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Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
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Teneriffa- Sinfonieorchester unter Chefdirigent Lü Jia mit musikalischen Sternstunden am 22. und 29. Mai im Auditorium von Santa Cruz

Arcardi Volodos ist Solist im 2. Brahms-Klavierkonzert

Vor dem großen Gastpiel in Peking

Die Top-Liste aktueller Tastentitanen ist nicht lang. Lang Lang aus China führt sie an. Ganz klar, was den Bekanntheitsgrad betrifft. Klar ebenso, dass Arcardi Volodos aus Sankt Petersburg das nie gelingen wird.



Chefdirigent Lü Jia
Fotogalerie© OST
Chefdirigent Lü Jia
22.05.2009 - Teneriffa - Mag er auch Kennern als derzeit Größter gelten: Wer dem Zeitgeist so wenig bis nichts abzugewinnen vermag wie Volodos (siehe Interview-Auszüge unten), der kann globalen Musikmarketingstrategen zum Größten nicht taugen. Volodos im Beethoven-Outfit frisiert für’s Plattencover? Undenkbar.

Arcardi Volodos wird sich im Konzert am 22. Mai nicht als Tastenlöwe präsentieren. Gefeiert als „Genie am Klavier“ zählt er zu den herausragendsten und international interessantesten Pianisten der heutigen Zeit. Sein Spiel besticht durch jene Mischung aus atemberaubender technischer Virtuosität und ebenso tiefsinniger wie ausdrucksvoller Musikalität.  Das 2. Klavierkonzert B-Dur op. 83 von Johannes Brahms aber ist kein flottes Effektstückchen für einen fingerfertigen Virtuosen und ein gelangweilt begleitendes Orchester. Sondern: ein viersätziger Klavierkonzertkoloss. Von den Pianisten heiß geliebt und heftig gefürchtet. Sinfonie mit Klavier: Mischung aus erhabenen Klaviermonologen, „konzertanten“ Dialogen und orchestraler Wucht. Die Uraufführung des Werks mit Brahms selbst als Klaviersolist fand am 9. November 1881 in Budapest  statt. Der berühmte Kritiker Eduard Hanslick schrieb nach der Wiener Erstaufführung am 26. Dezember des gleichen Jahres enthusiastisch: „Was Brahms den Wienern diesmal an den Christbaum gehängt hat, ist eine Perle der Concertliteratur.“ Damit hatte er Recht. Die Musik birgt neben Grandios-Heftigem so viel Lyrisches, Melodisches, dass man sich in diesem riesigen B-Dur-Mirakel verirren kann wie in einem klingenden Labyrinth. Unstrittig hat Chefdirigent Lü Jia (Foto) das Sinfonieorchester von Teneriffa inzwischen zu einem Klangkörper von hohem Niveau geformt. Im Zusammenspiel mit einem Ausnahmekünstler wie Arcardi Volodos sollte sich das bei diesem Konzert besonders erweisen.
Eingeleitet wird der Konzert­abend mit Carl Maria von Webers hinreißend herrlicher Ouvertüre zu seiner Meisteroper „Der Freischütz“. Der pianis­tisch weniger begabte Richard Wagner liebte diese Musik so sehr, dass er die Ouvertüre am Klavier jederzeit auswendig vorzutragen vermochte.
Mozarts „Prager Sinfonie“ ist im zweiten Teil des Konzerts zu hören. Ihr Finale entstand bereits im Frühjahr 1786, gleichzeitig mit dem „Figaro“. Die anderen Sätze komponierte Mozart im Dezember des gleichen Jahres, wie schon oft bei den voran gegangenen Sinfonien, innerhalb weniger Tage. So fällt ihre Entstehung genau zwischen die beiden großen italienischen Opern nach Libretti von Lorenzo da Ponte: „Le Nozze de Figaro“ und „Don Giovanni“ - beide ebenfalls entstehungs- und wirkungsgeschichtlich eng mit Prag verbunden. An ernster Größe steht Mozarts 38. Sinfonie D-Dur KV 504, die „Prager Sinfonie“ der Gruppe seiner letzten Sinfonien in nichts nach. Das Werk verfügt über nur drei Sätze. Es gibt darin kein Menuett. Man erklärt es sich so, dass ein Tanzsatz die Symmetrie und Geschlossenheit der vorliegenden Sätze nur stören würde. Eine ebenso bestechende wie letztlich nicht verifizierbare Argumentation. Das  Prager Publikum bereitete Mozart  bei Uraufführung der Sinfonie am 19. Januar 1787 einen denkwürdigen Triumph. In Wien dagegen mochte sich solcher Erfolg für ihn weder bei  den Da-Ponte-Opern, noch bei der „Prager Sinfonie“ so ganz nicht einstellen.
Solist des Konzerts am 29. Mai ist der Brite Lawrence Power, Viola. Er gilt als einer der besten seines Fachs und spielt auf einem Instrument aus der Werkstatt des Bologneser Meis­ters Antonio Bresi aus dem Jahr 1610. Zu erleben sind Lawrence Power als Viola-Solist und das „OST“ in einem vielfach in Bearbeitungen auch auf Schallplatte erschienenen Werk des zeitgenössischen japanischen Komponisten Toru Takemitsu: „A String around Autumn“. Achtzehn Minuten herbstlich getönte Musik für Viola und Orchester.
Passend zuvor werden die Quartettstücke op. 5 des 1883 in Wien geborenen Anton Webern zu hören sein. Bei ihrer Uraufführung 1922 durch das Hindemith-Quartett gab es einen Skandal. „Die ganze Aufführung war immerfort durch Gelächter gestört“, schrieb Webern damals an Alban Berg. „Ein Komponist namens Gross tat sich als Störer besonders hervor, so dass mein Freund Adolf Loos auf das Podium ging und dessen öffentliche Brandmarkung forderte.“ Versehentlich wurde Anton Webern am 11. Februar 1945 von einem amerikanischen Soldaten in Mittersill bei Salzburg erschossen. Die Esoterik in Weberns Werk, die äußerste Komprimierung darin der musikalischen Strukturen, macht Webern bis heute zum seltenen Gast  in den Konzertsälen. Das konzentrierte Hören, das diese Musik am Rand der Stille verlangt, widerspricht einer Zeit, die von leicht konsumierbarer Musik überschwemmt wird.
Hauptwerk des Konzerts am 29. Mai ist die „Symphonie fantastique“ des am 11. Dezember 1803 bei Vienne, Isère, geborenen Hector Berlioz. Für uns Teutonen ist Berlioz der typische Franzose: 1827 verliebte er sich rasend in die Schauspielerin Harriet Smithson, der ganz Paris zu Füßen lag. Um die berühmte Verehrte auf sich, den Nobody, aufmerksam zu machen, schrieb Berlioz nun genau diese Sinfonie. Natürlich kommt die Angebetete in den Sätzen der Sinfonie vor, und zwar als „idée fixe“, als fixe Idee einer Besessenheit, als Bild der vergeblich erstrebten Geliebten. Mal ruhig, mal leidenschaftlich, dann grotesk entstellt zum verrückten Tanzthema eines „Hexen-sabbats“. Übrigens hatte die Schauspielerin 1830 bei der Uraufführung keine Ahnung, wer Berlioz war. Später wurde zwar geheiratet, doch geriet die Ehe beiden zum Desaster. Aber Größeres denn jede Ehe hatte Berlioz’ Leidenschaft erbracht: eine unverwelklich frische Musik, wo die Farben der Instrumente nicht bloß zum sinfonischen Gesamteindruck beitragen, sondern Gestalten und Gefühle koloristisch charakterisieren. Zunächst wird ein gemütskranker Künstler vorgestellt. Auf einem Ball erscheint ihm als „idée fixe“ ein gläsernes Gespenst. Mit seinem Helden auf dem Land, ergeht Berlioz sich dann in tiefgründiger Naturpoesie. Die letzten Sätze des Werks sind Virtuosenstücke des Grauens. Im 4. Satz „Der Gang zum Richtplatz“ schildert Berlioz folgendes: Der unglücklich liebende Gemütskranke hat sich mit Opium vergiftet. Das verschaffte ihm zwar nicht den Tod, wohl aber die grauenvolle Vision, er habe die Geliebte ermordet. Nun sei er zum Tode verurteilt, müsse zum Richtplatz, wo ihn mit grellem Getöse das Beil des Henkers trifft. Die Trommelwirbel vor der Hinrichtung drücken bei Berlioz keine Seelennot aus, wie später beim empfindlichen Gustav Mahler. Bei Berlioz hat das Verhängnis eine blitzende Schärfe. Unsentimental blickt der Gallier dem Tod ins Auge.
Ton Koopman als Gastdirigent des Konzerts am 5. Juni, und Ángel Corella mit seiner Ballettcompagnie am 19. Juni, werden die Reihe der 19 Abo-Konzerte des OST im Auditorium von Santa Cruz abschlie­ßen. Am 1. Juli fliegt das Sinfonieorchester von Teneriffa mit seinem Chefdirigenten Lü Jia nach Peking. Musik der „Wiener Klassiker“ Haydn, Mozart und Beethoven, Werke von Schubert und der Romantik bis hin zu Richard Strauss, stehen auf den Konzertprogrammen des 4., 5., und 6. Juli. Maestro Lü Jia formt das OST Orques­ta Sinfónica de Tenerife zum hochklassigen Kulturbotschafter der Insel des Ewigen Frühlings.

Hans Rueda

Pianist Arcardi Volodos:

„Ich lese nie, was über mich geschrieben wird. Mich stört, wie der Virtuosenbegriff heute gehandhabt wird. Es kommt nur auf Schnelligkeit und Kraft und Show an, und nicht auf wahre Kunst. Die sportliche Leistung hat für mich gar nichts mit Virtuosentum zu tun. Für mich ist das sehr viel komplexer. Ein Virtuose muss Poesie haben, Farben und Nuancen setzen können. Doch heute hören die Menschen gar nicht mehr genau hin.“

„Show und Glamour interessiert mich überhaupt nicht. Die meisten Menschen verfügen über zu wenig Bildung und haben oft kein eigenes Urteil.“

„Regulierung, Globalisierung (der Weltwirtschaft) ist der Anfang vom Ende der Kunst; die Standardisierung tötet alles ab, jegliche Form der Individualität. Die Individualität aber entscheidet doch erst darüber, ob man ein großer Künstler ist. Ich verstehe nicht, wieso alles kompatibel sein muss. Alle sehen gleich aus. Das ist eine arme Welt, die nicht die wirkliche Schönheit von Kunst kennt. Früher gab es so eine Art Magie, die Menschen ließen sich verzaubern. Heute betrachten sie die Kunst wie ein neues Sofa.“

(Auszüge aus einem Interview bei „Arte“)






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