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Ausgabe: Nr. 274 (5/2017) vom 8. - 21. März 2017
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Home > Kanarische Inseln > Nachrichten > Musik > Igor Strawinsky – „Das Frühlingsopfer“, Oliver Messiaen – „Die vergessenen Opfergaben“

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Große Musik des 20.Jahrhunderts im Auditorium von Santa Cruz – Chefdirigent Lü Jia leitet das „OST“

Igor Strawinsky – „Das Frühlingsopfer“, Oliver Messiaen – „Die vergessenen Opfergaben“

Im Jahr 1910 überkam den 1882 in Oranienbaum bei Petersburg geborenen Igor Strawinsky eine Vision: Alte, weise Männer sitzen im Kreis und schauen dem Ritualtanz eines Mädchens zu, das – um den Frühlingsgott günstig zu stimmen – geopfert werden soll.



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02.04.2009 - Teneriffa - Damit war die Idee seiner originellsten und heute beliebtesten Partitur geboren. Im Konzert des Sinfonieorchesters von Teneriffa am 17. April ist dieses Meisterwerk rhythmisch entfesselter Musik zu hören: „Le sacre du printemps“ – „Das Frühlingsopfer“, Untertitel „Bilder aus dem heidnischen Russland“.
Ganz anders daher kommt ein weiteres Werk des Abends. Es ist die erste wichtige Komposition des 1908 in Avignon geborenen Oliver Messiaen: „Les Offrandes oubliées“ – „Die vergessenen Opfergaben“.


Auch dieses Werk von 1931 ist die musikalische Schilderung einer Opferhandlung, jedoch nicht heidnischer Art. Mit seiner sinfonischen Meditation über „Christi vergessenes Opfer am Kreuz“ schuf Messiaen gleich zu Beginn seiner Laufbahn eine Musik  zutiefst christ­licher Prägung. Der dreiteiligen Komposition von nur zwölf Minuten Dauer stellte Messiaen ein Gedicht voran, dessen drei Strophen mit den drei Sätzen des Werks inhaltlich passend korrespondieren: Das Kreuz – Die Sünde – Das Abendmahl: „Getrieben vom Wahn und von der Schlangenzunge, / in keuchendem, wilden rastlosen Lauf / fielen wir in Sünde wie in ein Grab. / Du liebst uns am Kreuz, Jesus, / das hatten wir vergessen.“  Kindliche Gläubigkeit sollte auch künftig ein Merkmal im Schaffen dieses bedeutendsten französischen Komponisten des 20. Jahrhunderts bleiben. Doch war Messiaen eine an Widersprüchlichkeiten reiche Persönlichkeit. Sein katholischer Universalismus zwang Nah- und Fernliegendes in den Dienst einer Tonsprache, die sich als Ebenbild göttlicher Weltordnung begreift und mit ihrer Kombination von Mathematik und Mystik die alte Vorstellung einer Sphärenharmonie in Erinnerung ruft. Schon in seinem jetzt zu erlebenden Erstlingswerk mag solches hörbar sein für den, der da glaubt.  
Die elementar rhythmisch entfesselte Wucht von Strawinskys „Sacre“- Musik begeistert heute jedes Publikum. Mit ihr endet dieser Konzert­abend, der keineswegs zufällig mit Mozarts Sinfonie Nr. 1, KV 16,  beginnt. Dieses Werk des gerade einmal achtjährigen Wolfgang Amadé lässt deutlich das Vorbild von Johann Chris­tian Bach erkennen, genannt der „Londoner“ Bach. Geboren 1735 in Leipzig, war er jüngster Sohn seines Vaters Johann Sebastian. Johann Chris­tian Bach wirkte nach Italien in England und beeinflusste dort stark die musikalische Entwicklung des Wunderknaben Mozart bei dessen Aufenthalt in der Themsestadt. Wenn der Schüler seinen Londoner Lehrer auch zeitlebens als sein Vorbild achtete, so würde er ihn später doch weit übertreffen, und sich das Andenken Johann Christian Bachs bei der musikalischen Nachwelt deshalb verdunkeln. Mit Haydn gilt heute Mozart als Schöpfer eines neuen, empfindsamen musikalischen Stils, den er vom „Meister des singenden Allegros“, Johann Christian Bach, übernahm. „Heute sind alle harmonischen Entdeckungen ausgeschöpft“, befand dazu eineinhalb Jahrhunderte später Igor Strawinsky. Mit seinem Werk suchte er unmiss­verständlich völlig neue Zugänge zur Musik, - und fand sie.
Seine Zeitgenossen aber sahen das zunächst anders. Bei der Pariser Uraufführung 1913 geriet Strawinskys „Sacre“ zu einem der größten Skandale in der Musikgeschichte. Seine für Sergej Diaghilews „Russische Ballettcompagnie“ geschriebene Musik ließ das Publikum rebellieren. Man lachte, spottete, pfiff, zischte und miaute (Augen- und Ohrenzeuge war Jean Cocteau). Der Aufruhr artete in ein allgemeines Handgemenge aus. Strawinsky hatte eben kein Handlungsballett mehr im klassischen Sinn geschrieben. Sein „Sacre“ ist  eine Folge von Massenbildern und Aktionen, die nach einer neuen Tanzsprache verlangten. Diesen „Bildern aus dem heidnischen Russland“ fehlte jede klassische Grazie. Skandalös empfanden die Menschen damals vor allem die Primitivität des musikalischen Materials, das Strawinsky mit höchstem Raffinement aufsplitterte, aneinanderklebte oder endlos wiederholte. „Hier ist nichts als der erbarmungslose Kampf des Wachsens, das panische Entsetzen vor den aufsteigenden Säften, ein Frühling mit all seiner Heftigkeit, seinen Zu­ckungen und Rissen.“ So schrieb damals ratlos ein Kritiker.
Fast 100 Jahre nach diesem Skandal im Theater am Champs-Elysées sind unsere musikalischen Ohren heute noch ganz anderes gewohnt, wenn es um das Erlebnis bizarrer Klangwelten geht. Bald nach der „Sacre“- Uraufführung brach der Erste Weltkrieg aus. Man verstand die Musik nun als Frühling der Völker und Winteraustreibung der alten Regimes, wobei am Ende diese Hoffnungen auf den Schlachtfeldern in Flandern und Russland erstarben. Der Siegeszug des „Sacre“ um die Welt begann.
Igor Strawinskys Musikstil erlebte drei Wandlungen. Mit  „Sacre“ beendete er die Phase seiner Musik des rhythmisch-impulsiven Geschehens und wandte sich ab 1920 mit seiner Tanzkomödie „Pulcinella“ dem „Neoklassizismus“ zu, wurde Antipode damit zu Arnold Schönberg. Zum Erstaunen der Musikwelt leitete er nach Schönbergs Tod 1951 seine letzte Stilphase ein und schrieb als nunmehr Siebzig­jähriger in dessen Zwölftontechnik.  Strawinskys Genie ist letztlich zeitlos. „Komponieren bedeutet für mich,  eine gewisse Anzahl von Tönen nach gewissen Intervallbeziehungen in eine Ordnung zu bringen.“ Musik als Gefühlsausdruck oder Schilderung von etwas Außermusikalischem zählte nicht. Wenn seine Musik überhaupt etwas abbildete, dann am ehesten die körperlichen Bewegungen dieses schmalen und kleinwüchsigen Mannes. Igor Strawinsky starb 1971 knapp 89jährig in New York. Unweit der Grabstätte seines „Sacre“- Mitstreiters von 1913, Sergej Diaghilew, wurde sein Leichnam auf dem russischen Teil von San Michele, dem Inselfriedhof Venedigs, beigesetzt.
                                                                                                                                                 Hans Rueda

Kartenverkauf Auditorio:
www.generaltickets.com
• Telefonisch: 902 317 327  Mo - Sa 10.00 - 19.00 Uhr
• Vorverkaufsstelle im Auditorio: Mo - Fr 10.00 - 15.00 Uhr; Sa 10.00 - 14.00 Uhr sowie an Konzerttagen zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung.






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