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Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
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Konferenz der deutschsprachigen katholischen Tourismusseelsorger in Puerto de la Cruz

Einfach mal reinschauen – oder was?

„Einfach mal ‘reinschauen – mal gucken, was los ist und was mir das geben kann.“ Das ist ein Motto, das wir alle kennen und dem wir auch oft genug folgen, egal um welches Event es sich handelt.



06.11.2008 - Teneriffa - In der Konferenz der deutschsprachigen katholischen Tourismusseelsorger, die vom 27. bis 31. Oktober in Puerto de la Cruz stattfand, ging es im Prinzip genau darum, allerdings von der entgegengesetzten Warte aus, nämlich darum „Wie hält man Menschen bei der Stange“? „Lifestyle-switching“, das war dann auch ein Begriff, der am Begegnungsabend der hiesigen deutschsprachigen katholischen Gemeinde mit den Konferenzteilnehmern in aller Munde war. Lifestyle-switchen, das machen wir alle nämlich ständig, und das oft genug mehrmals am Tag. So finden wir uns beispielsweise im Büro in die Rolle des Chefs oder Angestellten, daheim in die Eltern- und Erzieherrolle, in die des Ehegefährten – die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Und im Urlaub, ja, da schlüpfen wir vorzugsweise in die „Millionärsrolle“, so wie wir Wohlstandsbürger uns die nun einmal vorstellen: Wir lassen uns bedienen und hängen faul herum oder gehen intensiv unseren ganz persönlichen Interessen und Hobbys nach. All das ist Bestandteil unserer vielschichtigen Persönlichkeit.
Und was hat nun die Kirche damit zu tun? Ganz schön viel, so war bei der Tagung zu lernen. Denn die Menschen kuppeln sich heutzutage nicht nur in Berufe ein und aus. Werbung spielt eine große Rolle in unserem Leben, denn sie vermittelt uns das Gefühl: wenn wir eine spezielle Marke konsumieren, dann gehören wir einer ganz bestimmten Menschengruppe an. Damit definieren wir sozusagen unseren „Lifestyle“. Dass diese Lifestyle-Gesellschaft, die die vergangenen 30 Jahre geprägt hat, nun bröckelt, weil die Menschen sich offensichtlich verstärkt wieder vom „Marken-Denken“ ab- und anderen Werten (Familie, Treue, Ökologie) zuwenden, hat sich auch in Glaubensdingen niedergeschlagen. Da schaut man mal bei den vielen christlichen Kirchen rein, liest sich ein bisschen was über Buddhismus, Brahmaismus und Yoga an, kuppelt sich mal kurz bei der Anthroposophie ein, schließt sich vielleicht einem Esotherik-Guru an – bringt also von überall kleine Versatzstückchen mit und endet schließlich beispielsweise bei der Überzeugung, „Christus sei auch ein Vertreter der Seelenwanderung gewesen“, so Tagungsreferent Dr. Christoph B. Melchers aus Köln, seines Zeichens Psychologe.
In der Tourismusseelsorge ist switching ganz besonders ausgeprägt. Das liegt einfach in der Natur der Sache. Wo man sich nur wenige Tage des Jahres aufhält, kann man sich nur mal „kurz einklinken“; mehr ist da im allgemeinen nicht drin.
Tatsächlich, und das hat auch die Tourismusbranche erkannt, ist die Suche nach Werten eine durchaus ernstzunehmende Urlaubserwartung, die nicht unterschätzt wird. Angefangen beim Wellness-Urlaub, über organisierte Wallfahrten, Urlaub im Kloster oder sonstigen Meditationsstätten bis hin zur Wiederentdeckung des Jakobswegs, so führt Dr. Melchers aus, switchen inzwischen viele Menschen aus dem Alltag in den spirituell und kreativ ausgerichteten Urlaub.
Was bedeutet das aber nun für die Tourismusseelsorge? Nicht jeder Ort hat prägnante Stätten vorzuweisen, wie einen Kölner Dom oder eine Wallfahrtskirche. Wie also wird man als Touristengemeinde zum Magneten mit so großer Anziehungskraft, dass die Menschen zwar reinswitchen, aber daheim nicht gleich wieder rausswitchen, sondern das im Urlaub Erlebte weiterleben? Wie bringt man Menschen, die mit einem Fuß in der Lifestyle-Kultur stehen und mit dem anderen zögerlich in der Luft schweben, überhaupt dazu, sich mit Kirche und Glauben auseinanderzusetzen?
Der Psychologe Dr. Melchers sieht die Erfolgsformel in Events jeglicher Art, ob groß oder klein. Weihnachten zum Beispiel sei so ein Event, das auch Nicht-Kirchgänger Jahr für Jahr massiv in die Messen ziehe. Prozessionen, die die Menschen innehalten lassen. Ein besonderer Segen vielleicht. Eine Messe unter einem ganz besonderen Motto. Etwas, wo sofort am Ort eine Wirkung spürbar wird, eine Wandlung im Menschen einsetzen kann.
Da darf sich die kleine deutschsprachige katholische Gemeinde dann aber getrost auf die Schulter klopfen. Sie hat zwar keine Kathedrale und auch keine Wallfahrtskirche, sondern nur eine kleine Fischerkapelle, aber an kirchlichen „Events“ mangelt es nicht. Wenn man Dr. Melchers so zuhört, wie er sich lebendige Kirche für lebendige Menschen vorstellt, die halt nicht nur mal reinswitchen, sondern dann auch dabeibleiben wollen, dann kann man getrost die Soll-Liste abhaken: hat San Telmo, hat Haus Michael. Was nicht heißen soll, dass die Gemeinde nun da stehenbleiben und sich auf ihren Lorbeeren ausruhen kann. Es geht immer neu weiter. Neugierig geworden? Dann switchen Sie doch mal rein – vielleicht wollen Sie dann ja gar nicht mehr weiter woandershin switchen.




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