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Ausgabe: Nr. 274 (5/2017) vom 8. - 21. März 2017
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Meisterwerke von Haydn und Beethoven am 29. und 30. November in La Orotava und Santa Cruz

„Meine Frau, das Teufelsweib!“

Das 3. Abo-Konzert des OST Orquesta Sinfónica de Tenerife mit Chefdirigent Lü Jia am Pult ist ganz der „Wiener Klassik“ gewidmet. Ein Spätwerk Joseph Haydns, seine „Londoner Sinfonie“ Nr. 104, und eine Schauspielmusik Ludwig van Beethovens, „Egmont“, stehen am 30. November im Auditorio von Santa Cruz auf dem Programm. Ein Vorkonzert mit diesen Werken findet am 29. November im Auditorio von La Orotava statt. Lang währt diesmal die Vorfreude auf Mozart, den Dritten des „Wiener Klassik“- Dreigestirns: Im 15. Abo-Konzert im Mai gibt es aus seinen Werken zu hören.



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23.11.2007 - Teneriffa - Mitnichten ist Joseph Haydn der „Papa Haydn“ mit dem Rokoko-Zöpfchen, sondern einer der größten Komponisten aller Zeiten. Franz Joseph Haydn kommt am 31. März 1732 in einer Stroh gedeckten Bauernhütte als Sohn eines Musik liebenden Marktrichters und Wagenbauers zur Welt. Seine früh verstorbene Mutter war Schloss­köchin. Mit 28 Jahren heiratet er die um vier Jahre ältere Maria Anna Keller. Wenig später beginnt sein Aufstieg. Er wird Kapellmeister beim Fürsten Esterházy in Eisenstadt, und seine Werke sind überall gefragt. Maria Anna missgönnt ihrem Mann den Erfolg, der ihn ihr entfremdet. Haydn hat mehrere Geliebte. Die Beziehung zur ebenfalls verheirateten italienischen Sängerin Luigia Polzelli dauert am längsten. Solange sie zusammen beim Fürsten Esterházy angestellt sind, sind sie ein leidenschaftliches Paar. Als Luigia dann nach Italien zurückkehrt, unterstützt Haydn seine Geliebte wohl noch finanziell. Gemessen an seinem Reichtum sind die Beträge Almosen.
Als sein Fürst 1790 stirbt, geht Haydn nach Wien. Dort schließt er Freundschaft mit dem viel jüngeren Mozart. Von Wien holt man Haydn als berühmtesten Komponisten Österreichs zu mehrjährigen Kunstreisen nach England. Er wird Oxforder Ehrendoktor und ist ungeheuer erfolgreich. Als gerissener Geschäftsmann bringt er es auch materiell zu großem Wohlstand. Mit seinen knapp sechzig Jahren steht er in London noch voll im Saft. Er schreibt dort neben anderen Werken 12 Sinfonien, die als Krönung seines Instrumentalschaffens anzusehen sind. Ihr Ruhm hat sich früh verbreitet. Der Einfluss auf Beethoven und die spätere Zeit datiert von diesen Schöpfungen, allesamt vollendete Meisterwerke. Seine letzte Sinfonie, Nr. 104, die jetzt zu hörende „Londoner“, gilt Haydn-Freunden als die bedeutendste. Sie verfügt über den großartigsten Anfang aller seiner Sinfonien. Unbeschreiblich.
In London findet Haydn neben seiner gigantischen Arbeitsleistung auch noch Zeit für Amouren. Er hat mehrere Freundinnen. Mit seiner Frau Maria Anna gibt es Ärger. Böse beklagt er sich darüber am 14. Januar 1791 in einem Brief aus London an seine geliebte Luigia nach Italien: „Meine Frau, das Teufelsweib! Schon immer war ihr gleich, ob ihr Ehemann ein Schuster ist oder ein Künstler! Jetzt aber schrieb sie so viele Sachen, dass ich mich zur Antwort gezwungen sah, ich würde mein Leben lang nicht mehr nach Hause kommen. Von diesem Augenblick an hat sie Vernunft angenommen.“ 
Wir verstehen. Selbst der Wurm krümmt sich, wenn man ihn tritt! Seine aktuelle Liebschaft mit der jungen Witwe Rebecca Schröter, eifrige Privatschülerin des Meisters in seinem eleganten Haus am Hydepark, vergisst er in seinem Brief an Luigia zu erwähnen. Das kann bei all den schönen Eingebungen zu seinen Sinfonien im Kopf schon mal passieren. Freuen wir uns auf die allerschönsten davon, zu genießen in seinem finalen sinfonischen Meisterwerk in den Konzerten am 29. und 30. November.
Haydn war geistig und körperlich über sein 70. Jahr hinaus von ungebrochener Kraft und Kreativität. Zurück in Wien, schreibt er die Wunderwerke seiner Oratorien „Schöpfung“ und „Jahreszeiten“. Kurz vor seinem Tode (1808) erlebt er eine beispiellose Ehrung mit der festlichen Aufführung seiner „Schöpfung“. Die Anwesenden bringen ihm Ovationen dar. Beethoven küsst ihm erschüttert Wangen und Hände.
Im Herbst 1809 erhält Beethoven vom Wiener Burg­theater den Auftrag, zu Goethes Drama „Egmont“ eine Bühnenmusik zu schreiben. Die Komposition umfasst neben der bekannten Ouvertüre neun weitere Gesangs- und Instrumentalnummern, darunter eine programmatische Musik, Klärchens Tod bezeichnend und ein Melodram zu Egmonts Worten „Süßer Schlaf“. Klärchens Lieder in den Konzerten hier singt Raquel Lojendio, Sopran,  Rezitaor ist Juan Jesús Valverde.
In seiner „Egmont“-Musik verbindet Beethoven das individuelle Schicksal eines Mannes mit patriotischem Gedankengut. Der flämische Graf Egmont, von den Spaniern gefangen und verurteilt, schreitet nach seines Klärchens misslungenem Rettungsversuch „einem ehrenvollen Tode entgegen“, nicht ohne zuvor den Aufstand seines Landes gegen die fremden Tyrannen anzukündigen. Goethe hatte aus der Geschichte geschöpft und in künstlerischer Überhöhung „seinen“ Egmont geschaffen. Beethoven, der seinen „Egmont“ aus Liebe zum Dichter schrieb, krönte die Musik zum Trauerspiel mit einer triumphierenden „Siegessinfonie“. Der zeitgenössische Bezug des Themas, das Beschwören nationalen Widerstands, war deutlich genug: 1809 hatten die Franzosen zum zweiten Mal Wien besetzt.
Zur Gänze ist dieses Meisterwerk Beethovens nur selten zu hören. Maestro Lü Jia will sich dem Genre der oft vernachlässigten Schauspielmusiken verstärkt widmen. Wir sind erfreut und gespannt.

Hans Rueda
hans.rueda@wochenblatt.es






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