Infos f�r Urlauber
Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
Kanarische InselnTeneriffaGran CanariaFuerteventuraLanzaroteLa GomeraLa PalmaEl HierroSpanien
Home > Kanarische Inseln > Nachrichten > Musik > Zorn, Zank , Freude, schöner Götterfunken

Nachrichten
  Politik
  Wirtschaft
  Panorama
  Wissenschaft
  Umwelt
  Kultur
  Sport
  Gesundheit
  Multimedia
  Kurz notiert
  Leserbriefe
 
  Archiv

Kleinanzeigen
  Eintragen

Leserbriefe
  lesen
  schreiben

Suchen

   

Veranstaltungen
»Musik
  Ausstellungen
  Theater
  Sport
  Gesundheit
  Verschiedenes

Urlauberinfo
  Überblick

Service
  Mediadaten
  Aboservice
  E-PAPER
  Kundenbereich
  Rufnummern
  Partner-Webs
  Kontakt
  Impressum
  Datenschutz

Abschluss des Beethoven-Zyklus’ am 15. und 21. Dezember im Auditorium Santa Cruz

Zorn, Zank , Freude, schöner Götterfunken

Mit den Konzertabenden am 15. und 21. Dezember im Auditorio de Tenerife kommt der Zyklus aller neun Beethoven-Sinfonien des OST- Orchesta Sinfónica de Tenerife zum Abschluss. Am 15. Dezember steht Maestro John Nelson am Pult und dirigiert die Sinfonien Nr. 3 (Eroica) und Nr. 8.



Fotogalerie
09.12.2006 - Teneriffa - John Nelson genießt weltweit Anerkennung als Interpret besonders der Symphonik des 19. Jahrhunderts. Diese wurde von Beethoven entscheidend geprägt. Die Aufführung der 9. Sinfonie mit dem Schluss-Chor über Schillers Ode „An die Freude“ leitet OST-Ehrendirigent Victor Pablo Pérez. Das Solistenquartett bilden Ainhoa Arteta, M. José Suárez, Nikolai Schukoff, David Wilson-Johnson; es singt der Chor Andra Mari.

Sinfonie Nr. 3 (Eroica)

Zu dem so populär gewordenen Trauermarsch im 2. Satz der „Eroica“ soll Beethoven durch das Gerücht vom Tode eines berühmten Namensvetters des Dirigenten Nelson in der Seeschlacht vor Aboukir angeregt worden sein. So steht es jedenfalls in den Erinnerungen von Beethovens Leibarzt Bertolini. Admiral Nelson trug bei diesem Seegefecht aber nur eine Verwundung davon und war siegreich. Im Jahr davor, am 25. Juli 1797, war es ihm vor Teneriffa übler ergangen. Jedes Schulkind hier weiß, dass man dem guten Horatio Nelson an diesem Tag mit der Kanone „El Tigre“ - zu besichtigen im Militärmuseum von Santa Cruz - den rechten Arm abschoss. Die Schlacht verlor er gleich mit. Ob Beethoven je von Teneriffa und dem Missgeschick seines verehrten Helden Nelson dort erfuhr, - wir wissen es nicht.
Die ersten Skizzen zur „Eroica“ datieren demnach früher als ihre Niederschrift in den Jahren 1803 - 1804. Zuvor war auch das berühmte „Heiligenstädter Testament“ entstanden, in dem Beethoven erschütternde Sätze über sein Schicksal der fortschreitenden Ertaubung niedergeschrieben hatte. Er war im Herbst 1802 so krank gewesen, dass sich sogar das Gerücht seines Todes verbreitet hatte. Der Schicksalsschlag seiner Ertaubung und die bewusste Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Todes ließen in Beethoven den künstlerischen Entschluss reifen, von jetzt an eben einen „neuen Weg“ einzuschlagen, ohne deshalb ganz von vorn zu beginnen. Der Entschluss war neuartig; weder Haydn noch Mozart hätten ihn so formuliert und ausgeführt. Das Ganze der „Werkidee“, ein musikalisches Ideen-Kunstwerk trat nun mit allen Konsequenzen vor das innere Ohr Beethovens. Erstmals verzichtet er im Eingangssatz der „Eroica“ auf eine langsame Einleitung. Sie wird ersetzt durch zwei harte Orchesterschläge in der Grundtonart. Sie sind radikales Signal für das Neue. Beide Aspekte, Abschied und Neubeginn, haben die Zeitgenossen bewegt und beschäftigt. Die einen empfanden diese Komposition (ca. 55 Min.) als viel zu lang, zu anstrengend, zu komplex in ihrer gedanklichen Fülle und eben deshalb auch von kaum unterhaltendem Wert. Die anderen vernahmen in der „Eroica“ wahre Zukunftsmusik. Sie behielten recht. Die Welt der Musik war hernach eine andere. Prometheus war aufgestiegen. Denn der „Held“, den der Titel „Eroica“ anspricht, ist historisch ebenso greifbar wie ideengeschichtlich: Es ist die künstlerische Vereinigung des Prometheus-Mythos mit dem Portrait des jungen Napoleon Bonaparte, von dem sich Beethoven die Durchsetzung der Grundprinzipien der Französischen Revolution erhoffte. Als im Juni 1804 jedoch die Nachricht nach Wien gelangte, dass Bonaparte Kaiser werden würde, zerriss Beethoven im Zorn über diesen Verrat Bonapartes an allen republikanischen Ideen das Titelblatt der Partitur, die ihm ursprünglich gewidmet war. So wollen es die Legenden wissen. Das Werk erschien 1806 dann als „Sinfonia Eroica“ - umgewidmet zu einer „Musik des Gedenkens und der Erinnerung an einen großen heldenhaften Menschen“. Von einer heroischen Sinfonie erwartet man Ernst, Würde, Pathos, Feierlichkeit, große Gestik, Gewicht. Das alles kommt in der „Eroica“ auch vor. Weite Strecken aber sind frei davon. An anderen Stellen ist der Ernst sogar mit einem Zug ins Spielerische gepaart, der zum Heroischen gar nicht passt. Die Musik ist häufig gar tänzerisch.

Sinfonie Nr. 8

Die 8. Sinfonie, die Beethoven die „Kleine“ nannte, ohne deshalb ihren Inhalt zu meinen, ist ein Werk für Kenner. Es ist das Werk eines Humors, dem nicht zu trauen ist. Die Hörer der Uraufführung 1814 im Redoutensaal der Wiener Burg waren verdutzt über den gänzlich unspektakulären Charakter der Sinfonie. Ihre Qualitäten erschließen sich erst dann, wenn man sich darauf einlässt, welche Dimensionen der musikalische Humor hier annimmt. Hier geht es um die auskomponierte Distanz zur Symphonik des späten 18. Jahrhunderts. So komponiert Beethoven im 3. Satz ein „Tempo di Minuetto”, das einen arg ironischen Blick auf das Menuett des Ancien régime enthält und erfüllt ist von musikalischen Verfremdungen. Im gesamten Werk demonstriert er, dass die rein zeitliche Ausdehnung (ca.30 Min.) nicht dasselbe ist wie die konkrete musikalische Erfüllung. Auch seine Zeitgenossen beschied er in jenen Jahren oft knapp und deutlich. Im Sommer 1812, dem Entstehungsjahr seiner „Kleinen“, traf er am 19. Juli in Teplitz mit Goethe zusammen. Die Herren kurten einige Tage gemeinsam. Später schrieb er an seinen Verleger: „Goethe behagt die Hofluft zu sehr, mehr als einem Dichter ziemt.“ Im Herbst fuhr er nach Linz zu seinem Bruder Johann, der Apotheker war und dort in wilder Ehe mit seiner Haushälterin Therese Obermeyer lebte. Beethoven, der sich als der Älteste seinen Geschwistern gegenüber stets in der Rolle des Vaters wähnte, billigte dies nicht. Er erwirkte polizeilichen Befehl, die Dame aus Linz auszuweisen und nach Wien in Gewahrsam zu bringen. Bruder Johann kam dem Eklat zuvor, indem er Therese Obermeyer heiratete. Erst dann verließ Beethoven das Haus, wo er unter all dem Zank die Partitur zu seiner 8. Sinfonie geschrieben hatte. „Linz im Monath October 1812“ steht auf ihr vermerkt.

Die berühmte 9.

Wenngleich Beethovens 9. Sinfonie im Auftrag der Londoner Philharmonic Society entstand, erlebte sie nicht in England ihre Premiere, sondern in Wien am 7. Mai 1824. Die musikalische Direktion lag zwar in den Händen des Kapellmeisters Michael Umlauf, doch agierte Beethoven gleichzeitig als eine Art Nebendirigent. Der Anschlagzettel formulierte es diplomatisch: „Herr Ludwig van Beethoven wird an der Leitung des Ganzen Anteil nehmen“. Ein Mitwirkender jenes Konzerts, der Geiger Joseph Michael Böhm, erinnerte sich, dass die Blicke der Orchestermusiker jedoch ganz auf Michael Umlauf  konzentriert waren, während  Beethoven daneben „wie ein Wahnsinniger“ gestikuliert habe: „Beethoven war so aufgeregt, dass er nichts sah, was um ihn vorging, dass er auf den Beifallssturm, den er freilich bei seiner Gehörschwäche kaum hören konnte, auch nicht einmal achtete. Man musste ihn hin zum Publikum umdrehen, wenn es an der Zeit war, für den gespendeten Beifall zu danken, was Beethoven in linkischer Weise auch tat. – Beethoven feierte einen großartigen Triumph“.
Beethovens 9. Sinfonie ist - über den Rang seines sinfonischen Schaffens hinaus - eine Musik von singulärer Bedeutung. Kein anderes Werk hat auf die nachfolgende Entwicklung der Sinfonie einen solchen Einfluss ausgeübt wie dieses Werk. Und kein zweites Werk hat eine so ununterbrochene Aktualität bis heute wie diese Sinfonie. Das hat sicher damit zu tun, dass Beethoven in diesem Werk dem Humanitätsgedanken und dem Glauben an eine fortschrittliche Entwicklung der Menschheit zu freiheitlichen und real besseren Verhältnissen einen emphatischen Ausdruck verliehen hat, den in der Tat alle Menschen verstehen und  der in seiner Eindringlichkeit unerreicht geblieben ist. Der Übergang zum Finale im 4. Satz zeigt, dass der Zustand gelöster Freude nicht einfach gegeben ist, sondern errungen werden muss. Noch einmal ziehen die Hauptthemen der ersten drei Sätze vorbei, bevor, unterbrochen von der Schreckensfanfare als Symbol der „wüsten Zeiten“ mit den Worten des Solisten „O Freunde, nicht diese Töne“ die Welt der Freiheit als Freude Wirklichkeit werden kann.

Hans Rueda

Den Autor erreichen Sie unter hans.rueda@wochenblatt.es

Kartentelefon: 902 317 327 (Konzert 21.Dez. ist ausverkauft)
Eintrittspreise 13,- / 16,- / 19,- und 23,- Euro – Konzertbeginn ist jeweils um 20.30 Uhr.







Leserbrief zu Artikel Zorn, Zank , Freude, schöner Götterfunken schreiben


Wochenblatt-Leser helfen.

  NEWSLETTER
  Ihre eMail-Adresse
Inmobiliaria Optima Canarias