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Ausgabe: Nr. 275 (6/2017) vom 22. März - 4. April 2017
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Die Konzerte des OST am 25. Mai und 1. Juni im Auditorium von Santa Cruz

Klassik-Hits von Prokofjew, Raritäten von Mozart

Werke zweier russischer Komponisten, Igor Strawinsky und Sergej Prokofjew, stehen am 25. Mai auf dem Programm des OST Orquesta Sinfónica de Tenerife. Gegeben werden Strawinskys Sinfonische Dichtung „Gesang der Nachtigall“, sein „Scherzo à la russe“, sowie Prokofjews 2. Klavierkonzert und seine 1. Sinfonie.



25.05.2007 - Teneriffa - Die Leitung des Abends liegt bei einem der führenden spanischen Dirigenten unserer Tage, Maestro Juan José Mena. Solist des Konzerts ist der chilenische Pianist  Javier Lanis, der  bei dem großen russischen Klavierpädagogen Anatol Ugorski an der Musikhochschule in Detmold studierte. Man darf sich somit auf eine authentische Wiedergabe des mittlerweile zu einem Lieblingswerk im Musikleben Russlands mutierten Klavierkonzerts freuen. Auf den von Prokofjew zu dessen Uraufführung 1913 in St. Petersburg cool provozierten Skandal kommen wir noch zu sprechen.   
Am 1. Juni werden dann selten zu hörende Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Carl Maria von Webers ebenfalls selten gespielte 1. Sinfonie gegeben. Die Leitung des Konzerts hat Jean-Jacques Kantorow, der als Violinvirtuose begann und inzwischen auch ein international begehrter Dirigent geworden ist. In Mozarts „Concertone“ KV 190,  einem konzertähnlichen Orchesterstück mit zwei Solo-Violinen, wird er als einer der Solisten mitwirken. Den weiteren Solopart übernimmt der italienische Geiger Mauro Rossi, der auch Solist in Mozarts 2. Violinkonzert KV 211 sein wird.

Strawinsky und Prokofjew – gegensätzlicher geht’s  nicht

Der 1882 als Sohn eines Bassisten an der St. Petersburger Oper geborene Igor Strawinsky prägte mit dem von ihm initiierten Neoklassizismus eine wichtige Stilrichtung der Musik des 20. Jahrhunderts. Mit der Verwendung und Verfremdung bekannter und historischer Formen sowie Methoden gelangte er zu einer ganz eigenen Form des reinen Spiels mit den Tönen. Erstes großes Werk aus dieser Schaffensperiode ist sein Ballett „Pulcinella“ (1919). Vorher bereits war Strawinsky mit seinen Ballett-Kompositionen „Feuervogel“, „Petruschka“ und insbesondere mit „Le sacre du printemps“ zu Weltruhm gekommen. Letzterer Werke wegen hatte er die Arbeit an seiner Oper nach Hans Christian Andersens berühmtem Märchen „Die chinesische Nachtigall“ ruhen lassen. Nachdem die  Akte II und III dieses Werks endlich fertig waren, entstand der Plan, repräsentative Teile daraus zu einem sinfonischen Gebilde zusammenzuschließen, dem im Konzert am 25. Mai zu hörenden „Chant du rossignol“ (Gesang der Nachtigall). Drei ineinander übergehende Abschnitte tragen in der Klavierfassung (nicht in der Partiturausgabe!) folgende Überschriften: I. Das Fest im Palast des Kaisers von China (mit einem ‚Chinesischen Marsch’), II. Die beiden Nachtigallen, III. Krankheit und Genesung des Kaisers von China. Strawinsky hat dieses Werk sehr geliebt und würdigt es in seinen „Erinnerungen“ von 1935/36 ganz besonders. Seine im Jahr 1944 entstandene Orchestermusik  „Scherzo à la russe“, die am 25. Mai ebenfalls zu hören sein wird, war eher ein Gelegenheitswerk. Hatte der Meister Heimweh? 1914 hatte Strawinsky die russische Heimat zum letzten Mal gesehen, und er sollte sie nie wieder sehen. Es begann eine Zeit fortwährenden Exils. Er lebte zunächst in der Schweiz, dann in Frankreich, schließlich seit 1940 in Kalifornien. Als er 1971 in New York starb, hatte Igor Strawinsky mit einem außerordentlichen Instinkt in seiner sich ständig wandelnden kompositorischen Sprache die wesentlichen musikalischen Spielarten seiner Zeit beeinflusst. Mit Ausnahme seiner frühen Jahre, deren Kompositionen im russischen Volkslied verwurzelt waren, war er musikalisch in der Welt zu Hause wie kein anderer. Vielleicht war er der letzte Universalist der Musikgeschichte. Die Welt schüttete das Füllhorn aller erdenklichen Ehrungen über ihm aus. Sein Leben fand nach kontinuierlicher Steigerung seit Anfang des 20. Jahrhunderts ein würdiges Ende. Igor Strawinsky liegt in Venedig begraben.
Und Sergej Prokofjew? Auch er hat bis heute in der Musik einen sicheren Platz: den zwischen den Stühlen. Konservativen ging er zu weit, Avantgardisten nicht weit genug, dem Westen war er zu linientreu - als wären er und Schostakowitsch quasi KBG-Komponisten gewesen -, dem Osten zeitweise zu dekadent. Selbst im Tod lag er „daneben“: er starb am selben Tag wie Stalin, dem 5. März 1953. Ein würdiges Begräbnis war dem Komponisten nicht vergönnt. Alle Moskauer Blumengeschäfte waren leergekauft, und während der Leichnam des Generalissimus in einem Meer von Blumen und Palmen zu ertrinken drohte, schmückten den bescheidenen Sarg des Komponisten nur wenige Grünpflanzen, die eine Nachbarin Prokofjews opferte, um wenigstens etwas auf das Grab des Künstlers legen zu können. Auch die Zeitungen hatten keinen Platz für den Nachruf  auf  einen Komponisten, der zweifelsohne zu den größten musikalischen Genies zählt, die das große Russland je hervorbrachte, der es aber gewagt hatte, am selben Tag wie Stalin zu sterben. Sergej Prokofjew wurde 1891 geboren und in St. Petersburg musikalisch ausgebildet. Anders als Strawinsky, der diesen Schritt seines Kollegen als Dummheit wertete, kehrte er nach langen Jahren in Japan, den USA und Paris 1936 endgültig in seine russische Heimat zurück. „Zusammen mit Schostakowitsch wurde er zum Hauptvertreter eines neuen, an der sinfonischen Tradition des späten 19. Jahrhunderts angelehnten russisch-sowjetischen Nationalstils sozialistischer Prägung.“ Solche Sätze geistern noch heute neben musikalischen Kriterien bei der Bewertung seiner Musik in den Köpfen herum. Wahr ist, dass Prokofjew unter dem Sowjetterror jener Jahre existentielle Ängste und geistige Bedrängnis bis zur schöpferischen Lähmung erleiden musste. „Doch als echter russischer Mensch hatte mein Vater Heimweh nach Russland“, schrieb später Sohn Swjatoslaw in seinen Erinnerungen an den Vater. „Er gehörte zu denen, die bei allen schrecklichen Umständen ihre menschliche Würde bewahrten und den scheinbar allmächtigen Alltagssituationen nicht die Oberhand ließen. Er leistete einen stillen, aber umso zäheren Widerstand.“
Doch weit entfernt noch in der Zukunft liegen diese Jahre vor Prokofjew, als er 1913 - als Student noch,  die musikalische Welt zu erobern sich anschickte. Hier der Bericht der „St. Petersburg Gazette“ aus jenem Jahr zur Uraufführung seines 2. Klavierkonzerts am 5. September im russischen Pawlowsk:  „Auf dem Podium erschien ein Jüngling, der wie ein Gymnasiast aussah. Es war Sergej Prokofjew. Er setzte sich ans Klavier. Es war als ob er die Tasten abstaubte und manche dabei, je nach Zufall, hart und trocken niederdrückte. Das Publikum wusste nicht, was es davon halten sollte. Man hörte unwilliges Gemurmel. Ein Paar stand auf und eilte zum Ausgang. ‚Eine solche Musik kann einen wahnsinnig machen!’ Der Raum wurde immer leerer. Der junge Komponist beschloss sein Konzert mit einem erbarmungslos dissonanten Akkord der Blechbläser. Die Hörer waren entsetzt. Die meisten zischten. Prokofjew verbeugte sich spöttisch, setzte sich wieder hin und spielte eine Zugabe.“ Wenn Sie im Konzert am 25. Mai  dem Werk vielleicht begeistert Beifall klatschen werden, sind seit seiner Uraufführung knapp 100 Jahre vergangen. Heute ist diese Komposition nicht nur in Russland sehr populär und gilt als gleichermaßen interessant für Solist und Orchester. In seiner überarbeiteten Fassung von 1924 machte das Werk in Paris mächtig Furore.                
In seiner Autobiographie schreibt Prokofjew zur Entstehung seiner 1. Sinfonie (Symphonie classique): „Mir schien, dass Haydn, wenn er heute noch lebte, ebenso komponieren würde wie zuvor und gleichzeitig etwas Neues in seine Kompositionsweise aufnehmen würde. Solch eine Sinfonie wollte ich komponieren: eine Sinfonie im klassischen Stil.“ Er schrieb das Werk im Sommer 1917 auf einer Reise ins Uralgebirge und verfolgte dabei auch ein Ziel, das er zeitlebens vor Augen hatte: Durchsichtigkeit der Instrumentierung und Klarheit der Form. Prokofjew spielt mit dem klassischen Gattungsmodell, eifert ihm nach, überzeichnet und überdreht, schmuggelt Modernismen ein wie aberwitzige Tempi und die ‚falschen’ Fortsetzungen. Es ist ein zirzensischer Balanceakt zwischen Mechanik und Esprit, zwischen weltläufiger Brillanz und volkstümlicher Burleske, zwischen Parodie und Nostalgie. Die „Klassische“ macht ihrem Namen Ehre; sie gehört zu den beliebtesten Orchesterwerken der Welt.

Konzertraritäten von Mozart und Weber

Es ist bemerkenswert, wie bemüht man bei der Planung der Konzertprogramme des OST immer wieder daran geht, oft zu Unrecht vernachlässigte Werke auch großer Komponisten wieder einmal zur Aufführung  zu bringen. Am 1. Juni nun ist Mozarts „Concertone“ KV 190 aus dem Jahr 1774 zu hören. Das Werk dokumentiert einen gewissen Vorläuferstand: Unentschlossen zwischen barocken und galanten Traditionen stehend, ist es ein interessantes Experiment, und da es neben den beiden Soloviolinen auch Oboe und Cello solistisch einsetzt, eigentlich eine echte „Sinfonia concertante“, - ein liebenswertes Werk aus Mozarts Salzburger Jahren, da er dort als Konzertmeister am fürstbischöflichen Hof angestellt war.
Mozarts 2. Violinkonzert KV 211 von 1775 kommt ebenfalls selten zur Aufführung. Mozart hat darin noch nicht die Meisterschaft seiner drei späteren Werke dieser Gattung erreicht. Bestechend jedoch sind hier die schon sehr persönlichen Ausprägungen seines Stils.
Als dritte Rarität des Konzerts am 1. Juni ist Carl Maria von Webers 1. Sinfonie zu hören. Hans Pfitzner äußerte einmal: „Weber kam auf die Welt, um den ‚Freischütz’ zu schreiben“. So frappant sich das anhört, ein Körnlein Wahrheit liegt darin. Denn alle anderen Leistungen Webers werden in der Tat von diesem einzigen ‚Freischütz’ überschattet. Seine 1. Sinfonie aus dem Jahr 1807 verdient es, wieder einmal zu klingendem Leben erweckt zu werden. Lange Zeit war sie wegen ihres klangschönen romantischen Andante und wegen ihres humorigen Finales beliebt. Manche schönen Einzelzüge deuten bereits auf den Meister des „Freischütz“ hin.

Das Konzertprogramm vom 25. Mai wird auch am 24. Mai  im Magma Arte & Congresos Costa Adeje gegeben.

Hans Rueda

Den Autor erreichen Sie unter hans.rueda@wochenblatt.es   






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