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Ausgabe: Nr. 274 (5/2017) vom 8. - 21. März 2017
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Konzertprogramme des Sinfonieorchesters von Teneriffa am 23. und 30. April im Auditorium von Santa Cruz noch nahezu unverändert

Mehr Schubert künftig statt Mahler

Nicht erst heute hat „La Crisis“ sich auch in den Konzerten des Sinfonieorchesters von Teneriffa vernehmlich Gehör verschafft. Klassik mit Orchester im Kingsize-Format, - das war vorerst einmal auf Teneriffa, zumindest was das „OST“ angeht.



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22.04.2010 - Teneriffa - Bruckner durften die Konzertbesucher schon vergessen, jetzt kommt Mahler an die Reihe: Statt seiner „Fünften“ gibt‘s nun Schuberts „Dritte“, geschrieben für ein Wiener Vorstadtorchester, erstmals aufgeführt 1815 in der Wohnung des Kaufmanns Franz Frischling in der Dorotheer Gasse. Da war Schubert gerade mal 18 Jahre alt. So hochnäsig aber wie falsch, bügeln seit bald 200 Jahren manche Konzertführer und Kritiker Franz Schuberts frühe Sinfonien ab als „liebenswerte Jugendwerke, in denen der spätere Meister im Wesentlichen seinen Vorbildern folgt“. Wir jedoch sagen hier: „Schicksal als Chance!“ - Schuberts frühe Sinfonien sind Meisterwerke eines Frühvollendeten gleich Mozart oder Mendelssohn. (Schuberts 3. Sinfonie erklingt zusammen mit Mendelssohns „Italienischer“ im Konzert des OST am 07. Mai. Mehr dazu im  nächsten „Wochenblatt“.)
Für das famose Sinfonieorchester von Teneriffa muss „Mehr Schubert künftig statt Mahler“ nichts Schlechtes bedeuten. Musiker aus 19 Nationen spielen derzeit im OST, einige von ihnen seit Jahrzehnten. Über die Jahre reifte ein homogener Klangkörper heran, der unter der Leitung seines Chefdirigenten Lü Jia an guten Tagen Spitzenleistungen auch internationalen Formats zu vollbringen vermag. Wenn in Krisenzeit Etats überall beschnitten werden müssen, kann auch  Hochkultur  davon nicht ausgenommen bleiben. Können zusätzliche Musiker nicht mehr bezahlt werden, entfallen eben Aufführungen von Werken mit sehr großer Besetzung.
Noch wichtiger deshalb und entscheidend ist, dass mit Maestro Lü Jia das OST auch künftig weiter von einem international renommierten Chefdirigenten geprägt wird, der auch d i e Meisterwerke bis ins Feinste mit seinem Orchester erarbeitet, die manche seiner Berufskollegen eher routiniert herunter spielen lassen: Musik von Haydn, Mozart, Schubert, Mendelssohn. In den Konzerten des OST unter Lü Jias Leitung am 30. April und 07. Mai werden die Besucher diesen Unterschied wieder erleben können.

Konzert 23. April
Dieses Konzert leitet  der chinesische Maestro Muhai Tang, Chef des Kammerorchesters Zürich. Das Programm -  wie vorgesehen -  beginnt mit der Ouvertüre zu Mozarts Oper „Don Giovanni“. Erst einen Tag vor der Uraufführung 1787 im Prager Nationaltheater schrieb Mozart diese Ouvertüre, die schon alle Triebkräfte der nachfolgenden Oper spiegelt: in dem drängenden Allegro die leidenschaftliche, bedenkenlose Natur Don Giovannis, im vorangehenden drohend-düsteren Andante die übermächtige Gewalt strafenden Schicksals.
Es folgen die Haydn-Variationen von Johannes Brahms, entstanden 1873 in Wien. Das Thema entdeckte Brahms 1870 in einer „Feldpartita“, die Haydn zugeschrieben wurde, und deren Authentizität bis heute nicht schlüssig geklärt ist. Sie enthält einen „Chorale St. Antoni“, möglicherweise einen Pilgermarsch zu einer Antonius-Kapelle. Die acht Variationen sind nach dem Prinzip der Steigerung angelegt. Das Finale hat die Form einer Passacaglia (ital./spanisch „pasar una calle“, der Gang einer musizierenden Kapelle durch die Straßen). Sie wiederholt 17mal einen vom Hauptthema abgeleiteten fünf-taktigen Basso ostinato, ist also sozusagen eine Variationen-Folge innerhalb der Variationen, die mit der triumphalen Wiederaufnahme des Haydn-Themas zu einem krönenden Abschluss gebracht werden. Für uns gehört dieses Werk vielleicht nicht zum Größten, bestimmt aber zum Schönsten, was Brahms der Welt an instrumentaler Tondichtkunst geschenkt hat.
Das Konzert endet mit einer der kaum bekannten und nur selten aufgeführten frühen Sinfonien von Peter Tschaikowski, seiner 1. Sinfonie g-Moll op.13 (Winterträume). Tschaikowski war erst 26 Jahre alt, als er sie schrieb. Das 1866 entstandene Werk - Uraufführung 1869 in St. Petersburg – beruht auf program­matischen Vorstellungen. Die viersätzige, stark mit russischer Volksmusik durchsetzte Sinfonie, schildert Winterträume und führt den Hörer auf einen verschneiten Pfad (I) und in ein trübes Nebelland (II), während das Scherzo (III) und das Finale (IV) keine Programmbezeichnung tragen.

Konzert 30. April
Chefdirigent Lü Jia steht am Pult, Solist ist der chinesische Cellist Qin Li-Wie. Er hat u.a. in Australien studiert und lebt heute in London. Wir hatten einmal das Glück, ihn dort zu hören und versprechen deshalb ein außergewöhnliches Konzertereignis. Nach langen Jahren der engen Zusammenarbeit mit Mstislav Rostropowitsch konnten wir uns nicht vorstellen, je einen Künstler mit solchem Ton wieder zu erleben. Hingerissen wurden wir eines Besseren belehrt.
Das Konzert beginnt - in Abänderung des Programms -  mit Mozarts Ouvertüre zu „Die Hochzeit des Figaro“, unverwüstliches Dauerbrennerstück aller Wunschkonzerte. Lebhaft und brillant geschrieben, steht die Ouvertüre in keinem direkten Zusammenhang mit der Oper, bildet dennoch die passendste Einleitung zu der Handlung. Wir besitzen einen alten Folianten, in dem ein gewisser Herr H. Abert das für uns am besten Treffende darüber geschrieben hat, wenn auch ein wenig überschwänglich formuliert für unsere Tage blässlicher Nüchternheit:
„Bewegung in der höchsten Potenz ist alles in diesem Stück. Wie aus weiter Ferne kommt sie in dem berühmten Siebentakter angehuscht, erst nach zweimaligem Ansetzen ihren vollen Lauf gewinnend. Dann aber regt sich’s an allen Ecken und Enden, lacht, kichert, triumphiert, im Vorüberbrausen springen beständig neue Quellen auf, und schließlich jagt das Ganze in bacchantischem Schwall dem jubelnden Ende zu. Es ist….eine Apotheose des unbändigen, heiteren Lebensdranges, wie sie hinreißender nicht zu denken ist.“
In Joseph Haydns 2. Cellokonzert  D-Dur (Hob. VIIb: 2) stellt die weitgehend hohe Lage des Soloparts besondere Ansprüche an den Solisten. Das Konzert trägt, dem Charakter des Violoncellos entsprechend, auf weiten Strecken gesangliche Züge. Besonders schön das Adagio, getragen von einem ausdrucksvollen Gedanken. Das Allegro-Finale in Rondo-Form gibt dann  Raum für musikalischen Schwung. Ein Moll-Mittelteil überrascht mit fast schon rustikal zu nennendem Humor. Die im Konzert enthaltene Solo-Kadenz stammt vermutlich nicht von Haydn.
Als anspruchsvollen Gipfel des Konzertabends hat Chef­dirigent Lü Jia mit Arnold Schönbergs Kammersinfonie Nr. 1 op. 9 ein Schlüsselwerk der Musik des 20. Jahrhunderts gewählt. Die aufsteigende Fanfare des Anfangs ist nicht nur das Signal für die neue musikalische Klangwelt, sondern auch der Ausdruck jener Krise der Tonalität, aus der Schönberg kurz darauf die Konsequenzen zog. (Schönbergs zwei Kammersinfonien aus dem Jahr 1906 gehören zu seinen letzten Werken vor dem Schritt in die Atonalität.) Die kontrapunktische Verflechtung der Themen und die durchgehende Form (vier Sätze in einem) spiegeln sich in der solistischen Verwendung des (kleinen) Orchesters wirksam wider. Der neuartige Formverlauf zieht die Summe aus den sinfonischen Bestrebungen der Spätromantik: Schönberg komponierte eine nur scheinbar einsätzige Sinfonie, enthält sie doch alle vier herkömmlichen Sätze einschließlich der Durchführung vor dem langsamen Satz. Die thematisch sehr komplexe Durchführung ist der Drehpunkt der gesamten inneren Entwicklung, denn die Ecksätze sind im Verhältnis von Exposition (erste Durchführung des Themas) und Reprise (mehr oder minder Wiederholung eines Satzteils) aufeinander bezogen.
Drei Jahre nach der Komposition seiner Kammersinfonien, die auch von musikalisch weniger gebildeten Menschen durchaus noch als spannende Musik empfunden und geschätzt werden, brach Schönberg dann im Jahr 1909 mit der Tonalität. Ohne Konzessionen an das Publikum zu machen, ging Schönberg seinen Weg - mit der Konsequenz, dass ihm materieller Erfolg versagt blieb und sein Werk häufig Gegenstand verständnisloser, ja wütender Ablehnung war. Von den Nazis auch noch als Jude verfolgt, starb der 1874 in Wien geborene Schönberg in ärmlichen Verhältnissen 1951 in Los Angeles. Unbestritten gilt Schönberg heute als eines der größten Genies der Musikgeschichte mit weitreichender Ausstrahlung auf viele Komponisten nach ihm. Mit seiner Musik erschloss er einen Material- und Ausdrucksbereich, der vor ihm noch kein Thema war: die Angst des modernen Menschen. Mit seiner „Emanzipation der Dissonanz“ eröffnete Schönberg die neuen Klangwelten jenseits der Dur-Moll-Tonalität, die ohnehin im Zuge der Spätromantik an ihre Grenzen gestoßen war.
                                                                                                                                      Hans Rueda






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