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Ausgabe: Nr. 275 (6/2017) vom 22. März - 4. April 2017
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„Wiener Klassik“ und „Mannheimer Schule“ im Konzert des OST am 4. April in Santa Cruz

Feines von Mozart und vom Goldmacher-Carl

Man stelle sich das vor: Innerhalb weniger Tage, in höchs­ter Eile im Juli 1782, und noch unterbrochen von anderen Kompositionen sowie seiner Heirat mit Constanze Weber, schreibt Mozart ein sechssätziges Auftragswerk für die Nobilitierung eines gewissen Sigmund Haffner.



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20.03.2008 - Teneriffa - Satzweise schickt er die Komposition nach Salzburg, wie er dem Vater schreibt. Im Februar 1783 erhält er die Partitur zurück, streicht den einleitenden Marsch und ein zweites Menuett, fügt Klarinetten und Flöten hinzu, und hat so eine viersätzige Sinfonie.
Diese so hektisch hingeworfene Musik hatte er schon ganz vergessen. Ganz überrascht nun von der Gelegenheitskomposition schreibt er nämlich an seinen Vater: „Ich wusste kein Wort mehr davon, die muss aber gewiss einen guten Effekt machen.“
Das ist glatt untertrieben: Mozarts Überraschung kann unmittelbar einleuchten: Denn in der D-Dur-Sinfonie (bzw. Serenade) ist ihm, obwohl es ihm sicher in erster Linie um eine feierlich-festliche Klangentfaltung ging, - praktisch im Zeitdruck gar nicht ganz bewusst -,  eine neue Qualität sinfonischen Denkens gelungen.
Die Wiener Atmosphäre, der künstlerische Austausch mit dem Freund Joseph Haydn, das Hochgefühl der Freiheit und selbstständigen Lebensführung - das alles findet Niederschlag in dem Werk, das man als Mozarts erste „klassische“ Sinfonie bezeichnen kann: Die Haffner-Sinfonie KV 385 (nicht zu verwechseln mit der „Haffner-Serenade KV 250 von 1776).
Serenadenhaft sind vor allem die beiden Mittelsätze des Werks, das Andante mit seiner gelösten und stimmungsvollen Nachtmusik, das Menuett mit seiner schlichten regelmäßigen Periodik. Die Rahmensätze haben hingegen ganz anderes Format. In beiden ist der Einfluss Haydns ausschlaggebend für eine grundlegende Änderung in Mozarts Schreibweise. Bei seinem Überschuss an melodischer Erfindung war ihm die durch Haydns Einfluss jetzt enorme Disziplinierung seiner Eingebungen in kompositorische Prozesse bislang fremd gewesen; Themen erscheinen in klanglichen und harmonischen Verwandlungen, werden kontrapunktisch und sogar in Umkehrungen verarbeitet.
1796, fünf Jahre nach Mozarts frühem Tod,  schrieb sein väterlicher Freund Joseph Haydn seine letzte Konzertkomposition, das berühmte Trompetenkonzert Es-Dur. Besteller war der Wiener Hoftrompeter Anton Weidinger, der eine Trompete konstruiert hatte, die mit Hilfe einer neuen Klappentechnik die vollständige chromatische Tonleiter zu blasen erlaubte.  Um zu demonstrieren, was Weidingers neue Erfindung vermochte, ließ Haydn in diesem späten Meis­terwerk seine Melodien durch viele Tonarten modulieren. Dieses Trompetenkonzert setzte sich schnell durch und gehört auch heute noch zum Repertoire jedes Meisterinterpreten.
Wenn Joseph Haydn musikalisch zwar Mozarts „väterlicher Freund“, war - Vater war er ihm darin nicht. Dieses Privileg erkannte Mozart nur einem zu - Carl Philipp Emanuel Bach: „Er ist der Vater. Wer von uns was recht’s kann, hat’s von ihm gelernt.“ Wer in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts „Bach“ sagte, meinte damit immer Carl Philipp Emanuel und nicht seinen Vater, Johann Sebastian. Der war nahezu in Vergessenheit geraten. Gern wickelten Leipziger Marktweiber ihre Fische in des Altmeisters Kantatenmanuskripte. So mancher Forelle Dasein endete nach froher Eil’ im Bächlein helle unversehens in der Tüte „O Ewigkeit, du Donnerwort!“, oder „Ich hatte viel Bekümmernis.“
Carl Philipp Emanuel Bach wurde nach bester väterlicher Schule Cembalist in der Privatkapelle des Kronprinzen Friedrich in Rheinsberg und nach dessen Thronbesteigung 1740 sein Kammercembalist. Später ging er nach Hamburg als Nachfolger seines Taufpaten Telemann. Sein musikalisches Theoriewerk wirkte stark auf Haydn, Mozart und Beet­hoven. Die damals völlig neue Affektsprache seiner „Vier Orchestersinfonien“ von 1775/76 (Wq 183) weist mit ihren kühnen Kontrasten und ihrer individuellen Themengestaltung direkt auf die Sinfonien Beet­hovens hin. Im Konzert wirklich eindrucksvoll zu hören in seiner 1. Sinfonie, der vielleicht schönsten dieser vier Meisterwerke.
Carl Philipp Emanuel Bachs musiktheoretisches Werk wiederum hatte die Prinzipien der „Mannheimer Schule“ weiter entwickelt, deren wichtigste Vertreter die drei bekannten Komponisten der Musikerfamilie Stamitz waren. Dieser Name ist eng mit der Glanzzeit der Mannheimer Hofkapelle verbunden. Begründer dieser Tradition war der aus Böhmen stammende Vater Johann Wenzel Anton, der 1757 in Mannheim starb. Seine Söhne Anton und Carl traten erfolgreich in die Fußstapfen des Vaters. Mit der „Mannheimer Schule“ setzten sie neue Maßstäbe in der Musik, indem die Etablierung der Größe „Klang“ zum konstituierenden Faktor der Komposition wurde; das Orchester wurde hinsichtlich Größe und benötigter Instrumente exakt fixiert und richtete sich fortan nicht mehr nach den Gegebenheiten, nach den eben zur Verfügung stehenden Instrumenten. Ein schönes Beispiel dieses auch dynamisch bewegten Aufführungsstils ist die im Konzert am 4. April zu hörende 1. Sinfonie aus Opus 4 von Carl Stamitz.
Nach seinen kompositorischen Pioniertaten aber war der mit 49 Jahren des musikalischen Treibens müde und ließ sich schließlich verarmt in Jena als akademischer Musiklehrer nieder. Das war nicht sehr einträglich, weshalb er sich fortan bis zu seinem Tode 1801 mit alchimistischen Versuchen des Goldmachens beschäftigte.
Ein klug aufgebautes Konzertprogramm gut aufeinander abgestimmter Meisterwerke schenkt den Musikfreunden zu österlicher Zeit diesmal das OST Orquesta Sinfónica de Tenerife im Auditorio von Santa Cruz. Geleitet wird es dabei von dem deutschen Dirigenten Andreas Spering, einem hoch angesehenen Interpreten auch historischer Aufführungspraktiken. Eine wahre Größe und Solistenpersönlichkeit konnte für Haydns Trompetenkonzert gewonnen werden, der Brite Crispian Steele-Perkins. Er spielte dieses Erfolgsstück im Rahmen des Edinburgh Festivals einmal vor 133.000 Zuhörern.

Hans Rueda
hans.rueda@wochenblatt.es






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