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Ausgabe: Nr. 274 (5/2017) vom 8. - 21. März 2017
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Home > Kanarische Inseln > Nachrichten > Musik > Impressionen und Abgesang einer Epoche

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„OST“-Konzerte mit spanisch-französischen Werken am 7. und 14. März in Santa Cruz

Impressionen und Abgesang einer Epoche

Wer sich traute, ihn nach seinem Meisterwerk zu fragen, erhielt sogleich barsch Bescheid: „Der Boléro natürlich. Schade nur, dass er überhaupt keine Musik enthält.“ Auf dem Gipfel seines Ruhmes fährt er in der Luxuskabine der France 1928 nach Amerika. Alles ist von ihm da, auch seine 60 Hemden, 20 Paar Schuhe und 75 Krawatten. In Amerika die triumphale Tournee, die 53. Geburtstagsfeier mit George Gershwin, Hollywood mit Douglas Fairbanks und Charlie Chaplin.



Lü Jia leitet das OST am 7. März.
Fotogalerie© OST
Lü Jia leitet das OST am 7. März.
06.03.2008 - Teneriffa - Der gefeierte Dandy an den mondänen Orten der Welt, seine Schlaflosigkeit, die ohne Ende gerauchten Gauloises, seine Manie, nicht ohne Lackschuhe auftreten zu können, der griesgrämige, allein lebende Sonderling, der geniale Musiker, seine notorische Vergesslichkeit, die ihm vom König von Rumänien noch verziehen wird, aber an seinem tragischen Ende muss er nach dem Namen des Komponisten seines Abgesangs auf den Walzer, La Valse fragen, und die Welt kommt ihm abhanden, bis er 1937 an einer Gehirnkrankheit stirbt: Maurice Ravel, einer der berühmtesten französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts.
Seine beiden wohl wichtigsten Werke stehen im Mittelpunkt der Konzertprogramme des „OST“ – Orquesta Sinfónica de Tenerife am  7. März (La Valse) und 14. März (Daphnis et Chloé) im Auditorio von Santa Cruz.
Im Jahr 1906 wollte Ravel eine Apotheose der Wiener Walzer-Seligkeit komponieren, eine Art Mega-Walzer über eine Epoche, der er zwar nicht mehr angehörte, die ihn aber – wie jeden musikalischen und Luxus liebenden Menschen – offensichtlich fasziniert hat. Dann aber kamen Verdun und die Ardennen, Millionen Tote, der Gaskrieg. Der Kriegsfreiwillige Ravel erlebte ihn in vorderster Front. Erst 1919/20, in der Ruhe des Dörfchens Lapras an der Ardèche, stimmte er mit La Valse den Abgesang auf den Walzer, die Belle Epoque und das 19. Jahrhundert in einer Weise an, wie sonst niemand.
La Valse  ist die radikalste Beschreibung der Lust am Untergang, die es gibt, ein Untergang, der deshalb kommen muss, weil die Lust daran schon vor ihm da war. Die dekadente Epoche des Fin de Siècle hätte keine besser passende Leichenmusik finden können, und weil diese Lust am Untergang, am Scheitern, am Wissen um die Sehnsucht nach dem Ende in uns allen ist, reißt uns dieser Wirbel mit.
Ravels Ballett Daphnis et Chloè  ist nach Igor Strawinskys Worten „eines der schöns­ten Produkte in der gesamten französischen Musik“ und Ausgangspunkt der Suiten Nr. 1 und 2. Am 14. März werden sie zu hören sein. Daphnis ist der Sohn des Hermes, des Gottes der Herden, und einer Nymphe. Griechische Burschen bringen im heiligen Hain der Nymphe Kränze und Blumen dar. Auch Daphnis und Chloè huldigen den Nymphen, weihen ihnen ihre Liebe und geloben sich ewige Treue. Beider Liebe wird echten Anfechtungen ausgesetzt. Sie werden durch Entführung und Krieg getrennt, doch göttlicher Beistand führt die Liebenden wieder zusammen. Die Jugend dankt den Göttern und feiert mit Nymphen, Satyrn und Bacchantinnen die Vereinigung des glücklichen Paares in einem orgiastischen Tanz.
Wenn am 7. März das Prélude à l’après-midi d’un faune  (Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns) von Claude Debussy erklingt, kommt damit eines der populärsten Werke dieses Hauptvertreters des Musikalischen Impressionismus zu Gehör. Die Musiksprache des 1862 in Saint-Germain-en Laye geborenen und 1918 in Paris gestorbenen Meisters der sinnlichen Klang- und Farbenspiele bleibt immer noch tonal. Angeregt durch das gleichnamige Gedicht von Stéphane Mallarmé auf ein Bild von Francois Boucher in der Londoner National Gallery, schuf De­bussy eine von Flöten- und Harfenklängen getragene, traum­verlorene, lasziv-schillernde Musik. Mallarmés Ek­loge thematisiert den Traum eines Flöte spielenden Fauns, halb Mensch, halb Tier, zwei schlafende Nymphen zu verführen. Be­rühmt wurde dieses als „sinfonisches Poem“ geplante Werk in seiner choreografischen Deutung durch den Startänzer der „Ballet Russes“, Waslaw Nijinski.
Der 1876 im andalusischen Cádiz geborene Manuel de Falla ist der wohl bedeutendste und zugleich international erfolgreichste Repräsentant der spanischen Musik der Neuzeit. Sehr spanisch mutet die merkwürdige Ambivalenz seines Wesens an: auf der einen Seite mönchische Lebensführung mit katholischem Marienkult, auf der anderen eine Musik von verzehrender Intensität und wilder rhythmischer Kraft.
Mit seiner Oper La vida breve  (Das kurze Leben) gewann de Falla 1905 einen internationalen Kompositionswettbewerb und wurde berühmt. 1907 ging er nach Paris und schloss sich dem Freundeskreis um Debussy und Ravel an. In dieser  Schaffensperiode entstanden auch seine berühmten sinfonischen Impressionen Noches en los jardines de España. Deutlich hörbar ist diese Musik vom Impressionismus Debussys angeregt, ohne jedoch die künstlerische Eigenständigkeit dadurch zu verlieren. Der katalanische Pianist Josep Colom wird Klaviersolist der Aufführung dieses Werks am 14. März im Auditorio von Santa Cruz sein, Dirigent ist sein Landsmann Josep Pons. Das Zwischenspiel und der berühmte Tanz aus La vida breve runden diesen interessanten Konzertabend französisch-spanischer Prägung ab. Am 13. März ist das gleiche Programm vorab im Auditorio Teobaldo Tower in La Orotava zu hören.
Als Richard Strauss schon hoch betagt 1945 sein Oboenkonzert D-Dur schrieb, bezeichnete er selbst es als „Handgelenksübung“. Das kurze, liebenswürdig-elegante Werk gehört heute zwar zur Standardliteratur für Oboe, steht jedoch nur gelegentlich auf den Konzertprogrammen. Am 6. März im Magma Arte von Adeje, und am 7. März im Auditorio von Santa Cruz  wird der russische Oboist Alexej Ogrintschuk Solist dieser Aufführungen sein, Leitung Lü Jia. Debussys Faun und Ravels La Valse werden jeweils die sinfonischen Glanzlichter sein.  

Hans Rueda
hans.rueda@wochenblatt.es






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