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Ausgabe: Nr. 274 (5/2017) vom 8. - 21. März 2017
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Beethoven und Berg im Konzert des Sinfonieorchesters von Teneriffa am 12. Dezember in Santa Cruz

„Entartete Kunst“ und ein Insektenstich

Mit dem Wahl-Österreicher Julian Rachlin als Solist in Alban Bergs Violinkonzert am 12. Dezember im Auditorium von Santa Cruz wird Musikfreunden auf Teneriffa erneut ein Geiger der Extraklasse geboten. Der in Litauen geborene Künstler wurde nach dem Gewinn des Eurovisions-Wettbewerbs im Amsterdamer Concertgebouw von Lorin Maazel zu den Berliner Festwochen eingeladen.



Das Symphonieorchester von Teneriffa – Orquesta Sinfónica de Tenerife.
Fotogalerie© WB
Das Symphonieorchester von Teneriffa – Orquesta Sinfónica de Tenerife.
06.12.2008 - Teneriffa - Bei seinem Debüt unter Riccardo Muti bei den Wiener Philharmonikern war er jüngster Violinsolist, der je mit diesem Orchester musiziert hat. Das Konzert hier wird geleitet vom Ehrendirigenten des OST, Victor Pablo Pérez. Es beginnt mit Beethovens Ouvertüre zu „Coriolan“ und endet mit seiner 2. Sinfonie.
Im Februar 1935 fragt der amerikanische Geiger Louis Krasner bei Alban Berg an, ob er ein Violinkonzert in Auftrag nehmen wolle. Berg zögert etwas, weil er mitten in der Arbeit an seiner Oper „Lulu“ steckt. Andererseits: Bergs Werke waren in Nazideutschland zur „entarteten Kunst“ erklärt worden, das Geld ist knapp und Krasner winkt mit 1.500 US-Dollar. Berg nimmt den Auftrag an, weist aber darauf hin, dass es wohl etwas dauern könne mit der Komposition. Als dann aber im April nach geduldigem Leiden die 18-jährige Manon Gropius an Kinderlähmung stirbt, wirft Berg sich entschlossen in die Arbeit. Er und seine Frau Helene sind mit Manons Eltern, dem Bauhausarchitekten Walter Gropius und der Mahler-Witwe Alma, eng befreundet. Manons Tod gibt den Ausschlag zur Komposition des berühmtesten Violinkonzerts des 20. Jahrhunderts, das „dem Andenken eines Engels“ dienen soll.
Im Mai begibt Alban Berg sich von Wien in sein Waldhaus am Wörthersee. Es liegt nicht weit von dem Ort, wo Brahms sein Violinkonzert geschrieben hatte. Berg hat eine Idee und ein klares Konzept. Die Idee ist der Versuch, das Leben, Sterben und die Verklärung der engelhaft schönen Manon Gropius - die Solovioline ist dabei die „dramatis persona“ - musikalisch darzustellen. Sie soll nicht „abkonterfeit“ werden, wie Programmmusik es täte. Das Konzept besteht darin, im ersten Teil -  untergliedert in einen langsamen und schnelleren Teil - Züge Manons auszudrücken. Im zweiten Teil - wieder gegliedert in einen schnelleren und  langsamen Teil - werden Todeskampf und Erlösung nachgezeichnet.  Dies soll in feins­ter und subtilster Konstruktion geschehen. Dieses „einfach“ klingende Konzert ist tatsächlich ein höchst kompliziert aufgebautes Werk, mit Zitaten (das Kärntner Lied „A Vögele af’n Zweschgm-bam“, der Bach-Choral aus der Kantate BWV 60 „Es ist genug! Herr, wenn es Dir gefällt, so spanne mich doch aus“) und einer Reihe von zwölf Tönen. Die Zwölftonreihe ist so gewählt, dass sie Brücken in das tonale System ermöglicht, was wir als harmonisch und „schön“ empfinden.
Aus dem Nichts zu Beginn von Teil 1 tritt der Solist, als ob er noch sein Instrument stimmte, mit einem Motiv auf den leeren Saiten hervor. Einen großartigen Höhepunkt - einen „Todesschrei“ in dem schicksalhaften Rhythmus, der über weite Strecken das Allegro von Teil 1 untermauert hat - findet das Werk in Teil 2. In diesem Adagio schwindet das Werk zurück ins Nichts und endet mit einem weichen Quintsextakkord. Eine bewusste Anspielung auf das Ende von Mahlers „Das Lied von der Erde“, in dem dieser Akkord das abschlie­ß­ende „Ewig, ewig“ begleitet.
Nur wenige Tage nach Niederschrift der Partitur am 11. August erleidet Alban Berg einen Insektenstich im Kreuz. Als er am 12. November vom Haus am Wörthersee nach Wien zurückkommt, leidet er seit Monaten an einer Furunkulose. Aus einem Insektenstich entwickelt, hat sie sich lebensgefährlich ausgeweitet. Sein Schüler Theodor Adorno wird später sagen, Berg konnte aus Geldmangel nicht zum Arzt gehen. Es breiten sich dramatische Abszesse aus, die nicht mehr zu kontrollieren sind. Am 19. Dezember wird eine Bluttransfusion durchgeführt, bei der Berg wieder einmal seinen schwarzen Humor beweist. Er bedankt sich bei dem Spender, einem jungen, schlichten Wiener, persönlich. Als der gegangen ist, sagt er: „Wenn jetzt nur kein Operettenkomponist aus mir wird!“ Komplikationen nach der Transfusion führen zum Tode dieses großen Wiener Komponisten. In der Nacht zum 24. Dezember 1935 stirbt Alban Berg. Er wurde fünfzig Jahre alt. „Im Leben der gütigs­-te, konzilianteste Mann, liebte er in der Kunst das Kämpferische, das Strenge, das Kompromisslose, das Unerbittliche“, sagt sein Freund Soma Morgenstern in seiner Rede, die er im Trauerhaus hält. Alle, die ihn kannten, bestätigen das. 
Louis Krasner brachte Alban Bergs Violinkonzert am 19. April 1936 in Barcelona zur Uraufführung. Als der Dirigent Hermann Scherchen dem wie rasend applaudierenden Publikum Bergs handgeschriebene Partitur entgegenhielt, wurde es einen Augenblick ganz still. Jeder verstand die ekstatische Geste des Dirigenten. Das Konzert ist heute aus dem Repertoire eines jeden Solisten nicht mehr wegzudenken.     

Hans Rueda
hans.rueda@wochenblatt.es






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