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Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
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Sinfoniekonzerte des „OST“ am 29. April und 6. Mai im Auditorium von Santa Cruz

Berühmte Orchester-Suiten, Schumanns Cello-Konzert und Prokofjews Sinfonie von Terror und Krieg





Fotogalerie
21.04.2011 - Teneriffa - Konzert 29. April

Es beginnt mit einer der erfolgreichsten Kompositionen des 1892 in Aix-en-Provence geborenen Darius Milhaud, seiner Phantasie für kleines Orchester „Le Boeuf sur le Toit“ (Der Ochse auf dem Dach) op. 58 - Libretto der Ballettfassung von Jean Cocteau.

Der Titel des 1920 in Paris uraufgeführten Werks stammt von einem brasilianischen Kinderlied. Dass die Partitur Tango- und Sambaklänge enthält, ist auf Milhauds Bekanntschaft mit südamerikanischer Musik zurückzuführen, die er während seines Aufenthalts in Rio de Janeiro machte. Als Jean Cocteau eine Klavierfassung des Stücks hörte, wurde ihm bewusst, dass die Musik auch äußerst bühnenwirksam wäre, woraufhin er eine Handlung als Pantomime-Farce erfand. Das Ballett spielt in einer Bar in den USA während der Prohibitionszeit. Das Lokal ist überfüllt mit einer lärmenden Menge schräger Typen. Alle werden nervös, als ein Polizist die Bar betritt. Der Barmann versucht, den Gesetzeshüter zu überzeugen, dass nur Milch ausgeschenkt wird. Mit einer Reihe weiterer Absurditäten geht der Abend in der chaotischen Bar zu Ende. Milhauds musikalische Eigenart ist Ausdruck des Volkscharakters seiner südfranzösischen Heimat: heftig, rau und schüchtern. Er starb 1974 in Genf.
Das 1850 entstandene Cellokonzert a-moll op. 129 von Robert Schumann entstand an der Schwelle der letzten, tragischen Phase seines Lebens. Die einzelnen Teile des Werkes gehen pausenlos ineinander über. Noch einmal entfaltet sich Schumanns Phantasie in vollendeter Schönheit. Dramatische Erregung fehlt nicht, aber alles bleibt sozusagen in der Form einer großen Gesangsszene für das singendste aller Orchesterinstrumente, das Cello. Es war Schumann von Jugend an vertraut. Im langsamen Satz wird die ausdrucksvolle Kantilene am Ende zur Zweistimmigkeit erweitert. Der Schlusssatz entfernt sich etwas von der poetischen Gesamtidee ins Virtuose. Die letzten zwei Jahre seines Lebens verbrachte der 1810 in Zwickau geborene Komponist nach dem Sprung von einer Rheinbrücke in der Nervenheilanstalt Endenich bei Bonn. Dort verstarb Robert Schumann am 29. Juli 1856.
Solist des Abends ist der 1976 in München geborene Cellist Daniel Müller-Schott, der das Schumann-Konzert 2009 mit dem Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunks bei Orfeo bereits für die Schallplatte eingespielt hat. Mit 15 Jahren gewann er als erster Deutscher überhaupt im Tschaikowsky-Wettbewerb für junge Musiker in Moskau den ersten Preis. Daniel Müller-Schott spielt heute das „Ex Shapiro“ Matteo Goffriller Cello, gefertigt in Venedig 1727.
Im zweiten Teil des Konzerts unter der Stabführung des 1976 in St. Petersburg geborenen Vasily Petrenko, ­– Orchesterchef ehemals in Liverpool und Fan des dortigen FC noch heute –, ist die 4. Suite „Mozartiana“ op. 61 von Peter Tschaikowsky (1840 - 1893) zu hören. Im Jahr 1887 war Russlands wohl größter Komponist viel auf Reisen. Die „Mozartiana“ beendete er im August des Jahres am Sterbebett eines Freundes in Aachen. Nach eigenem Bekunden verfolgte Tschaikowsky mit der Suite auch das Ziel, Anstöße zur Aufführung der kleineren und unbekannteren  Werke des Wiener Klassikers zu geben. Die „Mozartiana“ besteht aus drei kleinen Original-Klavierstücken Mozarts (Nr. 1, 2 u. 4), während der dritte Satz auf dem „Ave verum corpus“ in der Transkription von Franz Liszt beruht. Er veränderte nichts am originalen Notentext der Kompositionen, sondern instrumentierte sie lediglich auf seine brillante Weise, sodass die bezaubernden Stücke plötzlich „romantisch verkleidet“ daherkommen. Tschaikowsky ging ungemein liebevoll bei dieser „Aneignung“ von Musik des über alle Maßen verehrten Mozart um.

Konzert 6. Mai

Dirigent des Abend ist der 1974 in Polen geborene Michal Nesterowicz. Er studierte Violine und Dirigieren an der Musikhochschule in Warschau. Im Jahr 2008 gewann er den renommierten Dirigentenwettbewerb von Cadaqués. Seit Kurzem ist er Chef des Sinfonieorchesters von Chile.
Das Konzert beginnt mit der „Musique funèbre“ (Trauermusik) von Witold Lutoslawski, entstanden in den Jahren 1954 - 1958. Der Komponist schrieb sie im Andenken an Béla Bartók, dessen Todestag sich 1955 zum zehnten Mal jährte. In Einleitung und Epilog wendet Lutoslawski erstmals konsequent die Zwölftontechnik an, zudem formt sich hier der für ihn typische Satzverlauf erstmals ganz deutlich aus: kurze Einleitung, dicht gearbeiteter Hauptteil, Höhepunkt und danach eine Art Nachklang. Das Werk ist in vier deutlich erkennbare Teile getrennt, die allerdings bruchlos ineinander übergehen. Die den Trauerduktus emphatisch ins gemäßigt atonale Idiom übersetzende „Musique funèbre“ gehört zu den ersten Werken, die Lutoslawski (geboren 1913 und gestorben 1994 in Warschau) berühmt machten.
Die Suite-Version von 1949 der Ballett-Musik „Pulcinella“ von Igor Strawinsky (1882 - 1971) gehört zu den besonders erfolgreichen Werken des Komponisten. Sie basiert auf einer Tanzkomödie in einem Akt für Pantomimen und Sänger nach einem neapolitanischen Manuskript des 17. Jahrhunderts. Die launige Verwechslungskomödie um den Harlekin Pulcinella und seine Geliebte Pimpinella wurde 1920 in Paris durch Diaghilews Russisches Ballett mit Kostümen und Bühnenbildern von Pablo Picasso uraufgeführt. Die Umformung des ursprünglichen musikalischen Materials nach Pergolesi durch geschickte Brechungen der Melodien und Rhythmen geschah im Sinne einer schöpferischen Aneignung mit dem Resultat einer Tanzmusik in Strawinskys unverwechselbarer Tonsprache. Die Orchestersuite ist eine gestraffte Fassung der Ballett-Musik.
Sergej Prokofjews Sinfonie Nr. 5 B-Dur op. 100 entstand 1944 und ist ein Stück der Selbstbehauptung des Komponisten in schwerer Zeit, die durch Krieg und Terror geprägt war. Freunde wie der berühmte Regisseur Meyerhold wurden erschossen, andere, wie die erste Frau Prokofjews, Lina, verschwanden in Stalins Lagern. Prokofjew gab 1951 einen verschlüsselten Hinweis auf den Gehalt der 5. Sinfonie, an die Würde des menschlichen Geistes zu erinnern, also der furchtbaren Realität zu widerstehen, Verschwiegenes laut zu machen. Der am 23. April in der Ukraine geborene Prokofjew starb am 5. März 1953 in Moskau, am gleichen Tag wie Stalin. Kränze zu des Komponisten Beerdigung waren nicht aufzutreiben. Des großen Diktators und Mörders von Millionen Menschen erbärmlicher Abgang wurde gleichwohl groß begangen. Da blieben für den Meister nur musikalischer Barbarismen und stählerner Rhythmen Blumen nicht übrig. Doch der innovatorische Impuls und die Wahrheit von Prokofjews Musik haben Bestand bis heute.
                                                                                                                            Hans Rueda






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