Infos für Urlauber
Ausgabe: Nr. 220 (23/2014) vom 3. - 16. Dezember 2014
Kanarische InselnTeneriffaGran CanariaFuerteventuraLanzaroteLa GomeraLa PalmaEl HierroSpanien
Home > Leserbriefe > Keine Meinungsfreiheit

Nachrichten
  Politik
  Wirtschaft
  Panorama
  Wissenschaft
  Umwelt
  Kultur
  Sport
  Gesundheit
  Multimedia
  Kurz notiert
  Leserbriefe
 
  Archiv

Kleinanzeigen
  Ansehen
  Eintragen

Leserbriefe
  lesen
  schreiben

Suchen

   

Veranstaltungen
  Musik
  Ausstellungen
  Theater
  Sport
  Gesundheit
  Verschiedenes

Urlauberinfo
  Überblick
  Sehenswertes
  Inseltipps

Service
  Mediadaten
  Aboservice
  E-PAPER
  Kundenbereich
  Rufnummern
  Partner Webs
  Mietwagen

  Kontakt
  Impressum
  Datenschutz


Keine Meinungsfreiheit

Demokratie beinhaltet Meinungsfreiheit, die eine kann ohne die andere nicht existieren. Es gibt keine Diktaturen, die den freien Fluss von Ideen und Nachrichten erlauben, wie es auch keine demokratischen Gesellschaften gibt, die sich aus Bürgern zusammensetzen, welche dazu gezwungen werden, zu schweigen. Diese Binsenwahrheit, dieses Bürgerrecht hat jedoch trotz der rechtlichen Lage keinen adäquaten Rahmen gefunden, um sich zu entfalten. Die Tatsachen sprechen für sich: Es ist üblich, ja es wird sogar als normal angesehen, dass Nachrichten je nach persönlichem oder parteiinternem Interesse manipuliert, verschwiegen oder heruntergespielt bzw. Personen oder Institutionen verleumdet werden, ohne jeglichen Respekt vor der Wahrheit und ohne das Recht auf Gegendarstellung.
Selbst die Zeitung mit der größten Auflage in der westlichen kanarischen Provinz verfolgt eine Leitlinie, die im völligen Gegensatz zum wesentlichen Prinzip der Demokratie steht: Die Gleichheit aller Menschen, unabhängig von ihrem Geburtsort oder jeglichem anderen persönlichen Umstand. So bewertet und beurteilt beispielsweise der Kommentator von El Día die Menschen je nach ihrer Geburtsinsel. Für diese Zeitung ist hauptsächlich Teneriffa wichtig und nicht die Rechte der Menschen, die auf der Insel leben. Zu allem Überfluss bringt die Zeitung Verkaufszahlen mit demokratischer Legitimität durcheinander, Leser mit „Kameraden“, ganz zu schweigen davon, dass man sich in der Zeitung zum alleinigen Vertreter und Verteidiger Teneriffas erklärt hat. Teneriffa ist nach Angaben der Zeitung folglich „die Größte, die Schönste und die Höchste“. Ungestraft wird wiederholt zum Verräter erklärt, wer nicht mit ihrer Meinung übereinstimmt – natürlich ohne Vorlage irgenwelcher Beweise, Daten oder Anhaltspunkte – und, was noch viel schlimmer ist: El Día zufolge sind wir alle von falschen Umweltschützern manipuliert, die von den Bürgern Gran Canarias bezahlt werden, um Teneriffa ins Unglück zu stürzen.
Dieser offensichtliche Verleumdungsfall hatte keinerlei Reaktion vonseiten der wichtigsten politischen Parteien, der Presservereinigungen oder der Fakultät für Journalismus zur Folge. Im Gegenteil: Im Pulk sind sie alle zur Eröffnung der Installationen eines Radio- und Fernsehsenders getrabt, den El Día seit einiger Zeit sein eigen nennt. Es war ihnen schlichtweg egal, dass diese Herausgeber die ethischen Prinzipien verletzen, die beim demokratischen Journalismus walten müssen, viel wichtiger ist es diesen Politikern und „Journalisten“, sich mit einem so mächtigen Medium zu verstehen. Die Konsequenzen bei Zuwiderhandlung sind ja bekannt: Verleumdungskampagnen in der Art, wie sie die Zeitung gegen die „falschen Umweltschützer“ losgetreten hat.
Genau dieselben haben auch geschwiegen, als eine Nachrichtenagentur (ACN) dafür verurteilt wurde, die freie Meinungsäußerung ihres Redakteurs Ramón Pérez Almódovar beschnitten zu haben. Im Gegenteil, einer dieser Wortkünstler mit gespaltener Persönlichkeit (einer von denen, die von der schärfsten Kritik zu den überschwenglichsten Lobeshymnen auf die Person ausbrechen können, die sie ehemals ins Lächerliche gezogen haben) nutzte die Gelegenheit, um seine Entrüstung als bestätigter und misstrauischer Journalist hervorzukehren: Entrüstung über das Benehmen des Redakteurs, der zum Schweigen gebracht wurde, wohlgemerkt! Wer es jedoch wagen sollte, diese Journalisten der Lokalpresse zu kritisieren, auf den wartet mindestens die Beschimpfung als „Verblödeter“ in einer seiner nächsten Kolumnen, in jedem Fall aber wird er für immer und ewig aus der Elite der „kultivierten“ und „belesenen“ Persönlichkeiten ausgestoßen.
Die Manipulation betrifft nicht nur die lokalen Medien, auch Konzerne wie PRISA, die sich eines eigenen „Stilbuchs“ rühmen, praktizieren sie. Ein konkretes Beispiel dafür ist die Berichterstattung über die Demonstration gegen die Hochspannungstürme von Vilaflor. Die über 100.000 Demonstranten, die durch die Straßen von Santa Cruz zogen, waren ihnen nur eine kleine Kolumne wert, den etwa 10.000 Demonstranten gegen die Bildungsreform der PP widmeten sie noch auf der selben Seite die übrigen vier Spalten und ein Foto.
Beispiele gibt es viele, man muss nur ein bisschen in den Zeitungsarchiven blättern. Es gibt jedoch eines, das mich selbst und den Verband ATAN betrifft, dem ich angehöre. Hauptdarsteller waren Radio Club von der Cadena SER und das Makro-Openair-Konzert Son Latinos. Von dem Moment an, in welchem ATAN kritisiert hatte, dass die Veranstaltung des Konzertes am Las Vistas-Strand illegal sei, haben die Journalisten dieses Radiosenders, Camelo Rivero und Willi García, über die Mikrophone von Radio Club eine Verleumdungs- und Beschimpfungskampagne gegen mich und gegen ATAN betrieben. Gleichzeitig haben sie den Organisatoren und Veranstaltern des Konzertes großzügig Zeit eingeräumt, ihre Argumente der Öffentlichkeit darzubieten, uns jedoch wurde jegliche Stellungnahme oder Verteidigung, trotz mehrmaliger Einforderung, verweigert.
Sie widmeten viel Zeit in ihrem Programm, um über die Klage zu berichten, die die Leiter des Veranstalter-Unternehmens, Martín Rivero und Leopoldo Mansito, gegen mich eingereicht hatten. Die Hörer wurden allerdings nie darüber aufgeklärt, dass die Klage jeglicher Grundlage entbehrte und von den Richern nicht einmal zugelassen wurde. Sie haben sich nie entschuldigt und im Schutze und Wohlwollen der Direktion von Cadena SER-Radio Club betreiben sie weiterhin einen Journalismus, der mit journalistischer und demokratischer Ethik unvereinbar ist. Wenn sie derart handeln in einem vergleichsweise unwichtigen Fall wie dem Son Latinos, welche Glaubwürdigkeit verdienen dann die übrigen ihrer Informationen und Kommentare?
Die kanarische Gesellschaft ist krank, der Abgrund zwischen dem Großteil der Bevölkerung und ihren politischen Vertretern wird immer größer, es herrscht Unsicherheit und die Gegenwart lässt für die Zukunft der Inselbewohner nichts Gutes hoffen. Fehlende Information, Manipulation, Dienerschaft der privaten Interessen herrschen im Großteil der Medien und verhindern, dass die Demokratie korrekt funktioniert. Pressefreiheit ist etwas, das uns alle betrifft, einige sind jedoch wegen ihres Berufs stärker betroffen als andere. Das ist zum Beispiel der Fall bei Journalisten, Lehrern oder Wissenschaftlern für die es nicht nur ein Grundrecht, sondern für ihre Arbeit absolut unerlässlich ist. Warum schweigen sie dann, warum prangern sie diese Lage nicht an? Aus reinem Zunftwesen, weil sie andere Interessen verteidigen, weil ein „Hund kein Hundefleisch frisst“.

Eustaquio Villalba Moreno
Sprecher von ATAN, TF





Wochenblatt Immobilienmarkt
  NEWSLETTER
  Ihre eMail-Adresse
Inmobiliaria Optima Canarias