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Ausgabe: Nr. 274 (5/2017) vom 8. - 21. März 2017
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Konzertsaison des Symphonieorchesters beginnt mit Beethoven und Brahms

„Schönheit ohne Erdenrest“

Wenn Maestro Lü Jia am 16. November dem OST - Orquesta Sinónica de Tenerife im Auditorio von Santa Cruz den Einsatz gibt, beginnt damit die erste, von ihm als Chefdirigent maßgeblich gestaltete neue Spielzeit.



08.11.2007 - Teneriffa -  In einem Vorkonzert ist das OST mit dem gleichen Programm am 15. November im Magma Arte von Adeje zu hören. In 19 Abonnement-Konzerten wird das Orchester unter seiner Stabführung, sowie unter Leitung von Ehrendirigent Victor Pablo Pérez und weiteren renommierten Gästen am Pult, einen wahren musikalischen Kosmos der Klassik erklingen lassen. Klassische Moderne und Avantgarde werden nicht ausgespart, und zum Saisonschluss wird gar Luis Bacalovs Erfolgswerk „Misa Tango“ unter der Leitung des Komponisten persönlich gegeben. Dazu konnten wieder internationale Solisten von Rang verpflichtet werden. Klassikfreunde auf Teneriffa dürfen sich auf ein spannende Saison freuen.
Natürlich. Zur Saisoneröffnung sollte es schon etwas Besonderes sein. Mit Bedacht wählte Lü Jia also zwei Werke der Klassikliteratur von erhabener lyrischer Schönheit. Beide, Ludwig van Beethovens Violinkonzert und Johannes Brahms’ Zweite Sinfonie, sollten in ihrer Art einzig bleiben. Beide entstanden in Zeiten, da ihre Schöpfer relativ glücklich lebten. Man vermeint, dies buchstäblich hören zu können; wir werden darauf noch eingehen. Beethoven gelang mit seinem einzig vollendeten Violinkonzert ein Löwenwurf. Er schuf damit den Prototyp des großen, ernsten Violinkonzerts,  nicht mehr zu übertreffen auch von Brahms, der das wusste: „Stets höre ich Beethoven als Riesen hinter mir her marschieren“ beklagte er sich. Mit seiner Zweiten Sinfonie aber gelang ihm ebenfalls Einzigartiges. Die Leichtigkeit des 19. Jahrhunderts blüht zum letzten Mal in ihr auf, und auch dieses ahnt Brahms. Der Bogen vom ersten bis zum letzten Satz enthält alles Glück dieser Zeit und die Ahnung der Katastrophen, die ihr folgten.
Beethoven vollendete sein Violinkonzert 1806. Es ist eigentlich ein Gelegenheitswerk, das er auf Bitte des Geigers Franz Clement, des Konzertmeisters im Theater an der Wien, komponierte. Am 23. Dezember wurde es dort mit ihm als Solist uraufgeführt. Beethoven soll das Konzert erst zwei Tage vorher fertig gestellt haben, sodass Clement es quasi vom Blatt spielen musste. Tatsächlich schrieb Beethoven dazu noch auf das Titelblatt der Partitur: „Concerto par Clemenza pour Clement“ - Konzert aus Barmherzigkeit für Clement! Der Meister beliebte obendrein noch zu scherzen.  In dieser Zeit ging es Beethoven  ganz gut. Er lebte im „Pasqualati’schen Haus“ und freundete sich mit dem Hausherrn langsam an, der ihm finanziell und auch mit Tipps und Ratschlägen zur Seite stand. Außerdem war Beethoven verliebt in die schöne junge Witwe Josephine Brunsvick, der er im Jahr zuvor sein wundervolles Lied „An die Hoffnung“ gewidmet hatte.
Die ersten beiden Sätze des Violinkonzerts haben die Intensität der späteren Werke Beethovens, das abschließende Rondo zeichnet sich durch seine rustikal-leichte Atmosphäre aus. Das Werk ist durchgehend lyrisch und gefühlsbetont und verlangt nur im Schlusssatz Virtuosität. Alles andere als ein übliches Virtuosenstück mit Orchesterbegleitung, gilt es vielen  Geigern heute als „das schönste Konzert der Welt“ (Menuhin, Grumiaux). Es sollte aber dauern, bis es so weit war.
Wohl aufgrund der dürftigen Uraufführung wurde dieses Violinkonzert zunächst kein Erfolg.  Tatsächlich hat es fast ein halbes Jahrhundert lang die Geiger nicht wirklich gereizt, vielleicht auch, weil es ihnen zu wenig virtuos, zu symphonisch war. Franz Clement meinte jedenfalls, sein geigerisches Können in jenem Konzert noch auf andere Weise zeigen zu müssen. Die „Wiener Theaterzeitung“ schrieb: „Man empfing Clements bewährte Kunst und Anmut, seine Stärke und Sicherheit auf der Violin, die sein Sklave ist, mit lärmendem Bravo. Der gebildeten Welt fiel es auf, wie Clement sich zu manchen Schnacken und Possen herabwürdigen konnte, um etwa den Pöbel mit Kunststücken wie `Sonate auf einer Saite mit umgekehrter Violine` zu ergötzen. Über Beethovens Konzert ist das Urteil von Kennern ungeteilt, es gesteht demselben manche Schönheit zu, bekennt aber, dass der Zusammenhang oft ganz zerrissen scheine, und dass die Wiederholungen einiger Stellen  ermüden könnten.“   
Erst Joseph Joachim, Brahms-Freund und einer der großen Geiger in der Geschichte dieses Instruments, hat sich dann intensiv um das Violinkonzert gekümmert: und zwar als Dreizehnjähriger! Er führte es am 27. Mai 1844 unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy in London auf. Damit hat er ihm zum Durchbruch verholfen. Ab da erst begann sein Siegeszug in der Welt der Musik.
Der italienische Geiger Marco Rizzi, Solist des Konzerts am 16. November, wird Beethovens „Löwenwurf so darbieten, wie vom Meister gedacht. Das Musikmagazin „Amadeus“ bescheinigte Marco Rizzi in einer Rezension „den faszinierenden, gefühlvollen Geigenklang und die unfehlbare musikalische Intuition, die dieses Werk be­nötigt“. Gleichwohl Preisträger des berühmten Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs, und dadurch ausgezeichnet als Violinvirtuose der Sonderklasse, steht Marco Rizzi bei Beethoven in der großen Tra-  dition eines Joseph Joachim, dem  Brahms auch sein einziges Violinkonzert widmete.
Joseph Joachim war es auch, der fast ein Vierteljahrhundert später, am 10. Juni 1878 beim Niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf, Johannes Brahms’ Zweite Sinfonie dirigierte und ihr dort zum großen Durchbruch verhalf. Schon nach ihrer gelungenen Uraufführung am 30. Dezember 1877 in Wien unter Hans Richter war der Erfolg absehbar, jedoch war die Resonanz kurz darauf im Leipziger Gewandhaus mit Johannes Brahms selbst am Pult nur mäßig gewesen. Die im ersten Satz wichtigen Posaunenbläser, und im zweiten Satz die Hornisten waren indisponiert.
Nach dem Megaerfolg in Düsseldorf konnte nichts mehr den Triumph dieses vielleicht glückhaftesten Werks des Meisters aus Hamburg mit Sitz in Wien aufhalten. Binnen weniger Monate hatte Brahms die Sinfonie im Sommer 1877 am Wörthersee begonnen und fast fertig komponiert. Im Oktober vollendete er sie in Baden-Baden und schickte sie an seinen Verleger Simrock.
Brahms’ Leben gestaltete sich recht glücklich in jenen Jahren. Aus einem sicheren, guten Gefühl seiner „Zweiten“ gegenüber, mag der Scherz kommen, den er mit seinem verdutzten Verleger trieb, indem er an ihn schrieb: „Die neue Sinfonie ist so melancholisch, dass Sie es nicht aushalten. Ich habe noch nie so etwas Traurigeres, Molligeres geschrieben: die Partitur muss mit Trauerrand erscheinen. Ich habe genug gewarnt.“
Brahms’ „Zweite“ zeigte von Beginn an ergreifende Wirkung. Johannes Verhulst, niederländischer Komponist und Freund Schumanns und Brahms’, war bei den Proben dieser Sinfonie in Amsterdam anwesend. Er weinte wie ein Kind und lief, noch während das Orchester spielte, zu einer ihm fremden Frau im Saal und sagte zu ihr: „Vergessen Sie doch nie das Glück, diese Musik zu hören.“  Otto Dessoff, Dirigent der Uraufführung von Brahms’ 1. Sinfonie, schrieb im Sommer 1878 an Brahms: „Es gibt gewisse Dinge, die so schön sind, dass man gar nicht mehr daran denkt, um welche Kunstgattung es sich handelt, sondern bei welchen man ´die Schönheit` als solche vor sich zu haben glaubt; an denen kein `Erdenrest zu tragen peinlich` klebt. Zu diesen gehört Deine nun 2. Sinfonie, und das ist meine ganze Kritik… Man vergisst das Material, weiß nicht, ob da gesungen, gespielt oder gemalt wird, sondern fühlt sich in das Schöne eingetaucht. Wenn ich dieses gewisse Gruseln kriege, auch bei den heiteren Stellen, dann weiß ich, dass ich es mit dem Besten zu tun habe.“
Das Konzert am 16. November im Auditorio von Santa Cruz beginnt um 20.30 Uhr.
Ein Vorkonzert dazu findet am 15. November um 21 Uhr im Magma Arte von Adeje statt.

Hans Rueda
hans.rueda@wochenblatt.es






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