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Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
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Tradition und religiöses Brauchtum

Passion und Ostern

In Spanien, und auch auf den Kanaren, steht die Karwoche im Zeichen der kirchlichen Traditionen. Bei den feierlichen Prozessionen gehen katholische Bruderschaften mit, die mit ihren teilweise mittelalterlich anmutenden Kutten zum düsteren Gepräge beitragen. Das Kontrastprogramm folgt am Ostersonntag mit der freudigen Auferstehungsprozession. Das Osterfest wird in Spanien ganz anders gefeiert als in Deutschland. Obwohl der profane Osterhase samt Eiern in viele – vor allem touristische – Ecken des Landes vorrückt, spielt in Spanien und auch auf den Kanaren die katholische Religion in der Osterzeit die wichtigste Rolle.



Fotogalerie© EFE
06.04.2012 - Kanarische Inseln - Die Karwoche zählt zu den bedeutendsten und aufwendigs­­ten religiösen Festen, und die Feiern des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Christi werden als religiöses Schauspiel inszeniert, das mit der Fas­­­tenzeit beginnt und am Ostersonntag seinen Höhepunkt erreicht.
In sämtlichen Winkeln Spaniens kann man die leidenschaftlichen Kundgebungen des tiefen religiösen Gefühls der Menschen erleben. Überall haben sie ihre eigenen lokalen Besonderheiten. In Andalusien sind die Festlichkeiten ausdrucksreich, lebhaft, fröhlich, spontan und farbenfroh; in Castilla-León ernsthafter und feierlicher. Am eindruckvollsten zu beobachten ist die Semana Santa in Südspanien. Die Bevölkerung und Tausende Besucher nehmen an diesen beeindruckenden Festen teil, bei denen sich das Schweigen und der Trommelschlag abwechseln – eine irritierende Mischung aus tiefem Ernst und lautstarker Fröhlichkeit.
Auch auf den Kanaren reihen sich in der Karwoche die Prozessionen aneinander. Deren Ursprung liegt im ausgehenden Mittelalter und kam durch die spanischen Eroberer auf die Inseln. Auf Teneriffa hat das religiöse Fest in La Laguna, La Orotava und Adeje besondere Tradition. Aber auch in touristischen Gemeinden wie Puerto de la Cruz wird das religiöse Brauchtum gepflegt.

„Pasos“

Die Tradition der Semana Santa in Spanien geht auf das 15. und 16. Jahrhundert zu­rück, als die katholische Kirche begann, der Bevölkerung die Passion Christi näherzubringen. Künstler erhielten Aufträge zur Anfertigung von Heiligenfiguren aus Holz, die dann, zum Teil mit prunkvollen Gewändern bekleidet, in den Prozessionen durch die Städte getragen wurden. „Pasos“ werden die Heiligenfiguren auf den reichlich verzierten Altarbühnen genannt. Einige dieser Skulpturenwerke sind mehrere Hundert Kilo schwer und werden von rund 30 „Cos­taleros“ getragen. Die „Pasos“ zeigen Stationen der Leidensgeschichte Christi. Sie sind Nachbildungen der Leidensgestalten. In der Karwoche werden meist Christusfiguren in den Prozessionen getragen, mancherorts auch Figuren der Heiligen Jungfrau.

„Cofradías“

Im Mittelpunkt der Prozessionen stehen neben den Heiligenfiguren die „Cofradías“ (auch „Hermandades“), die religiösen Bruderschaften, deren Mitglieder Cofrades heißen. Sie tragen die Heiligenfiguren während der Prozession, die meist von der Pfarrkirche zur Kathedrale und zurück oder einmal durch die Stadt führt. Mehrere Stunden lang balancieren die Männer im einstudierten langsamen Gleichschritt den „Trono“ auf ihren Schultern. Die schweren Holzgestelle wurden mancherorts in den letzten Jahren durch Alu­­minium ersetzt, um die Träger zu entlasten.
Allein an der traditonellen Prozession in Sevilla sind über 55 Bruderschaften mit jeweils etwa 500 Mitgliedern beteiligt. Die Wartelisten für die Aufnahme in eine der Karwochenbruderschaften sind lang.

Die Büßer

Begleitet werden die Prozessionen von den „Nazarenos“ oder „Penitentes“, den Büßern. Dies sind Mitglieder der Bruderschaften, die in lange Gewänder gekleidet sind und ihr Gesicht unter spitzen Kapuzen verbergen, die an den Ku-Klux-Klan erinnern, damit aber nicht das Geringste zu tun haben. Weltweit bekannt ist die Cofradía der Nazarenos in Sevilla, die in ihren weißen Kutten barfuß bis zu zwölf Stunden lang durch die Straßen der Stadt ziehen. Der Spitzhut, „Capirote“, soll verhindern, dass der Büßer erkannt wird, damit die Mitglieder der Bruderschaften mit ihrem Bußgang in der Öffentlichkeit nicht „angeben“. Die Kapuzen sind ein Sinnbild für die Nähe zu Gott (sie zeigen in den Himmel) und das intime Gespräch mit ihm. Durch verschiedene Farben der Kutten und prächtige Stickereien unterscheiden sich die Cofradías voneinander. Wie auf dem Festland und in verschiedenen la­-teinamerikanischen Ländern vermischen sich in den Prozessionen religiöse Inbrunst, Folklore und Volksfeststimmung. Sie sind inzwischen Anziehungspunkte für Touristen aus aller Welt geworden.

Prozessionen

La Laguna
Mittwoch, 4.4., 19.00 Uhr: Eucharistie in der Kirche La Concepción und anschl. Prozession.
Gründonnerstag, 5.4., 18.00 Uhr: Eucharistie und Feier des Letzten Abendmahls in der Kirche La Concepción. 20.00 Uhr: Prozession v. Kirche La Concepción und Kirche Santo Domingo de Guzmán: 21.00 Uhr: Prozession. Pfarrkirche San Lázaro.
Karfreitag, 6.4., 4.00 Uhr morgens:  Prozession vom Real Santuario del Santísimo Cristo aus. Kirche La Concepción: 11.15 Uhr: Prozession „Lignum Crucis“. 12.30 Uhr: Feier des Leidens und Sterbens Christi.
Über den Tag verteilt gibt es, von verschiedenen Kirchen ausgehend, 25 Prozessionen. Alle Prozessionen werden von verschiedenen Stadtkapellen begleitet und durchlaufen die wichtigsten Straßen der Innenstadt von La Laguna. Die Hauptprozession – Procesión Magna um 17.00 Uhr von der Kirche La Concepción ausgehend – wird von Bischof Bernardo Álvarez angeführt. 
Um 21.30 Uhr geht die Procesión del Silencio in absoluter Stille von der Kathedrale aus über Juan de Vera, Obispo Rey Redondo, Plaza del Adelantado und Santo Domingo bis zur Parroquia de Santo Domingo de Guzmán.
Karsamstag, 7.4., 22.00 Uhr: Feier der Heiligen Osternacht mit Osterlob durch Bischof Bernardo Álvarez in der Kirche La Concepción.
Ostersonntag, 8.4., 12.00 Uhr:  Feierliche Ostersonntagsmesse mit Papstsegen durch Bischof Bernardo Álvarez. Anschl. Prozession rund um die Plaza de la Concepción.
Kirche Santo Domingo de Guzmán: 19 Uhr: Eucharistie mit anschl. Prozession.
Weitere Infos im Internet:  www.semanasantadelalaguna.com

La Orotava
Gründonnerstag, 5.4., 17.00 Uhr: Prozession von der Kirche La Concepción aus.
Karfreitag, 6.4., 17.00 Uhr: Kirche Nuestra Señora de la Concepción: Feier des Leidens und Sterbens Christi. 22.30 Uhr: Predigt und anschl. Schweigeprozession. 11.00 Uhr in der Kirche San Juan Bautista: Via Crucis;  22.30 Uhr: Prozession bis zur Ermita de la Piedad.
Karsamstag, 7.4., 23.00 Uhr: Kirche Nuestra Señora de la Concepción und in der Kirche San Juan Bautista sowie ab 22.30 Uhr in der Kirche Santo Domingo de Guzmán: Feier der Osternacht, anschlie­ßend Prozession.
Ostersonntag, 8.4., 11.30 Uhr: Kirche Nuestra Señora de la Concepción: Eucharistie und Auferstehungsprozession. In der Kirche San Juan Bautista um 8.30 und 12.00 Uhr: Eucharistie. Kirche Santo Domingo de Guzmán: Eucharistie um 18.30 Uhr, anschl. Prozession. Kirche San Agustín:  18.00 Uhr Eucharistie.

Puerto de la Cruz
Die folgenden Veranstaltungen finden, sofern nichts anderes angegeben, in der Kirche Nuestra Señora de la Peña de Francia (Hauptkirche) statt.
Mittwoch, 4.4., 19.00 Uhr: Messe. 20.15 Uhr: Prozession.
Gründonnerstag, 5.4., 19.00 Uhr: Messe. 20.15 Uhr: Prozession.
Karfreitag, 6.4., 5.00 Uhr: Kreuzigungsprozession, 17.30 Uhr: Feier des Leidens und Sterbens des Herrn in der Kirche La Peñita (Calle San Felipe) und anschl. Prozession bis zur Kirche Ntra. Sra. de la Peña. 19.30 Uhr: Prozession von der Kirche San Francisco. 20.15 Uhr: Hauptprozession von der Kirche Peña de Francia ausgehend.
Karsamstag, 7.4., 23.00 Uhr: Osterwache.
Ostersonntag, 8.4., 11.00 Uhr: Eucharistie, danach Auferstehungsprozession.

Adeje
Mittwoch, 4.4., 21.00 Uhr: Prozession von der Kirche Santa Úrsula Mártir bis zur Kirche Los Olivos, wo eine Eucharistie gehalten wird.
Gründonnerstag, 5.4., 19.00 Uhr: Eucharistie in der Kirche Santa Úrsula Mártir und anschl. Prozession.
Karfreitag, 6.4., 6.30 Uhr: Via Crucis in der Kirche Santa Úrsula Mártir. 12.00 Uhr: Passionsspiel in der Calle Grande in Adeje (siehe Artikel auf Seite 72). 22.30 Uhr: Schweigeprozession von der Kirche Kirche Santa Úrsula Mártir aus.
Karsamstag, 7.4., 23.00 Uhr: Osterwache in der Kirche Santa Úrsula Mártir.
Ostersonntag, 8.4., 11.00 Uhr: Auferstehungseucharistie in der Kirche Santa Úrsula Mártir.






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