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Ausgabe: Nr. 272 (3/2017) vom 8. - 21. Februar 2017
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Kunstausstellung

Wir alle sind eins





Stefano Bozzani
Fotogalerie
Stefano Bozzani
05.10.2016 - Lanzarote -
„Oikoumené – Todo somos uno“. Der Titel, den der italienische Künstler und Fotograf Bozzani seiner aktuellen Ausstellung gegeben hat, mutet philosophisch an. In einer Zeit, in der sich das Augenmerk auf die Unterschiede zwischen Menschen anstatt auf ihre Gemeinsamkeiten richtet, ist er ein tröstlicher Gedanke. 
Oikoumené, vom griechischen Verb „oiken“ (wohnen) abgeleitet, bedeutete zu Zeiten des Geschichtsschreibers und Geografen Herodot „die bewohnte Erde“ oder „die ganze Welt“. Später wurde damit die Gesamtheit der christlichen Welt bezeichnet.
Bozzani verwendet den Begriff in seinem ursprünglichen Sinn: Oikoumené als relationales, dynamisches, globales Konzept, das jenseits des Christentums und der Kirchen existiert und Gottes gesamte Schöpfung umfasst. Seine Werke beschäftigen sich mit dem Menschen als Subjekt, das den Künstler seit jeher und in allen Facetten fasziniert. „Ich habe schon immer am liebsten Persönlichkeiten fotografiert – ganz gleich ob Menschen vom Rand der Gesellschaft oder sogenannte VIPs. Es gefällt mir, ihre Essenz, ihre intimsten Anblicke einzufangen. Um meinen künstlerischen Horizont zu erweitern, habe ich die Arbeiten sowohl berühmter als auch unbekannter Kollegen studiert, und das führte mich zu den Ursprüngen der heutigen Fotografie.“ Bozzani begann, sogenannte Daguerreotypien und Ferrotypien, beides Fotografie-Verfahren aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts, aufzuspüren und zu sammeln. 
Was ist an diesen Bildern so besonders? „Es sind die ersten Fotos in der Geschichte der Menschheit. Sie zeigen reale Personen, die vor 150 und mehr Jahren gelebt haben. Es erfüllt mich immer mit Staunen, in die jungen und alten Gesichter unbekannter Menschen zu blicken, die schon lange nicht mehr existieren, doch dank dieser Bilder trotzdem präsent sind.“, erklärt der Künstler. Er begann nach Möglichkeiten zu suchen, diesen Eindruck zu verstärken und sowohl den abgebildeten Personen als auch der fotografischen Arbeit selbst Leben einzuhauchen. Mit neusten und von ihm selbst entwickelten Techniken hatte er nach vierjähriger Experimentierphase ein Ergebnis, das ihn zufrieden stellte: Auf den ersten Blick wirken die Bilder wie die einstigen Daguerreo- und Ferrotypien, auf den zweiten jedoch höchst lebendig, dank Dreidimensionalität und Tiefe. „Ich wollte eine Transparenz erreichen, eine scheinbare Lichtdurchlässigkeit, so als ob die dargestellte Szene jetzt und hier beleuchtet würde, voll Kraft und Intensität.“ Dies gelingt dem Künstler durch reflektierende Materialien, wie sie uns im Alltag ständig begegnen, ob an Kleidung, Schuhen oder auf der Straße.
Die Ausstellung ist bis 24. Oktober im Kunstzentrum Convento Santo Domingo in Teguise zu sehen. Zwölf Werke des Künstlers sind zwischen den Säulen des Klosterschiffs installiert. 
„Wir alle sind eins“, dieser Titelzusatz der Ausstellung fasst das Prinzip der Oikoumené im Bozzani’schen Sinn zusammen: Jeder Mensch ist ein Teil des Ganzen, über Raum, Religion und Zeit hinweg.





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