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Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
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Sinfoniekonzert des OST mit Werken von Barber, Copland und Dvorák am 2. Mai in Santa Cruz

Spanischer Philosoph dirigiert Werk von slawischem Metzger

Der spanische Dirigent Jesús López Cobos zählt zu den internationalen Pultstars unseres Zeitalters. Manche deutsche Musikfreunde auf Teneriffa werden ihn aus seiner fast zehnjährigen Zeit als Chef der Deutschen Oper Berlin kennen.



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24.04.2008 - Teneriffa - Später leitete der Maestro fünf Jahre in den USA das renommierte Sinfonieorchester von Cincinnati und zehn Jahre lang das Kammerorchester von Lausanne. Seit 2003 ist er Musikdirektor des Teatro in Real in Ma-drid. Begonnen aber hatte er seine Berufslaufbahn mit einem Studium der Philosophie an der Universität von Madrid, das er mit einer Dissertation auch abschloss. Erst dann zog es ihn endgültig in das Reich der Musik, in dem er ein Großer wurde.
Ähnlich spät begann auch die musikalische Laufbahn des  1841 in einem Dorf bei Böh­misch-Mühlhausen geborenen Antonín Dvorák. Da seine Familie seit Generationen einen Gasthof mit Schlachterei dort betrieb, hatte Schankwirtssohn Antonín erst einmal das Metzgerhandwerk zu erlernen. Zu­nächst gegen den Widerstand seines Vaters schloss Dvórak sich reisenden Dorfmusikanten an. Später wurde aus ihm der vielleicht größte Sinfoniker der tschechischen Musik. Dvorák verfügte über eine unverwüstliche melodische Kraft. Seine Musik ist von  fesselnder Rhyth­mik und atmet die eigenartige Harmonik seiner heimatlichen Volksmusik. Darin ähnelt er seinem älteren Landsmann Smetana, dem er viel verdankte. Auch Johannes Brahms zählte zu den Förderern Dvo­ráks, was besonders dessen 6. Sinfonie anzuhören ist. 
Das OST Orquesta Sinfónica de Tenerife unter López Cobos’ Leitung wird diese 1881 in Prag uraufgeführte Sinfonie als Hauptwerk des Konzerts am 2. Mai im Auditorio von Santa Cruz zu Gehör bringen. Stark treten in diesem Werk zwar slawische Idiome hervor. Das Hauptthema des ersten Satzes basiert auf einer böhmischen Volksmelodie. Der Einfluss von Brahms’ Orchestrierung ist aber in diesem Satz besonders hörbar.
Auch das Finale von Dvo­ráks 6. Sinfonie ist eng mit dem letzten Satz aus Brahms „Zweiter“ verwandt: Tempo, Taktart und Tonart stimmen überein. Das lag bei Dvorák mitnichten am Mangel eigener Erfindungsgabe. Vielmehr waren diese Anklänge von ihm als eine Hommage an seinen verehrten Förderer Brahms gedacht. Begeistert schrieb der einmal über Dvorák an seinen Verleger Simrock: „Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammen klauben.“ 
Wenn zum Kanarischen Musikfestival 2009 auch die Wiener Philharmoniker im Auditorio gastieren werden, gibt es die einstigen Vorbehalte ihres Orchesters gegen Dvoráks Sinfonien nicht mehr. Die für den Dezember 1880 unter Hans Richter in Wien angesetzte Uraufführung musste in den März des Folgejahres nach Prag verschoben werden. Etliche Mitglieder der Wiener Philharmoniker lehnten die Werk-Aufführung eines Slawen ab. Das Publikum war bei der Premiere so begeistert, dass der 3. Satz, der so berühmt gewordene „Furiant“ gleich wiederholt werden musste.
Weit entfernt zunächst aber von „Böhmens Hain und Flur“ (Musikalische Heimatdichtung des Dvorák-Landsmannes Sme­tana) beginnt der Konzertabend mit Musik  ganz anderer Art. Als 1925 bei der Aufführung eines Frühwerks des jungen Komponisten Aaron Copland, mit dessen „El Salón México“ das Konzert am 2. Mai beginnt, Unruhe im Publikum entstand, wandte sich der Dirigent Walter Domrosch, ein Brahms-Epigone, ironisch ans Publikum: Es bestehe kein Grund zur Beunruhigung, weil ein Komponist, der solche Musik schreibt, ohnehin binnen weniger Jahre Selbstmord begehen werde.
Aaron Copland starb erst 1990, und nicht von eigener Hand. Hatte er sich Domroschs Ironie zu Herzen genommen? Jedenfalls änderte er seinen Komponierstil und landete 1937 mit „El Salón México“ einen Welthit der Klassischen Moderne. Er selbst nannte diese Komposition sein erstes Werk seiner leichten, populären Tonschöpfungen. Es ist ein leichtes, federndes Stück, auf populären mexikanischen Volksweisen beruhend. Der schlanke, knallige Orchesterklang beschwört den „schrill kreischenden, würzigen, potenziell gewalttätigen Charakter der mexikanischen Musik“. (Copland).
Im Alter kehrte Copland zur mehr experimentellen Schreibweise seiner Jugend zurück. Die aber bleibt dem  Auditorio-Publikum für diesmal erspart, auf dass es sich nicht beunruhigt zeige. Nach Copland wird Barber gegeben: Sein 2. Cellokonzert op. 22 erreichte zwar nicht die Popularität seines Violin- oder Klavierkonzerts,  brachte ihm aber den Jahrespreis der New Yorker Kritik ein. Der amerikanischen Avantgarde gehörte der 1910 in Pennsylvania geborene und 1981 in New York gestorbene Samuel Barber nie an. Sein „Adagio for Strings op. 11“ etwa fehlt in kaum einem Kuschel-Klassik Radioprogramm. Interpret von Barbers Cellokonzert ist der Deutsche Alban Gerhardt, neuer Stern unter den Solisten, geadelt durch seine Auftritte mit den Berliner Philharmonikern.

Hans Rueda
hans.rueda@wochenblatt.es






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