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Ausgabe: Nr. 274 (5/2017) vom 8. - 21. März 2017
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„Lichtblicke“ der deutschen Seelsorger auf Teneriffa – diesmal von Pfarrer Wolfgang Gerth, Evangelische Gemeide Teneriffa Nord

„Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch!“

Wer wünschte sich das nicht, alle Sorgen ablegen, einfach loslassen. Wer wünschte sich nicht Entlastung. Einmal wieder aus dem Kreuz kommen. Es nicht im – Rücken haben. Nicht sein Päckchen tragen müssen. Für einen Moment. Am liebsten für immer.



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11.11.2015 - Teneriffa -
„Alle eure Sorge werft auf ihn“. Nicht nur die kleinen Sorgen des Alltags. Sondern die gesamte Belastung, die ich im Leben spüre, die „ganze“ Sorge sozusagen. Die existenziellen Sorgen heute vielleicht – aber auch die Sorgen, die in meiner Biografie stecken, auch das Unbeheimatetsein in dieser Welt. 
 Alle eure Sorge – die Sorge hinter allen Sorgen. Das, was sich im Körper festsetzt, im Geist, in der Seele, als Prägung, das, was auf dem Herzen lastet.
Er sorgt für uns – immer wieder schieben sich Bedenken vor solches Vertrauen. Muss ich es nicht selber in den Griff kriegen?
Wie schwer fällt es uns manchmal, Hilfe anzunehmen. Wie groß ist meine Angst, abhängig zu sein von anderen.
Er sorgt für mich?
Wir sind es gewohnt, selbstständig zu handeln, selbst verantwortlich zu sein. Und alles in unserer Gesellschaft scheint darauf hin eingerichtet zu sein. Ich habe gelernt, für mich selbst zu sorgen, damit ich funktioniere, und doch fällt es oft schwer – innen drin quasi – für mich selbst Sorge zu tragen.
Manchmal träume ich von der Leichtigkeit des Seins. Und manchmal schaue ich fast etwas neidisch auf Menschen, denen ich so eine Unbeschwertheit abspüre, Wo lassen die ihre Sorgen? Wie gelingt es ihnen, so sorgenfrei zu sein? Oder muss man nur lange genug auf Teneriffa gelebt haben? Manchmal bin ich erstaunt, wenn ich diese Menschen näher kennenlerne. Lebensgeschichten, Familiengeschichten höre ich, in denen Schweres erlebt wurde, Schicksalsschläge. Wie ging das? Wie hält man das aus?
„Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch!“ 
Vielen ist dieses Wort Trost und gibt ihnen Kraft. Befreiend ist dieses Wort dem, der es probiert und erfährt: Sorgen, und seien sie noch so groß und schwer,  gehören Gott. Er sorgt. Er entsorgt – für uns.
Wem immer es gelingt, in diese Bewegung hineinzufinden, und seine Sorgen auf Gott zu werfen, der erfährt wohl, dass dieses Wort trägt, sich bewahrheitet, sich bewährt im Alltag.
Der Reformator Martin Luther hatte viele Sorgen, nicht nur mit seiner Kirche, sondern auch ganz persönlich, in seinem eigenen Leben. In seiner ihm eigenen drastischen Ausdrucks-weise sagte er einmal zum Thema Sorgen: „Wer ein Christ sein will, der lerne doch solches glauben, dass er sein Herz mit seinen Sorgen Gott auf seinen Rücken werfe; denn er hat einen starken Hals und Schultern, dass er es wohl tragen kann….“
Kann man so von Gott reden? Passt dieses Bild noch in unsere Welt?
Nun, es heißt ja nicht: Kopf hoch! Nicht so schlimm. Wird schon wieder. Es heißt aber auch nicht: Finde dich ab. Schicke dich hinein in dein Schicksal, falle Gott damit nicht zur Last, sondern: Sei dir nicht zu schade dafür, mit Gott zu rechnen, wie klein oder groß dein Problem auch sei. 
In Psalm 55 heißt das: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn;“
Oder mit den Worten eines ehemaligen Konfirmanden gesagt, der über die Bedeutung des Gebets nachgedacht hat: „Mit Gott kann ich alles besprechen. Zu ihm kann ich so kommen, wie ich bin. Und dann sage ich ihm, was mich beschäftigt, und was mir Sorgen macht. Der dauernde Streit meiner Eltern, der Stress in der Schule, meine Angst, wenn ich ein Referat halten muss. Ich kann das alles mit Gott besprechen.“
Gott sorgt sich um uns, er sorgt für uns. Aber natürlich, ich weiß das auch, ziehen uns die Sorgen manchmal doch wieder runter. Die 40 Bewerbungen der Tochter, ohne Erfolg. Die Diagnose des Arztes letzte Woche, niederschmetternd. Die Prognosen für unsere Umwelt, der zerstörten und ausgeraubten Schöpfung, bedrohlich, das Elend so vieler, denen ein menschenwürdiges Dasein verweigert wird. 
Dennoch „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“
Ich höre entlastende Worte. Es wird nicht getadelt, dass ich Sorgen habe. In allen meinen Lebensbereichen kenne ich sorgende Gedanken, schlimme Befürchtungen, die mich nachts nicht schlafen lassen. Es gehört zu meiner Verantwortung für mich und für andere, dass ich mir Gedanken mache. Ich muss alles Menschenmögliche tun, um unerfreuliche Dinge zu ändern.
Denn Sorgen wirklich loswerden kann ich nur, wenn ich sie einem anderen überlasse. So bleiben sie sichtbar und werden nicht geleugnet. 
So wie es der jüdische Humor in einer Anekdote gefasst hat: Jakob wälzte sich seit Stunden im Bett. Schließlich fragt ihn Sara, seine Frau, besorgt: „Was ist denn los, Jakob, warum schläfst du nicht? Hast du Sorgen?“ Und Jakob sagt schließlich: „Morgen ist der 31., da muss ich Goldberg von gegenüber Geld zurückzahlen, das ich von ihm geliehen habe.“ „Na und?“ „Na und, ich habe keinen Heller.“ Sara steht auf, öffnet das Fenster und ruft Goldbergs Namen. Gegenüber öffnet der sein Fenster: „Was ist los? Brennt es bei Ihnen?“ „Das nicht“, ruft Sara laut, „aber Jakob hat kein Geld. Er kann Ihnen morgen die Schulden nicht zurückzahlen.“ Sara klappt das Fenster zu und sagt zu ihrem Mann: „So, jetzt ist es Goldberg, der nicht mehr schläft.“
Natürlich würde ich solche Vorgehensweise nicht immer empfehlen. Aber solches ist hier gemeint. Übermächtige Sorgen weitergeben, das entlastet. Sie werden so einem anderen anvertraut, damit sie uns nicht länger erdrücken. Wer immer es ausprobiert, ob am Morgen oder am Abend, im stillen Gebet oder mit anderen, im Tagebuch oder in einem Brief, am Bett eines Kranken oder Sterbenden, der wird den Trost erfahren, den dies Wort Unzähligen von uns gegeben hat: „Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch!“

Wolfgang Gerth
Evangelische Kirche
Gemeinde Teneriffa Nord






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