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Ausgabe: Nr. 275 (6/2017) vom 22. März - 4. April 2017
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Brahms’ 2. Serenade und Schuberts 4. Sinfonie am 18. April im Auditorio von Santa Cruz

Tragischer Irrtum

Wenn OST-Chefdirigent Lü Jia seinem Orchester am 18. April im Auditorio von Santa Cruz den Einsatz geben wird, mögen manche im Publikum überrascht sein - die Geigen werden fehlen. In seiner „Serenade op. 16 für kleines Orchester“ hat Johannes Brahms in der Partitur die Violinen gänzlich gestrichen.



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10.04.2008 - Teneriffa - Nirgends können sie die satten, schweren Farbtöne der tiefen Streicher aufhellend durchdringen. Diese Vorliebe für den eigenartig herben, geheimnisvollen Bratschenklang teilt Brahms übrigens mit Berlioz, Weber und auch Bruckner.
Auch Trompeten und Pauken hat Brahms aus dem Instrumentarium dieser selten gespielten Serenade verbannt. Dadurch gewinnen die fünf Bläserpaare, vor allem die Klarinetten, besonderes Gewicht, - und eine extra heran gezogene kleine Flöte. Typisch Brahmssche Züge, besonders charakteristisch ausgeprägt, dürfen die Freunde seiner Musik hier genießen: individuelle Melodik und Rhythmik im Sinne des späteren Reifestils, zuweilen fast altertümelnde Wendungen. Zur Uraufführung im Wörmerschen Saal am 10. Februar 1860 reagierte das Hamburger Publikum für hanseatische Verhältnisse geradezu begeistert. Brahms selbst dirigierte sein fünfsätziges Werk. 1875 unterzog er es einer Revision. In dieser Fassung ist es nun vom Sinfonieorchester von Teneriffa zu hören.
Erst 1884, mehr als ein halbes Jahrhundert nach Franz Schuberts Tod im Jahr 1828, lag seine 4. Sinfonie im Rahmen einer Gesamtausgabe auch im Druck vor. Diese Edition aller Schubert-Sinfonien betreute damals kein Geringerer als Johannes Brahms. In seiner Einschätzung der sechs frühen Sinfonien Schuberts manifestiert sich die eher schwierige An­näherung der Nachwelt an eben diese Werke bis auf den heutigen Tag. Brahms war der Meinung, dass man derlei „Vorarbeiten“ eigentlich nicht veröffentlichen sollte. Man solle sie vielmehr „nur mit Pietät bewahren“. Sein Werturteil hält sich in modifizierter Form bis heute. Ein Blick in eigentlich alle gängigen Konzertführer beweist das. Sie tun diese großenteils herrliche Musik mehr oder weniger lieblos ab oder gehen erst gar nicht darauf ein.  In den Konzertsälen hörte man sie bisher selten. Erst seit Vorlage mehrerer Gesamteinspielungen der Schubert-Sinfonien auf CD hat sich das ein wenig geändert.  
Bei aller aufrichtigen Liebe zu Johannes Brahms, dessen Werk wir unendlich hoch schätzen: sein Urteil hier ist ebenso nicht haltbar wie seine Aussagen auch in Sachen Anton Bruckner; dessen Sinfonien sprach er solchen Status gar gänzlich ab. Halten wir uns im Fall von Schuberts  4. Sinfonie anstelle von Brahms besser an eine Betrachtung von Antonin Dvorak. Dieser auch von Brahms geachtete große Komponist Tschechiens schrieb im Jahr 1894:
„Schuberts 4. Sinfonie ist eine bewundernswerte Komposition. Sie hat den Titel „Tragische Sinfonie“ und wurde 1816 geschaffen, als der Komponist 19 Jahre alt war – ein Jahr nach dem „Erlkönig“. So setzt einen in Verwunderung, dass ein so junger Mensch die Kraft hatte, sich mit solch tiefem Pathos auszudrücken. In der langsamen Einleitung des 1. Satzes finden sich Akkorde, die einen entschieden an den angstvollen Ausdruck der Aussagen Tris­tans gemahnen.“ (Gemeint ist hier Wagners Oper „Tristan und Isolde“, zu deren Leitmotiv-Gestaltung Freund Richard sich nach Meinung Dvoraks also bei Schubert bediente.) „Es sind aber nicht die einzigen Stellen, an denen Schubert in prophetischer Art Wagnersche Harmonien voraus nimmt. Und obwohl manches sich schon bei Gluck und Mozart findet, war er einer der ersten, die Effekte erreichten, denen Wagner und andere neuere Komponis­ten einige ihrer schönsten Orchesterfarben verdanken: die Anwendung der Blechbläser nicht nur als „Lärmmacher“, sondern mit zarter Intonation zur Sicherung voller und warmer Klänge.“
Klassik-Freunde dürfen sich also am 18. April im Auditorio von Santa Cruz neben Brahms  auch freuen auf “Schubert at it’s best“. Auch wahrhaft große Geister können zuweilen irren. Sorry,  Johannes!
Ein Vorkonzert mit gleichem Programm gibt das Sinfonieorchester von Teneriffa unter der Leitung von Lü Jia am 17. April im Teobaldo Power von La Orotava.

Hans Rueda
hans.rueda@wochenblatt.es






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