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Koryphäen aus Wissenschaft und Astronomie trafen beim „Starmus Festival“ zusammen – allen voran einer der brilliantesten Geister: Stephen Hawking

Eine transgalaktische Expedition auf Teneriffa

Am 27. September ging auf Teneriffa die zweite Ausgabe des Wissenschafts- und Astronomiefestivals Starmus mit einer besonderen Veranstaltung zu Ende. Eine Woche lang hatten Wissenschaftler von Weltruf, Nobelpreisträger, darunter Physiker, Astrophysiker und Chemiker, Astronauten und Kosmonauten im Nobelhotel Abama ihr Wissen ausgetauscht und den Teilnehmern des Festivals vermittelt. Dass die Astronomie in der Lage ist, Leidenschaften zu wecken, wurde durch das große Interesse an dieser Veranstaltung deutlich.



Alexei Leonow überraschte das Publikum mit einer Lektion in Raumfahrttechnologie.
Fotogalerie© WB
Alexei Leonow überraschte das Publikum mit einer Lektion in Raumfahrttechnologie.
05.10.2014 - Teneriffa - Die Veranstalter hatten anfänglich mit 200 Gästen gerechnet, es gingen schließlich aber über 400 Anmeldungen ein.
Auch bei der Schlussveranstaltung im Auditorio Adán Martín in Santa Cruz konnte sich Starmus-Initiator Garik Israelian über einen ausverkauften Saal freuen. Der Astrophysiker des Instituto de Astrofísica de Canarias (IAC) auf Teneriffa, der Starmus im Jahr 2011 ins Leben rief, traf mit der gekonnten Kombination seiner zwei Leidenschaften – der Musik und der Astronomie – offenbar den Nerv vieler Gleichgesinnter. Durch seine enge Freundschaft mit Brian May, ehemaliger Gitarrist der legendären Gruppe „Queen“ und selbst promovierter Astrophysiker, wurde das Staraufgebot an Musikern möglich, und das Konzert „Sonic Universe“ am 26. September im Magma Kongresszentrum in Adeje zu einem der Höhepunkte von Starmus 2014. Star-Keyboarder Rick Wakeman und Brian May gaben ein herausragendes Duo ab. Doch die Hauptinhalte von Starmus waren natürlich die Wissenschaft und die Sternforschung bzw. unter dem Titel „Die Entstehung des modernen Kosmos“ die Erforschung des Universums. Zu dieser Thematik könnte man sich wohl keinen berühmteren Stargast vorstellen, als den theoretischen Physiker und Astrophysiker Stephen Hawking.
Im Rahmen der Konferenzreihe im Hotel Abama referierte Hawking am 23. September über den Ursprung des Universums. Der 72-jährige Brite, der seit 1963 an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) leidet und mittlerweile nur noch über einen ausgeklügelten Sprachcomputer, den er mit seinen Augen steuert, kommunizieren kann, erschien auch bei der Abschlussveranstaltung von Starmus persönlich auf der Bühne, als sein zuvor aufgezeichneter Vortrag von seiner charakteristischen Computerstimme vorgetragen wurde. „Schwarze Löcher“ war das Thema an diesem Tag, und Hawking würzte seine wissenschaftlichen Ausführungen zwischendurch immer wieder mit einer Prise Humor. „Wir wissen nicht, wie das Leben auf der Erde entstand, doch wir haben 500 Millionen Jahre alte Fossilien, also wissen wir, dass das Leben entstand, sobald es möglich war. Ich halte nichts von Ufos und auch nichts von der Verschwörungstheorie, dass die USA Beweise geheim halten, um die ganze außerirdische Technologie für sich zu behalten“, erklärte Hawking unter anderem in der Einleitung seines Vortrags. Anschließend klärte er das Publikum über einige Besonderheiten der vielzitierten Schwarzen Löcher im Universum auf. Seiner Auffassung nach müssen Schwarze Löcher nicht unbedingt das Ende der Materie bedeuten, die sie verschlingen, sondern könnten ebenso einen Aus- wie einen Eingang haben. Somit wäre es laut Hawking auch denkbar, dass sie den Zugang zu einem anderen Universum bilden. Das könne jedoch niemals erwiesen werden, da es keinen Weg zurück gebe. Im Hinblick auf die Zukunft erklärte Hawking, dass er sich für die nächsten 100 Jahre den Durchbruch der Fusionsenergie wünsche, um das Energieproblem der Erde unter Vermeidung des Ausstoßes von Treibhausgasen zu lösen. Und übrigens: Wenn Zeitreisen möglich wären, würde Hawking nach eigenen Angaben lieber in die Zukunft reisen, denn die Vergangenheit kenne man ja bereits, aber die Zukunft sei schwer vorherzusagen. Dies werde immer wieder durch die Wettervorhersage deutlich, witzelte Hawking.

Weltraumlegenden

Doch was wäre die theoretische Forschung ohne Menschen, die uns das Weltall näher gebracht haben, wie Neil Armstrong, der 2011 selbst beim ersten Starmus-Festival mit dabei war.
Und so wurde die Schlussveranstaltung von Starmus 2014 unter dem Motto „Space Legends“ zu einer Hommage an zwei Weltraumlegenden: Neil Armstrong (1930-2012) und der sowjetische Raumfahrer Alexei Leonow, der im Mai dieses Jahres seinen 80. Geburtstag feierte.

Charlie Duke, ebenfalls ehemaliger amerikanischer Astronaut und Pilot der Landefähre von Apollo 16, der 1972 als jüngster Mensch auf dem Mond Geschichte schrieb, hielt eine Laudatio auf seinen verstorbenen Freund und Kollegen Neil Armstrong. Dabei würdigte er nicht nur die Leistungen Armstrongs und seine erstaunliche Fähigkeit, auch in äußerst brenzligen Situationen die Ruhe zu bewahren und die richtige Entscheidung zu treffen, sondern beschrieb ihn auch als sehr bescheidenen Menschen.
Er habe, so Duke, die Ehre gehabt, bei der Beerdigung von Neil Armstrong dabei zu sein, und habe bei dieser Gelegenheit mit dessen Sohn gesprochen. Dieser habe ihm eine Anekdote anvertraut, die Zeugnis von der Bescheidenheit des ersten Moonwalkers abgebe und er wolle sie nun mit dem Publikum teilen, erklärte Duke. Nach seiner Rückkehr zur Erde sei Neil Armstrong mit seinem Sohn Schuhe kaufen gegangen. Im Schuhgeschäft seien sie auch schnell fündig geworden und mit dem Paar (Schuhe) zur Kasse gegangen. Dort habe ihn der Kassierer erstaunt angeschaut und gefragt: „Hat Ihnen schonmal jemand gesagt, dass sie Neil Armstrong sehr ähnlich sehen?“ Darauf habe sein Vater geantwortet: „Ja. Tatsächlich kommt es mir so vor, als würde mir das jeden Tag jemand sagen.“ Er verriet jedoch nicht, dass er der wahre Neil Armstrong ist.

Warum gab es noch nie einen Nobelpreis für verdiente Astronauten?

Kosmonaut Alexei Leonow, der im Rahmen der Schlussveranstaltung von Starmus darüber referierte, warum Russland nie einen Menschen zum Mond schickte, begann seinen Vortrag mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für die Anerkennung der Leistungen der Raumfahrer. Er frage sich, so Leonow, warum Politiker mit Nobelpreisen überhäuft würden, während Astronauten, die Großes für die Menschheit erreicht hätten nicht mit einem solchen Preis gewürdigt werden. Neil Armstrong habe seines Erachtens einen solchen Preis verdient. Es sei bislang nicht möglich, Nobelpreise posthum zu vergeben, doch dies sollte unbedingt überdacht werden. Und auch unter lebenden Legenden der Raumfahrt gebe es seiner Meinung nach zahlreiche Anwärter für diese Auszeichnung.
Im Anschluss an diesen emotionsgeladenen Einsatz für die Würdigung der Leistungen der Astronauten, erteilte Leonow dem Publikum im ausverkauften Auditorio Adán Martín eine Lektion in Raumfahrttechnologie.
Auf einer Tafel stellte er sehr anschaulich die Bauweise des Sojus-Raumschiffs dar. Warum die Sowjetunion nie einen Menschen zum Mond schickte, hat laut Leonow unterschiedliche Gründe. Zum einen gab er zu bedenken, dass es große Unterschiede zwischen den bereitgestellten finanziellen Mitteln für die Raketenprogramme gab – während die USA 25 Billionen Doller investierten, hatten die Russen für das Mondlandungsprogramm nur 2,5 Billionen zur Verfügung. Zum anderen bedauerte er, dass mit dem Tod des Chefkonstrukteurs Sergei Koroljow 1966 das sowjetische Mondprogramm ins Stocken geriet. Dennoch, betonte Leonow, seien er und seine Kollegen für eine Mondlandung perfekt ausgebildet gewesen, und hätten diese auch absolvieren können.
Er selbst landete zwar nicht auf dem Mond, war jedoch als Kommandant der sowjetischen Sojus 19-Mission 1975 Teil der ersten amerikanisch-sowjetischen Kooperation in der Weltraumfahrt. Dabei koppelten ein Apollo- und ein Sojus-Raumschiff in der Erdumlaufbahn aneinander an, sodass die Raumfahrer von einem Raumschiff ins andere umsteigen konnten.

Erfolgreiches Konzept

Der Erfolg dieser zweiten Ausgabe von Starmus, die Teneriffa für eine Woche in den Blickpunkt der internationalen Astronomiefachwelt rückte, lässt die Vermutung zu, dass dieses Festival auch in Zukunft fortbestehen wird.
Das Staraufgebot war auch bei diesem zweiten Starmus-Event wieder groß. Zu den illustren Gästen und Referenten zählten neben Stephen Hawking, Alexei Leonow und Charlie Duke der ebenfalls amerikanische Astronaut Walt Cunningham von der Apollo 7-Mission, der berühmte Evolutionsbiologe Richard Dawkins, der Physik-Nobelpreisträger Robert Wilson, der Astrophysiker und ebenfalls Nobelpreisträger John Mather und der Elementarteilchenphysiker John Ellis.
„Wir werden vermutlich Wochen, wenn nicht Monate brauchen, um zu erfassen, welche Ehre uns mit der Anwesenheit und Teilnahme von Professor Hawking zuteil wurde“, sagte Festival-Veranstalter Garik Israelian in seiner Schlussrede. Da er bereits zu Anfang der diesjährigen Veranstaltung klarstellte, dass Starmus stets Neues bedeutet, darf man gespannt in die Zukunft schauen.






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