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Ausgabe: Nr. 274 (5/2017) vom 8. - 21. März 2017
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Das Fest zu San Andrés läutet den Herbst ein

Neuer Wein, heiße Maroni und rasante Rodler...

„San Andrés“, das Fest des neuen Weins, wird jedes Jahr am Abend des 29. November, also am Abend vor dem St. Andreas-Tag gefeiert. Traditionsgemäß werden in den Weinkellereien an diesem Tag die Fässer mit dem neuen Jahrgang angestochen, Familie und Freunde treffen sich zum Essen – es gibt Salzfisch, Kartoffeln, Gofio, Kastanien und natürlich den neuen Wein.



Kastanienröstöfen stehen jetzt in vielen Straßen. Heiße Maroni schmecken im November auch trotz mildem Kanarenklima.
Fotogalerie© Moisés Pérez
Kastanienröstöfen stehen jetzt in vielen Straßen. Heiße Maroni schmecken im November auch trotz mildem Kanarenklima.
25.11.2015 - Teneriffa -
Im Norden Teneriffas kommt dem Fest besondere Bedeutung zu. Hier stehen gemütliche Abende mit Röstkastanien und Wein im Vordergrund. Vielerorts sieht man gegen Abend die Maroni-Röstöfen rauchen. Am Straßenrand und auf Plätzen werden kleine Buden aufgebaut, Tische und Stühle aufgestellt und geröstete Kastanien und neuer Wein aus der Umgebung angeboten.
Auch für Kinder wartet San Andrés mit einer besonderen Abwechslung auf. So ist es unter anderem in Puerto de la Cruz, Icod de los Vinos, La Guancha, San Juan de la Rambla, Los Realejos und La Orotava Brauch, dass für den 29. November Getränke- und Konservendosen gesammelt werden, die man dann an einer Schnur auffädelt – die „Cacharros“. Mit Riesenvergnügen ziehen die Kinder mit ihren laut lärmenden Blechschlangen dann durch die Straßen. Die Verbindung zwischen diesem volkstümlichen Brauch und der Öffnung der Weinkeller wird damit erklärt, dass die Fässer für den neuen Wein gereinigt werden mussten. Dies geschah bis ins 20. Jahrhundert mit Salzwasser, wobei die Fässer über die Straßen zum Strand gerollt wurden. Der dadurch verursachte Lärm kündigte die Öffnung der Weinkeller und den neuen Wein an.

„Tablas“ in Icod de los Vinos

In Icod de los Vinos und La Guancha gehört zu San Andrés auch noch eine andere, eigentümliche Tradition: das Straßenrodeln. In beiden Orten werden schon Wochen vorher die „Tablas“, Bretter (vorzugsweise aus Tea-Holz von kanarischen Kiefern) gerichtet und poliert, damit sie astrein über den Straßenbelag flitzen. „Correr las tablas“ nennt sich diese nicht ungefährliche Übung, die wegen ihrer großen Beliebtheit in Icod de los Vinos nicht mehr nur am 29. November, sondern gleich an mehreren Tagen stattfindet. Eingeläutet wird das Fest des Weins am Abend des 27. November. Die „tablas“ werden dann zwischen dem 27. und 30. November am Tag und am Abend die steilen Straßen hinunterflitzen. Belebt wird das Fest besonders in den Spätnachmittags- und Abendstunden. 
In wahrhaftig halsbrecherischem Tempo jagen dann vorwiegend junge Männer auf ihren Brettern eine der steilsten Straßen von Icod hinab. Gelenkt wird der Straßenschlitten mit dick behandschuhten Händen, und, unten angekommen, dienen lediglich die Schuhsohlen und eventuell noch die Hände als Bremse. Wer nicht rechtzeitig das Tempo drosselt, landet in einem Haufen alter Autoreifen, der quasi als Notbremse am Ende der Rodelstrecke aufgebaut wird. Krankenwagen sind immer in der Nähe, denn, nicht zuletzt durch den an diesem Abend gesteigerten Alkoholkonsum, kommt es immer wieder zu Unfällen.
In den umliegenden Straßen gibt es an diesen Abenden kleine Imbissbuden und nur aus diesem Anlass geöffnete Kneipen, wo der neue Wein gekostet und dazu kleine Häppchen verzehrt werden können.
Das Fest der „Tablas“ in Icod zieht jedes Jahr eine große Besucherzahl an und ist inselweit berühmt. Aber Vorsicht! Direkt am Straßenrand, wo sich die Zuschauer drängen, kann es gefährlich werden, wenn durch die große Zuschauermenge zu beiden Seiten der Straße die Rodelstrecke immer schmaler wird. 

Hintergrund der Tradition

Der Brauch geht laut den Recherchen der Volkstraditionsforscherin María Ángeles Sánchez auf das 16. Jahrhundert zurück. Damals wurde über die Straßen San Antonio und Hércules (heute durch den Parque Lorenzo-Cáceres getrennt) sowie die Calzada de Alzola das Holz aus dem im oberen Stadtteil San Antonio gelegenen Sägewerk herangeschafft.
So gelangte das Material für den Häuserbau und teils auch für den Schiffsbau in die Werkstätten der Stadt und den Hafen von San Marcos. Damals zogen Nutztiere einen Holz-
schlitten, auf dem das Holz gebündelt transportiert wurde. Der Schlitten wurde von einem Führer mit Holzrudern über die Unebenheiten im Straßenpflaster und die Kurven manövriert.
Heute findet das Straßenrodeln zwar immer noch in den Calles Hércules und San Antonio statt. Besonders beliebt ist aber vor allem die steile Calle del Plano, weil dort die höchsten Geschwindigkeiten erreicht werden.
Weitere Infos zu diesem Fest unter: www.tablasdesanandres.net






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