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Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
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Das „OST“ mit der „Dritten“ unter Leitung von Lü Jia am 14. Nov. Auditorium Santa Cruz

Und Mahler sah, dass es gut war

Als 1894 am Hamburger Stadttheater (heute Staatsoper) die Stelle des Opernkorrepetitors frei wurde, bewarb sich der damals 18jährige Bruno Walter und wurde nach einem „Verhör“ beim Intendanten Pollini dem Kapellmeister Gus­tav Mahler vorgestellt.



Die Symphoniker von Teneriffa starten am 14. November in die neue Saison.
Fotogalerie© OST
Die Symphoniker von Teneriffa starten am 14. November in die neue Saison.
06.11.2008 - Teneriffa - Mit seinen 34 Jahren stand der im Begriff, sich einen Namen als Dirigent und umstrittener Komponist zu machen. Bruno Walter hatte die Kritiken über die kurz zuvor in Weimar aufgeführte 1. Sinfonie Mahlers gelesen. Man bescheinigte dem Werk „Sterilität, Trivialität und Häufung von Maßlosigkeiten“. Nun hatte Walter Gelegenheit, diesen „maßlosen“ Menschen persönlich kennen zu lernen: 
„Und da stand er nun in Person…. Bleich, mager, klein von Gestalt, länglichen Gesichts, die steile Stirn von tiefschwarzem Haar umrahmt, bedeutende Augen hinter Brillengläsern, Furchen des Leids und des Humors im Antlitz, das, während er mit einem anderen sprach, den erstaunlichs­ten Wechsel des Ausdrucks zeigte, eine gerade so interessante, dämonische, einschüchternde Inkarnation des Kapellmeisters Kreisler, wie sie sich der jugendliche Leser E.Th.A. Hoffmann’scher Fantasien nur vorstellen konnte.“
Wie ein Dämon arbeitete Mahler denn auch in seinen sechs Hamburger Jahren. Er hob das Niveau des Opernhauses auf ungeahnte Höhe. In den Wintermonaten dort rieb er sich völlig auf. Zeit zum Komponieren fand er nur in den Sommermonaten. Dann zog er sich in das Salzburgische Steinbach am Attersee zurück. In den Sommerferien 1895/96 entstand dort seine 3. Sinfonie. Mahler hatte inmitten eines Feldes eine kleine Hütte, sein „Komponierhäusl“. Es war nur mit Klavier, Tisch, Sessel und Sofa möbliert. Jeden Morgen um sechs Uhr suchte er es auf, um dort um sieben Uhr das Frühstück einzunehmen und dann meistens bis drei Uhr nachmittags zu arbeiten. Nach dem Essen pflegte er sich beim Schlendern über die Wiesen oder bei langen Wanderungen über die Berge weiter mit musikalischen Gedanken zu beschäftigen. Nur gelegentlich entspannte er sich damit, ein oder zwei bevorzugte Besucher zu unterhalten.
Damit entsprach Mahler über seinem Bedürfnis nach Abgeschiedenheit hinaus viel mehr noch seiner leidenschaftlichen Liebe zur Natur, in der er geradezu aufging.  Nicht allein um ihrer Schönheit, ihres Zaubers willen; auch dann, wenn sie ihm heiter, grotesk, ja fremd erschien, wenn sie ihm Ehrfurcht gebot. Ehefrau Alma beschreibt in den Erinnerungen an ihren Mann ein bezeichnendes Erlebnis:
„Einmal kam Mahler schweiß­bedeckt aus seinem Arbeitshäuschen herunter gelaufen, konnte sich kaum fassen und bekam es endlich heraus: Die Sommerhitze! Die Stille! Der panische Schrecken! Es hatte ihn gepackt. Entsetzen! Diese Empfindung des brodelnden schrecklichen Auges des gro­ßen Pan entsetzte ihn oft, und er kam dann mitten aus seiner Arbeit, aus seiner Einsamkeit, um in menschlicher Wärme und Nähe unseres Hauses wieder zu sich zu kommen und weiter zu arbeiten.“
Dieses kaum nachvollziehbare, für den sensiblen Mahler aber typische Bewusstsein von der Natur drängte ihn auch zur Arbeit an der 3. Sinfonie. Kurz vor ihrer Vollendung schrieb er an die Sopranistin Anna Mildenburg:
„Nun aber denke Dir ein so großes Werk, in welchem sich in der Tat die ganze Welt spiegelt – man ist sozusagen nur Instrument, auf dem das Universum spielt…. Meine Sinfonie wird etwas sein, was die Welt noch nicht gehört hat! Die ganze Natur bekommt darin eine Stimme… Mir ist manchmal selbst unheimlich zumute bei manchen Stellen, und es kommt mir vor, als ob ich das gar nicht gemacht hätte.“

Mahler selbst wurde wirklich so von der Inspiration überwältigt, dass er sich fast wie Gott selbst fühlte.

Als Bruno Walter ihn in Steinbach besuchte und die gewaltige Bergszenerie anstaunte, sagte Mahler: „Sie brauchen gar nicht mehr hinzusehen – das habe ich alles schon wegkomponiert.“
Sechs Jahre später in Krefeld, bei den Proben zur Uraufführung der 3. Sinfonie, ging Mahler nach dem 1. Satz zu seiner Frau und zitierte lachend aus der Schöpfungsgeschichte: „Und Er sah, dass es gut war!“ Uns mag solche Haltung wie Größenwahn anmuten, doch dürfen wir nicht vergessen: Mahler war sich ständig seiner Kraft bewusst, die ihn zum Komponieren trieb. Er fühlte sich wirklich nur als Instrument, auf dem das Universum spielte.
Mahler hatte zu Lebzeiten schon eine kleine, geradezu fanatische Anhängerschar. Die meisten seiner Zeitgenossen aber verstanden seine Musik nicht. Das focht Mahler nicht an: „Meine Zeit wird kommen, wenn die Zeit Anderer vorüber sein wird.“ Bei seiner eigenen Unsterblichkeit müsse er im Übrigen auch nicht dabei sein. Typisch Mahler.  Heute ist jede Aufführung einer seiner neun Sinfonien ein Ereignis. Leonard Bernstein, der nach Gus­tav Mahlers musikalisch-geis­tigem Sachwalter Bruno Walter wohl am meisten zur Verbreitung von dessen Werk getan hat, sagte uns einmal: Gus­tav Mahlers ganze Größe und sein Genie sind auch heute noch nicht erfasst.
In seiner 3. Sinfonie erfasste Mahler die Welt als Ganzes, die unbelebte und belebte Natur. Er betrachtete die Welt „nicht vom Standpunkt des ringenden und leidenden Menschen aus“, sondern fühlte sich „in ihr eigenstes Wesen hinein versetzt“. Die musikalische Darstellung des „Weltgetümmels“ mit all seinen Widersprüchen rückt ins Zentrum einer Evolutionsidee. In dieser „Dritten“ macht Mahler ernst mit seinem Anspruch, das Komponieren seiner Sinfonien bedeute ihm nichts weniger als das Aufbauen einer ganzen Welt. Der Komponist wird zum „Schöpfer“ aller Dinge.
Über die 3. Sinfonie sind Bücher verfasst, ihrer Fehldeutungen sind viele und beginnen bei Mahler selbst, der dies auch einräumte. Seine Vergleiche des Werks mit einem „Sommermittagstraum“ strich er später selbst. Alle Deutungen des Werks engen das Assoziationsvermögen des Hörers letztlich ein. Am taug- lichs­ten noch  schienen uns die geschilderten Szenen aus Mahlers Lebensphase zur Zeit der Komposition seiner 3. Sinfonie. Unbestritten ist hier das Nebeneinander der verschiedensten, auch soziologisch ausdifferenzierten Tonfälle. Der in jeder Hinsicht maßlose 1. Satz von mehr als 30 Minuten Länge enthält, abgesehen von einer dumpfen Trauermarsch-Einleitung, hauptsächlich den Jargon von Militärmärschen;  Mahler sprach sogar vom „Regimentsorchester“ seines „martialischen Gesellen“ Pan. Der 2. Satz ist von einer Art nostalgischer, bürgerlicher Konzertsaal Musik im Tempo di Menuetto. Der 3. Satz ist so etwas wie „Arme-Leute-Musik“; stilistisch im Kontrast dazu, wie räumlich auch vom Orchester  getrennt, eine biedermeierlich idyllische Posthorn-Melodie.
Der 4. Satz ist wortgebundene Musik von höchst artifizieller „Innerlichkeit“. Mahler benutzt hier die menschliche Stimme, ein Alt-Solo, um einen Text aus Nietzsches „Zarathustra“ zu Gehör zu bringen: „O Mensch! Gib Acht!“. Musikalisch knallhart dreht er die Worte anschließend ins Gegenteil des von Nietzsche Gedachten. Der 5. Satz ist eine Vertonung des naiv-frommen „Armer Kinder Bettlerlied“ aus „Des Knaben Wunderhorn“. Der musikalische Kindertonfall setzt die Worte Nietzsches im Satz zuvor bewusst in eine sakrale musikalische Sphäre. Unversehens gibt Mahler Nietzsches Text eine christliche Musik und säkularisiert das gläubige „Wunderhornlied“. Solche gegenläufige Vertonung ist überaus typisch für Mahler. Der 6. Satz ist ein breit strömender, rein instrumentaler Gesang, der alle vorhergegangenen Widersprüche aufsammelt und aufhebt. Diese Musik ist unbeschreiblich. Auszüge daraus sind zu hören in der Sendung „Lust auf Klassik mit Hans Rueda“ bei Radio Megawelle am 9. November von 10 - 12 Uhr und wiederholt von 21 - 23 Uhr.               
 Die Aufführung der 3. Sinfonie von Gustav Mahler am 14. November um 20.30 Uhr im Auditorium von Santa Cruz ist eine außerordentliche Herausforderung für jedes Orchester. Das Sinfonieorchester von Teneriffa unter der Leitung seines Chefdirigenten Lü Jia hat sich zum Saisonstart der 19 Konzerte der Spielzeit 2008/09 mit diesem Werk von bald 110 Minuten Spieldauer einen „Achttausender“ der Klassik-Gipfel erwählt. Das Alt-Solo singt Barbara die Castri. Es wirken außerdem der Damen- und Kinderchor des Konservatoriums von Teneriffa mit.

Hans Rueda
hans.rueda@wochenblatt.es






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