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Ausgabe: Nr. 218 (21/2014) vom 5. - 18. November 2014
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Home > Leserbriefe > Katrina und die Kanarischen Inseln

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Katrina und die Kanarischen Inseln

29. August 2005. Der Hurrikan Katrina sorgt weltweit für Aufsehen. 1.300 Menschen verlieren ihr Leben, abertausende ihr Heim. Tagelang verfolgen Millionen Zuschauer die Tragödie im Fernsehen, werden Bilder von der überfluteten Stadt New Orleans in alle Welt gesandt. Von der Gemeinde Saint Bernard spricht niemand. Und doch hat hier, südöstlich von New Orleans, Katrina nicht nur am stärksten gewütet, sondern eine Katastrophe mit irreparablen Folgen verursacht. Die Zerstörung der Gemeinde Saint Bernard bedeutet für die Kanarischen Inseln einen ganz besonderen Verlust.
März 2005. Der kanarische Regisseur Manuel Mora Morales, der auf den Kanarischen Inseln vor allem durch seine Serie über die kanarische Emigration „La Ruta del Gofio” bekannt wurde, reist nach Louisiana, um einen Dokumentarfilm über die kanarischen Einwanderer zu drehen, über deren Existenz nur wenige Canarios etwas wissen. Der kulturelle Schatz, auf den er stößt, übertrifft bei weitem alle seine Erwartungen. Noch immer sprechen zahlreiche Isleños, so wie man die Canarios in den USA nennt, kanarischen „Dialekt”, sprechen so, wie auf den Kanarischen Inseln vor mehr als 200 Jahren gesprochen wurde. Mora recherchiert, interviewt, stöbert in Archiven und wird fündig. Die eindrucksvollen Bilder und ausgezeichnet recherchierten Dokumentationen in Moras jüngst fertiggestellten Filmen (eine 5-teilige Serie und ein 90-minütiger Dokumentarfilm) zeigen, was bislang keine Bilder über die Ausmaße der Katrinakatastophe gezeigt haben: die Vernichtung einer einzigartigen kulturellen Gemeinschaft. Moras Film beginnt Ende des 18. Jahrhunderts, kurz vor der französischen Revolution und zur Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs. 3.000 kanarische Auswanderer werden in Louisiana in vier „settlements” angesiedelt. Ein unwirtliches Gebiet an den Ufern des Missisippi, „land of mosquitos”. Sie legen Sumpfgebiete trocken, erleben als „trapper” kurzfristig einen wirtschaftlichen Aufschwung, als die Fellmäntel in Mode kamen, fangen Krokodile, schmuggeln Alkohol und widmen sich dem Bootsbau und Fischfang.
 Zweihundert Jahre lang lebten die kanarischen Einwanderer hier unter sich, behielten ihre Sprache, ihre Lieder und viele Bräuche der Kanarischen Inseln. Die Entdeckung von Erdölfeldern machte einige wenige reich und führte durch neue Arbeitsmöglichkeiten zu einer Aufweichung der bislang geschlossenen Kolonie. Frank Fernández, einem Historiker kanarischen Ursprungs, ist eine Rückbesinnung auf die kanarischen Wurzeln zu verdanken. Zwei kanarische Museen wurden gebaut. Bei seinem Tod hinterlässt er ein reichhaltiges Erbe. Unzählige Video- und Tonbänder, Dokumentationen, Fotos. Mora erhält die Erlaubnis, in seinen Filmen einige der Dokumentationen zu reproduzieren. Ein Vierteljahr nach Moras Filmarbeiten in Saint Bernard vernichtet Katrina nicht nur die in akribischer Arbeit von Fernández zusammengetragenen Dokumentationen, sondern auch beide Museen. In Saint Bernard werden mehr als 60.000 Menschen, darunter ein Großteil Isleños, obdachlos. 130 verlieren ihr Leben, einige begehen Selbstmord.
Im Frühjahr 2006 kehrt Mora mit seiner Filmkamera zurück. Saint Bernard existiert nicht mehr. Die meisten der älteren Isleños haben die Region verlassen, tausende leben noch immer in Wohnwagen, Lecks in den Erdölraffinerien haben das Gebiet verseucht, die Versicherungen zahlen nicht. „Wir canarios sind ein zähes Volk. Wir werden wieder neu anfangen”, sagt ein Isleño in Moras Film, aber er klingt dabei nicht zuversichtlich. Endet die Geschichte der kanarischen Einwanderer und ihrer Nachfahren mit Katrina? Übriggeblieben von Saint Bernard ist nur diese einzigartige Filmdokumentation von Manuel Mora Morales. Die Kanarischen Inseln haben allen Grund zu trauern.
Manuel Mora ist kanarischer Autor und Filmregisseur und hat zahlreiche Artikel über die kanarische Emigration nach Louisiana geschrieben und veröffentlicht. In seinem Besitz sind zahlreiche unveröffentlichte Fotos und Dokumentationen über die Isleños in Louisiana. Anfragen (Interesse an Artikeln, an der Filmproduktion) richten Sie bitte an: info@amazonasfilms.com

Lisa Blome
La Laguna





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