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Ausgabe: Nr. 275 (6/2017) vom 22. März - 4. April 2017
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„Lichtblicke“ der deutschen Seelsorger auf Teneriffa – diesmal von Pfarrer Roland Herrig von der Evangelischen Gemeinde Teneriffa Süd

Privatsache?

Religion ist Privatsache. Das ist ein Glaubenssatz unserer Zeit. Wir sind selbstverständlich tolerant: Jeder soll glauben, was er will. Jeder kann nach seiner Façon selig werden. Aber er soll die anderen damit nicht belästigen.



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20.07.2016 - Teneriffa -
Zeugen Jehovas, die an meiner Tür klingeln – eine Zumutung: Sie dringen in meine Privatsphäre ein. Frauen mit Kopftuch auf der Straße – eine Zumutung: Sie sollen mich mit ihrer archaischen Religion in Ruhe lassen. Kreuze im Klassenzimmer oder im Gerichtssaal – eine Zumutung: Der Staat muss religiös neutral sein. Glockenläuten am Sonntagmorgen – eine Zumutung: Ich will ausschlafen und nicht zur Kirche gehen.
Religion ist Privatsache. Religion ist so privat geworden, dass wir schon gar nicht mehr drüber reden. Unser Glaube ist etwas so Persönliches, Intimes, dass wir ihn am liebsten schamhaft verstecken. Und wenn andere ihn offen leben und bekennen – dann berührt uns das schon mal peinlich. Da hat sich ganz schön was verschoben im letzten halben Jahrhundert. Heute wird offener über sexuelle Neigungen, Bedürfnisse, Praktiken und Erfahrungen geredet, als über den Glauben an Gott. Religion wird zum Tabu. Darüber spricht man nicht. – Religion ist Privatsache.
Die Kirche wird für viele immer dann wichtig, wenn es ums Private, ums Persönliche geht: Taufe, Trauung, Trauerfall. Manchmal persönliche Probleme und Notsituationen. Und tatsächlich: Glaube ist zuerst und vor allem meine ganz persönliche Beziehung zu Gott – insofern: Privatsache.
Konflikte zeichnen sich ab. Weil Religion ihrem Wesen nach keine Privatsache ist. Die Begegnung mit dem Islam macht uns das sehr deutlich: Für Muslime ist Religion keine Privatsache. Sie ist eine öffentliche Angelegenheit. Islam ist nicht nur persönliche Lebensführung, sondern ein Gesellschaftsmodell, eine politische Ideologie, die sich auf den Willen Gottes beruft. Das macht es für Muslime so schwer, ein anderes, unser westlich-freiheitlich-demokratisches Gesellschaftsmodell zu akzeptieren. Wer meint, Muslime könnten doch im Privaten ihren Glauben leben und zugleich unsere gesellschaftlichen Werte des Westens akzeptieren, macht es sich wahrscheinlich zu einfach. Er versteht nicht, dass Religion ihrem Selbstverständnis nach keine Privatsache ist, und diese Religion schon gar nicht.
Aber reden wir über uns. Auch unsere Religion, unser christlicher Glaube ist keine Privatsache. Nein, er ist keine politische Ideologie. Aber es ist schon so, dass unser westliches Gesellschaftsmodell ganz entscheidend von christlichen Überzeugungen mitgeprägt ist: Menschenwürde, Freiheit, Solidarität – diese Werte haben allesamt christliche Wurzeln. Und der christliche Glaube ist öffentlich. Wir sind überzeugt: Was wir glauben, geht alle an. Wie wir leben, sollte Vorbild für alle sein. Was wir hoffen, ist die Hoffnung für die ganze Welt. Und darum leben wir unseren Glauben öffentlich: Mit offenen Kirchentüren. Mit offenen und öffentlichen Worten: In der Predigt oder in der Presse, im Internet oder im persönlichen Gespräch.
In der Bibel heißt es: „Ihr seid das Salz der Erde… Ihr seid das Licht der Welt. Die Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben“ (Matthäus 5, 13+14). Mit anderen Worten: Wenn unser Glaube nur Privatsache ist, dann stimmt was nicht.

Ihr
Pfarrer Roland Herrig
Evangelische Gemeinde
Teneriffa Süd






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