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Ausgabe: Nr. 275 (6/2017) vom 22. März - 4. April 2017
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Die Konzerte des OST am 8. und 15. Juni im Auditorium von Santa Cruz

Saisonabschluss mit großer Musik und Star-Solisten

Mit zwei Künstlern der Extra-Klasse als Klaviersolisten beschließt das OST - Orquesta Sinfónica de Tenerife die Reihe seiner 20 Abo-Konzerte der Spielzeit 2006/07 im Auditorium von Santa Cruz: Am 8. Juni brilliert der junge türkische Ausnahmemusiker Fazil Say als Klaviersolist in Sergej Rachmaninows „Paganini-Variationen“.



07.06.2007 - Teneriffa - Die französische Tageszeitung Le Figaro nennt ihn bereits heute „einen großen Künstler des 21. Jahrhunderts“, und dieses ausdrücklich bezogen auf seine Leistungen gleicher weise als Pianist und Komponist. Anstelle des ursprünglich vorgesehenen Dirigenten leitet das Konzert jetzt Lü Jia, der neue Chef des Orchesters. Neben den „Lineas de Fuerza“ von C. Satue dirigiert er an diesem Abend in Abänderung des Programms  Robert Schumanns Vierte Sinfonie.
Am 15. Juni interpretiert Barry Douglas, der Sieger des Jahres 1986 im wohl härtesten Wettstreit für Pianisten, dem Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb, des Meisters berühmtes Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-moll. Die musikalische Leitung des Abends liegt bei Maximiano Valdés. Zu Beginn dirigiert er ein „Scherzo fantástico“ von J.de Monasterio, zum Abschluss die Fünfte Sinfonie von Sergej Prokofjew.

Konzert 8. Juni

Neulich riss Chefdirigent Lü Jia mit einem selten zu hörenden Werk von Brahms/Schönberg das Orchester mit zur Höchstleistung, und brachte das Publikum im Auditorium zu „Standing Ovations“. Wenn er jetzt mit einem Künstler vom Kaliber eines Fazil Say als Klaviersolist in Sergej Rachmaninows „Rhapsodie über ein Thema von Paganini“ ein so beliebtes Werk zu Gehör bringen wird, steht somit einiges zu erwarten. Rachmaninow komponierte dieses wirkungsvolle Stück nach der berühmten Paganini-Caprice (op. 1 Nr. 24), die schon Brahms und Liszt herausgefordert hatte. Von extremer Virtuosität spannt sich der Bogen in 24 Variationen bis hin zu liturgischen Sphären des Mittelalters.
Als Leiter der berühmten Opernfestspiele im römischen Amphitheater von Verona weiß Lü Jia Abertausende Zuhörer zu begeistern. Solches aber vermag auch Fazil Say, der im Sommer 2004 in einem römischen Amphitheater vor 8.000 Menschen sein eigenes Oratorium „Nazim“ zur Aufführung brachte. Dieser 1970 in Ankara geborene Künstler gewann nach seinem Studium in Düsseldorf und Berlin 1994 den New Yorker Klavierwettbewerb und startete damit seine internationale Karriere als Pianist. Als Komponist hatte er bereits ab dem 16. Lebensjahr so viele erfolgreiche Werke verschiedener Stilrichtungen geschaffen, dass er nun einen Exklusivvertrag auf Lebenszeit  mit dem Mainzer Traditionsverlag Schott besitzt. Seine jüngste Uraufführung erlebte der Künstler mit der „Fenerbahace Sinfonie“, womit ihn der vielfache türkische Fußballmeister gleichen Namens in Istanbul beauftragt hatte.
Als ehemaliger Student an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf wird sich Fazil Say die anschließende Aufführung der Vierten Sinfonie des Namensgebers dieser Künstlerschmiede kaum entgehen lassen. Robert Schumann erlebte mit der Uraufführung ihrer zweiten, endgültigen Fassung im Mai 1853 in Düsseldorf einen großen Erfolg. Alle Teile der Sinfonie sind gleichmäßig von Erfindungskraft durchflutet, in jedem der vier Sätze herrscht der romantische Enthusiasmus von Schumanns frühen Kompositionen. Man hat bei der ersten Fassung von 1841 mit Recht von einer instrumentierten Klavier-Phantasie gesprochen. Der Komponist selbst bezeichnete sein Werk anfangs als Sinfonische Phantasie. Johannes Brahms zog die duftige Orchestrierung  der Originalfassung der späteren verdickten und grelleren  Überarbeitung aus der Düsseldorfer Zeit Robert Schumanns vor.

Konzert 15. Juni

Obwohl ein Pianist der Extra-Klasse, beschränkt auch Barry Douglas sich musikalisch nicht nur auf das Klavierspielen. Im Jahr 1999 gründete er die „Camerata Ireland“, ein Orchester mit Musikern aus beiden Teilen Irlands. Seit 2004 ist er Künstlerischer Leiter des irischen Clandeboye Festivals und des Internationalen Piano Festivals von Manchester.
Mit dem Ersten Klavierkonzert von Peter Tschaikowsky interpretiert Barry Douglas das  Virtuosen-Konzert schlechthin, ohne sich in Virtuosität zu erschöpfen. Allerdings muss nach gelungenen Aufführungen der Solist eigentlich sofort unters Sauerstoffzelt, denn die pianistischen Anforderungen des Werks an seine Kraft und sein Können sind enorm. Dabei hatte der Siegeszug dieses Klavierkonzerts als vermutlich bekanntestes und beliebtestes Werks seiner Gattung keineswegs triumphal begonnen. Am 21. November 1874 schrieb Tschaikowsky seinem Bruder Anatol: „Ich bin ganz in der Komposition eines Klavierkonzerts versunken. Ich wünsche sehr, dass es Rubinstein zum Vortrag bringt. Die Arbeit geht sehr langsam vorwärts und will nicht recht gelingen.“ Als er den Klavierpart dem mit ihm befreundeten Nikolai Rubinstein vorspielt, fällte dieser eine vernichtende Kritik, bezeichnete es als „wertlos und völlig unspielbar“. Die Komposition sei schlecht, trivial, vulgär. Er wollte, dass Tschaikowsky das Werk umarbeite, was dieser allerdings verweigerte. Am 25. September 1875 hob statt Rubinstein nun Hans von Bülow das Werk in Amerika aus der Taufe und spielte es nach Boston und New York auch in mehreren Städten Europas. Der Anfang des Konzertes ist ja beinahe so populär wie das Kopfmotiv von Beethovens Fünfter, seiner „Schicksals-Sinfonie“. Nach einem dreimaligen schmetternden Hornsignal, das vom Orchester mit Fortissimo-Schlägen beantwortet wird, setzt der Solist mit wuchtigen Akkordsäulen ein, über denen sich eine blühende Melodie in den Streichern entfaltet. Völlig ungewöhnlich ist, dass der Komponist diesen Einstand vorüberrauschen lässt, ohne im weiteren Verlauf noch einmal darauf zurückzukommen.
Später sah Rubinstein seine Fehleinschätzung ein und führte das Konzert bei der Pariser Weltausstellung von 1878 zum umjubelten Triumph, den es seither unfehlbar auslöst. Kein großer Virtuose verzichtet auf dieses grandiose Klavierkonzert. Obwohl es Hunderte von Einspielungen gibt, hat es nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt.
Die den Abend und damit die Konzertsaison 2006/07 beschließende Fünfte Sinfonie von Sergej Prokofjew ist ebenfalls ein großes Erfolgswerk, aber von völlig anderer Art.
Im Jahr 1936 war der 1891 geborene Komponist nach langen Jahren im Ausland letztlich aus Heimweh nach Russland zurückgekehrt. Mit seiner spanischen Ehefrau Lina und den beiden Söhnen nahm er Domizil in Moskau. Seit 1941 lebte Prokofjew dann mit Mira Mendelson zusammen, einer jungen Dichterin und Librettistin, die er einige Sommer zuvor kennengelernt hatte. Ihre Heirat 1948 wurde für die gebürtige Spanierin Lina zur Existenzbedrohung, da sie den Schutz ihres prominenten Ehemannes nun verloren hatte. Kaum denkbar ist es, dass ihm die Gefährdung seiner Frau im fremdenfeindlichen Klima des stalinschen Russland nicht bewusst war. Am 20. Februar 1948 wurde Lina Prokofjewa unter einem Vorwand aus ihrer Wohnung verschleppt, inhaftiert und unter der Beschuldigung der Weitergabe von Informationen an ausländische Personen zu zwanzig Jahren Arbeitslager verurteilt. Nach acht Jahren Lagerhaft in Sibirien konnte sie 1956 nach Moskau zurückkehren, wo ihr Ehemann 1953 zwischenzeitlich gestorben war. Bis zuletzt hatte sie auf der Gültigkeit ihrer Ehe mit Prokofjew bestanden. Und bis zuletzt widmete sie sich dem Werk ihres Mannes. „Sein Leben war auch mein Leben. Was danach kam, war unwichtig.“ Lina Prokofjewa starb 1989 im Alter von einundneunzig Jahren in London.
Sergej Prokofjews 1944 komponierte Fünfte Sinfonie ist ein Werk der Selbstbehauptung in schwerer Zeit, die durch Krieg und Terror geprägt war. Freunde wie der berühmte Regisseur Meyerhold wurden erschossen, andere, wie seine erste Frau Lina, verschwanden in Stalins Lagern. Prokofjew gab 1951 einen verschlüsselten Hinweis auf den Gehalt der Fünften Sinfonie, an „die Würde des menschlichen Geistes zu erinnern, also der furchtbaren Realität zu widerstehen, Verschwiegenes laut zu machen“.
Die beiden Mittelsätze des Werkes sind virtuose Nachtstücke, in denen die Scherzo-Groteske in einen makabren Tanz umschlägt, ein Trauermarsch Raum greift. Die Sinfonie endet in einer jubelnden Apotheose als „ein Lied auf den freien und glücklichen Menschen.“ Unmittelbar nach der Moskauer Uraufführung 1945 unter der Leitung des Komponisten wurde die Sinfonie auch in Boston und Paris gespielt. Prokofjew betrachtete sie als sein sinfonisches Hauptwerk.

Hans Rueda

Den Autor erreichen Sie unter hans.rueda@wochenblatt.es

Das Konzertprogramm vom 8. Juni wird auch am 7. Juni  im Magma Arte & Congresos in Costa Adeje gegeben.






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