ihrem Anfang an und durchgehend demonstriert. Innerhalb nur eines Monats können unvoreingenommene Musikliebhaber nun erleben, dass Beethovens neun Sinfonien, bei aller Individualität des einzelnen Werks, gleichen kompositorischen Rang genießen. Pathetisierung und Heroisierung der berühmteren Sinfonien sind ebenso unangemessen wie Herabwürdigung der weniger populären zu Nebenwerken.
Das Jahr 1800 war für Beethoven (ob es ihm bewusst war, sei dahingestellt) durch die 1. Sinfonie ein Einschnitt. Mag sie unter dem Eindruck Haydns und Mozarts geschrieben erscheinen, wie ein schier unausrottbares Vorurteil es will; der analytische Blick auf das Werk zeigt anderes. Hier schickt sich einer an, die vorgefundene Position zu verlassen, und seinen eigenen Weg zu gehen. Beethoven schreibt seine 1. Sinfonie in C-Dur, der Tonart des Neubeginns, der Klarheit der Konstruktion und des Vertrauens in den Geist der Aufklärung. Beethovens Selbstbewusstsein, bis zur Provokation angespannt, äußert sich in einer Reihe von bemerkenswerten Details, die zu erläutern hier aber zu weit führt. Nach der erfolgreichen Uraufführung am 2. April schrieb ein Rezensent etwas ratlos: „Aus dem langsamen, tastenden Anfang springt plötzlich federnde, geistreiche Leichtigkeit heraus, wie ein auf die Menschen überspringender Funke, der alles mit sich reißt. Es wirkte wie ein Sprung auf die Bühne.“ Das war hellsichtig erfasst. Beethoven hatte seinen musikalischen Kosmos der neun Sinfonien noch nicht geschaffen. Doch bahnte sich mit seiner 1. Sinfonie bereits die schwere Hypothek an für alle, die nach ihm noch Sinfonien komponieren wollten.
Was bei der 2. Sinfonie besonders beschäftigt, ist ihre zeitliche Verbindung mit der Entstehung des „Heiligenstädter Testaments“. Ins Jahr 1802 fällt dessen Niederschrift, im selben Jahr entstand seine 2. Sinfonie, deren Niederschrift im Oktober beendet wurde. Wie konnte Beethoven eine so vitale, so lebenszugewandte und von positiven Stimmungen nur so strotzende Musik komponieren, während ihn gleichzeitig in Anbetracht der zunehmenden und vor allem nicht mehr zu verdrängenden Ertaubung schlimmste Ängste und Existenzsorgen plagten und Verzweiflung im Blick auf die zu erwartende Vereinsamung hervorriefen. „Es fehlte wenig, und ich endigte selbst mein Leben“, heißt es in seinem „Heiligenstädter Testament.“ Man höre diese lichte, überirdisch schöne Musik und gedenke Beethovens verzweifelten Ausbruchs, wenn er in Heiligenstadt schreibt: „O ihr Menschen, die ihr mich für feindselig und störrisch haltet, wie unrecht tut ihr mir, ihr wisst nicht die geheime Ursache von dem, was euch so scheinet (….) doch war’s mir noch nicht möglich, den Menschen zu sagen: Sprecht lauter, schreit, denn ich bin taub!“
Beethoven komponierte die 4. Sinfonie im Jahr 1806 in sehr kurzer Zeit. In ihrer Position zwischen seiner so bahnbrechenden 3. (Eroica) und  5. (Schicksalssinfonie) hat sie es tatsächlich schwer. Ihre Gelöstheit, das Helle, Spielerische und Klare stimmen nicht mit der Auffassung von einem titanischen Künstler überein. Sah Beethoven in ihr eine idealistische Gegenwelt zur „Eroica“, deren eines Ergebnis die bewusste Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Todes war, der Reflexion im „Heiligenstädter Testament“? Oder wollte er mit der Musik seiner 4. Sinfonie seinem Glücksempfinden Ausdruck geben, in Form einer idealisierten Erfüllung einer sehr persönlichen Sehnsucht nach Gattenliebe? Manche Beethoven-Biographen sehen diese Sinfonie im Zusammenhang mit der Entstehung der Oper „Leonore - (Fidelio)“ und mit seiner Liebe zu Josephine Brunsvick.
Wie mächtig die Wirkung der am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien uraufgeführten 5. Sinfonie auf die Zeitgenossen gewesen sein
muss, welche emotionalen Erschütterungen und geistigen Irritationen sie hervorgerufen hat, das belegen viele Zeugnisse. Auch Goethe reagierte erschrocken: „Sehr groß, ganz toll; man möchte fürchten, das Haus fiele ein“. Der suggestive Anfang des Werks bewog die Nachwelt Beethovens, darin einen Wink des „Schicksals“ zu sehen, so, als bäumte sich der Komponist gegen sein eigenes Schicksal der Ertaubung heroisch auf. Beethovens Äußerung: „So pocht das Schicksal an die Pforte“, verweist dagegen eher auf die antike Tragödie und meint den unerbittlichen thematischen Diskurs des ersten Satzes, der wie eine eiserne Klammer wirkt in seiner rhythmischen Monomanie. In dieser Sinfonie entwirft Beethoven einen Werkzyklus von unerhörter innerer Geschlossenheit. Im Verlauf der vier Sätze wird ein neuartiger, zielgerichteter Weg abgeschritten, der erstmals in einem Finale gipfelt, das einer Ankunft gleicht. Der Weg führt von der geradezu despotisch zwingenden Logik des ersten Satzes über den Hoffnungsgesang des zweiten und das Suchen und Fragen in der Unterweltszene  des dritten mit einem atemberaubenden Übergang ans Licht, - das Symbol der Vernunft und der Freiheit im Verständnis der Aufklärung. Dieser vierte Satz, das Finale beschwört gleich vier Themen der Musik der Französischen Revolution, die Ankunft der Freiheit.               

                                                                                                                                   Hans Rueda
Den Autor erreichen Sie unter
hans.rueda@wochenblatt.es

Kartentelefon: 902 317 327
Eintrittspreise 13,- / 16,- / 19,- und 23,- Euro







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