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Ausgabe: Nr. 276 (7/2017) vom 5. - 25. April 2017
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„Lichtblicke“ der deutschen Seelsorger auf Teneriffa – diesmal von Pfarrer Hans-Martin Speck-Ribbat, Evangelische Gemeinde Teneriffa Nord

Singen Sie auch gern?





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24.08.2016 - Teneriffa -
Ich glaube, dass Lieder einen das ganze Leben lang begleiten können. Mich jedenfalls. Lesen Sie mit oder singen sie mit oder hören sie (sich) mit:

Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.  
Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor,
dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht. 
Schon an der Dämmerung Pforte ist er mir nah und spricht.
(EKG 452,1)

Haben Sie dieses Lied schon mal gehört oder gar gesungen? Wo? Wann? 
Ich weiß es noch sehr genau, ich war 12,  es war in den langen Schulferien in Indien, nach 9 Monaten Schule in den Bergen von Südindien und nach 3 Tagen Bahnfahrt durch den halben Subkontinent endlich zu Hause in Orissa.  Ferien waren immer Sonne und blauer Himmel.  Ich sehe unser großes, mit Kalk weiß neu getünchtes Wohnzimmer, den neu gelegten roten Zementfußboden, die grün gestrichenen Fensterrahmen.  Es war ein Sonntagmorgen, wir saßen als Familie am Esstisch. Ja, es gab im Missionsbungalow noch kein eignes Esszimmer, daher saßen und aßen wir im großen Wohnzimmer unmittelbar vor einem der Fenster zur umlaufenden Veranda. Und das Morgenlicht schien hinein, erhellte die leichten Gardinen und die hohen weißen Wände. 
Mein Vater sagte vor dem Sonntagsfrühstück: Wir wollen heute mal ein neues Lied lernen. Er sang den ersten Vers vor, holte uns ab, und wir sangen alle mit: „Er weckt mich alle Morgen...“
Es passte, dieses Lied, dieses Lied von Jochen Klepper, dieser Morgen, diese Einführung durch meinen Vater. Seitdem sitzt das Lied in mir, es kommt oft ganz unwillkürlich über meine Lippen, eben auch meist an einem Morgen der hell ist und gut oder es werden möchte.  Und dann gleich mehrere Verse, auch die sitzen tief. 
Blicken wir hinein in die Welt dieses einen Liedes. Da ist schon jemand vor mir da, hellwach, ein Jemand, der es gut mit mir meint, und mich weckt. Kein Wecker am Bett, kein Messing-Gong vom deutschen Internat, keine Schulglocke im ersten Stock in der amerikanischen Missionsschule. Nein:  Eine Stimme. Er weckt mir selbst das Ohr. Was für ein Bild! Und das in dem sommerlich bunten Indien, in den Eastern Ghats von Orissa. Die Natur war schon wach, Vögel zwitscherten, ein leichter Aufwind stieg den Berg zum Bungalow hoch. Zu Hause.
Ja, da merke ich auch die dichterische Feder von Jochen Klepper. Er war sicher nie in Indien, und ich hab erst spät mehr über ihn erfahren. Er hat Zeit seines Lebens, das eben doch zu kurz war, als Schriftsteller und Dichter ganz sinnlich jeden Tag gelebt. Er führte immer Tagebuch, meist abends nach einem intensiv gelebten Tag schrieb er seine Gedanken nieder, oft nachdem seine jüdische Frau und ihre zwei Töchter schon schlafen waren. Schrieb in Bildern, Gedanken, aber eben auch Gedichten, die andere nach seiner Selbsttötung zu Liedern vertonten.  
Uns weckt ein Lied, ja uns weckt das Lied von jemandem, der nicht mehr lebt, der  viel zu früh starb. Wir haben viel von ihm geschenkt bekommen, seine Bücher und Gedichte, seine Lieder und seine Gedanken in seinem Lebenstagebuch. Freunde stellten es unter dem Psalmvers  „Unter dem Schatten Deiner Flügel“ zusammen. Ein Psalmvers, der seinen intensiv gelebten und gelittenen Alltag als unerwünschter Autor im Dritten Reich, dazu noch in einer Mischehe, sicherlich getragen und beschützt hat. Er klagt nicht, sondern bringt trotz allem Licht und lässt uns immer wieder ein Morgen möglich werden, will dass wir leben. 
Ich bin sicher, dass auch Sie ein Lied haben, das sie sofort herbeisingen können. Vielleicht zu einem wunderschönen Morgen. Schauen Sie doch mal in sich hinein, horchen sie auf Melodien und Töne. Gibt es da nicht auch solch ein Lied, solch eine Erinnerung, eben Ihre ganz eigene? Auch an einen Autor, an eine Zeit, eine Situation? Leicht wieder herzustellen? Das kann Ihnen niemand nehmen! 
Singen Sie einfach Ihr eigenes Lied. Ich wünsche Ihnen ein schönes Lied als Lichtblick für einen guten Morgen.   

Ihr
Pfarrer Hans-Martin
Speck-Ribbat
Evangelische Gemeinde
Teneriffa Nord






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