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Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
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Musikfestival der Kanaren im Auditorium von Santa Cruz, Konzerte 11. - 21. Januar

Weltstars der Klassik wieder zu Gast auf Teneriffa

Sie alle hinreichend zu würdigen, – die gegenwärtigen Granden des internationalen Musiklebens, die sich all winterlich nun schon zum 26. Mal auf den Kanaren zum Festival einfinden, ­– es würde den Rahmen unserer Kolumne sprengen.



Zum Auftakt des Musikfestivals gastiert die Staatskapelle Dresden auf Gran Canaria und Teneriffa.
Fotogalerie© Matthias Creutziger
Zum Auftakt des Musikfestivals gastiert die Staatskapelle Dresden auf Gran Canaria und Teneriffa.
19.12.2009 - Teneriffa - Auch wenn die Zahl der Konzerte insgesamt diesmal deutlich eingeschränkt wurde: Sieben große sinfonische Abende mit anspruchsvollen Programmen binnen 11 Tagen sind von den Klassikfreunden auf einer Insel wie Teneriffa kaum zu verkraften. So manche Lücken in den Saalreihen bei früheren Konzerten haben das gezeigt – und Künstler verärgert, die solches andernorts nicht gewohnt sind. Da die Teneriffa-Konzerte des Festivals an den Tagen davor oder danach immer auch auf Gran Canaria erlebt werden können, sind Besucher von dort  nicht zu erwarten. Auf viel internationales Publikum scheint man ohnehin nicht mehr zu rechnen: Im letzten Jahr wurden Programmhefte nur noch in spanischer Sprache gedruckt.

Konzerte 11. und 12. Januar
Auf dem Programm der Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Zubin Mehta am 11. Januar stehen die „Sechs Orchesterstücke“ von Anton Webern, Richard Strauss’ Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ und die „Kindertotenlieder“ von Gustav Mahler auf Texte von Friedrich Rückert. Der Dichter hatte bei Niederschrift dieser Gedichte gerade zwei seiner Kinder verloren. Mahlers Ehefrau Alma aber konnte nicht verstehen, dass ihr Mann solche von Schmerz erfüllte Texte gerade jetzt in Musik setzte, da doch ihre zwei Kinder lustig im Garten spielten. Das war im Jahr 1904. Kaum zwei Jahre später verstarb eines davon, die kleine Maria-Anna, an Diphtherie. Mit Zubin Mehta am Pult steht an diesem Abend einer der größten Dirigenten unseres Zeitalters. Der Bariton Thomas Quasthoff gilt vielen als derzeit Größter seines Fachs. Dazu brachte er es trotz seines Schicksals als Contergan-Geschädigter, dem man den Zugang zum Gesangsstudium an der Musikhochschule zunächst verwehrt hatte. Das Pflichtnebenfach Klavier konnte er aufgrund seiner Behinderung ja nicht belegen. Die Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ nach Nietzsches’ Werk gehört zum Besten, was Strauss je gelang. Weltbe­rühmt ist ihr erhebend aufstrahlender Beginn, zeitgemäß trivialisiert durch Pop-Musik und Bierreklame.

Fälschlich wird von Johannes Brahms behauptet, er sei zum Lachen stets in den Keller gegangen. Das Konzertprogramm der „Dresdner“ unter Zubin Mehta am 12. Januar mag zu solchem Vorurteil aber  beigetragen haben: Brahms’ „Tragische Ouvertüre“ von 1880 und seine 4. Sinfonie sind Werke  gesammelten Erns­­tes. Der Schlusssatz seiner 1885 von ihm selbst in Meiningen dirigierten Uraufführung der „Vierten“ ist sein sinfonisches Abschiednehmen von der Welt: „Nach dir, Herr, verlanget mich!“ heißt es in der Bachkantate BWV 150. Auf ihrem Bassthema schuf Brahms eine gewaltige „Chaconne“ in 30facher Variation.

Ganz anders, ein zärtliches Bekenntnis zur Schönheit,  ganz Licht und von heiterem Wesen, sind Brahms’ „Haydn Variationen“. In 10 Abwandlungen gestaltet Brahms ein Thema aus einem Haydn-Divertimento zu einem seiner beliebtesten Orchesterwerke. Die Melodie stammt dabei nicht einmal von Haydn selbst. Dieser verwendete nämlich in seinem Divertimento den „Chorale St. Antoni“, einen alten Prozessionsgesang.

Konzert 15. Januar
Chefdirigent Lü Jia leitet das Teneriffa-Sinfonieorches­ter in einer Aufführung von Olivier  Messiaens „Turangalila“-Sinfonie. An die 80 Minuten dauert das Werk dieses französischen Komponisten, uraufgeführt im Jahr 1949 vom Boston Symphony Orchestra unter Leonard Bernstein. Wohlmeinend vermag man den Titel der Sinfonie als aus dem Sanskrit abgeleitet zu beschreiben, etwa mit „Tempo des Pferdes“, Lebenskraft, Rhythmus, Dynamik. Nach Messiaens eigenen Worten will er in dem Werk alles Himmlische und Irdische, geistige und sinnliche Liebe darstellen. Das geschieht nun ausgiebig in 10 Sätzen mit viel Sonderinstrument und Schlagzeug, dazu als Soloinstrumente ein Klavier und ein Ondes Martenot (Martenot Welle). Das Instrument ist benannt nach seinem Erfinder, Maurice Martenot. Der hatte es im Jahr 1928 der Öffentlichkeit als einen Schwebungssummer vorgestellt, dessen Klang über 7 Oktaven von elektronischen Filtern verändert wird. Die „Turangalila“-Sinfonie hat sich seit ihrer Uraufführung als eines der wenigen modernen Werke der Musik im Konzertsaal behauptet. Man kann das Werk so leicht nicht ablehnen. Ton für Ton, Rhythmus für Rhythmus, Klang für Klang spürt man den außerordentlichen Könner, den Außerordentliches Wollenden, den außer sich seienden Besessenen. Hinter all dem Gebrodel und Geknatter, hinter all den unbegreiflichen Süßlichkeiten, ja Peinlichkeiten des Ausdrucks, steht irgend etwas Starkes, wenn auch nur schattenhaft zu Ahnendes. Zu Beginn des Konzerts ist eine Uraufführung als Auftragswerk des Festivals zu erleben: „In Paradisum“, ein Klavierkonzert  von L. Vega. Solisten des Abends sind José Luis Castillo und Gustavo Diaz Jerez, Klavier, sowie Cynthia Millar, Ondes Martenot.


Konzerte 18. und 19. Januar
Gustavo Dudamel ist ein neuer Topstar in der Dirigentenriege. Mit 28 Jahren hat der Venezolaner mehr erreicht als die meisten seiner Kollegen
je erreichen werden: Welttourneen, Ruhm und Ehre mit seinem Simon Bolivar Youth Orchestra, exklusiver Plattenvertrag. In diesen beiden Konzerten leitet er das Göteborg Symphony Orchestra I u. II. Auf dem Programm stehen am 18. Januar die Sinfonie Nr. 6, „Die Pastorale“ von Ludwig van Beethoven und die Sinfonie Nr. 4 des Dänen Carl Nielsen (1865-1931). Während Beethovens „Pastorale“ die unerreichte Sinfonie der Naturliebe und ländlichen Idylle, mit Gewitter und Danksagung der Menschen im grandiosen Finale wurde, entstand Nielsens 4. Sinfonie, genannt „Das Unaussprechliche“, in seiner Zeit der persönlichen Krise und in den Wirren des Ersten Weltkriegs.

Am 19. Januar dirigiert  Dudamel die „Göteborger II“  in einem Programm mit Serge Rachmaninows selten zu hö­rendem 4. Klavierkonzert (Solist Leif Ove Andsnes) und der Sinfonie Nr. 2 des finnischen Komponisten Jean Sibelius. Dieses Werk wurde zu Sibelius’ populärstem sinfonischen Werk. Der Reichtum der melodischen Empfindung, die positive Grundstimmung, die Musik insgesamt in ihrer unmittelbaren Wirkung auf den Hörer - einfach mitreißend! Wer die Sinfonie einen Monat zuvor mit dem OST an gleicher Stelle gehört hat, mag dann die Interpretationen gern vergleichen. Ein Auftragswerk der „Göteborger“ wird das Konzert eröffnen: „Rituales amerindios“ von E. Benzecry.

Konzerte 20. und 21. Januar
Im Zentrum der zwei Abende des London Philharmonic Orchestra unter der Leitung seines russischen Chefdirigenten Wladimir Jurowski steht russische Musik der „Klassischen Moderne“. Am 20. Januar ist mit Dmitri Schostakowitsch’ 4. Sinfonie ein zentrales Werk des vielleicht wichtigsten Komponisten Russ­lands im 20. Jahrhundert zu erleben. Das Werk entstand mit Unterbrechungen in den Jahren 1934 - 1936, in denen er auch seine „Fünf Fragmente“ op. 42 für Kammerorchester schrieb, uraufgeführt 1935. Mit ihnen wird das Konzert eröffnet. Die 4. Sinfonie spiegelt die Zeit des stalinistischen Terrors jener Jahre wider, in denen der Komponist täglich um sein Leben fürchten muss­te. Die Partitur der „Vierten“ ging in den Wirren des Kriegs in Leningrad verloren. Erst 1946 entdeckte man eine Version für 2 Klaviere, und noch später Orchesterstimmen. So konnte man die Partitur rekonstruieren. Am 30. Dezember 1961 erst erfolgte die Uraufführung. Die Sinfonie dauert 80 Minuten und erfordert 100 Musiker von höchstem technischem Können.

Solistin des Abends im 1. Violinkonzert des Polen Karol Szymanowski (1882-1937)  ist die 1976 in München geborene Geigerin Carolin Widmann. Mitnichten fühlt sie sich trotz ihres blendenden Aussehens der „Geiger-Girly-Riege“ zugehörig, betrachtet ihre Violine eher denn als ein „Kampfinstrument“. Damit liegt sie bei diesem  Werk in einem Satz gerade richtig.

Star des Abends am 21. Januar ist die 1948 in Tokio geborene Japanerin Mitsuko Uchida. Seit Jahrzehnten zählt sie zu den erfolgreichsten Pianisten der Welt. Ihre Beethoven-Interpretationen zählen zum Besten, was Schallplattenaufnahmen der jüngeren Zeit davon zu bieten haben. Beethovens 3. Klavierkonzert ist ohnehin ein „Renner“. Mitsuko Uchida damit zu erleben, sollte sich kein Klavierfreak entgehen lassen.

Die 4. Sinfonie von Sergei Prokofiev existiert in zwei Fassungen (von 1930 als op. 47 und von 1947 als op. 112). Meist wird die Version von 1947 gewählt, die auch fast allen Schallplatteneinspielungen zugrunde liegt. Das Werk zählt zum Erfolgreichsten im sinfonischen Schaffen dieses Komponisten. Mit ihm endet der Konzertabend, zu dessen Beginn eine Auftragskomposition des 1960 in der Grafschaft Essex geborenen Briten Mark-Anthony Turnage zu hören sein wird.
                                                                                                                                                Hans Rueda






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