Infos für Urlauber
Ausgabe: Nr. 218 (21/2014) vom 5. - 18. November 2014
Kanarische InselnTeneriffaGran CanariaFuerteventuraLanzaroteLa GomeraLa PalmaEl HierroSpanien
Home > Leserbriefe > Eine Liebesgeschichte

Nachrichten
  Politik
  Wirtschaft
  Panorama
  Wissenschaft
  Umwelt
  Kultur
  Sport
  Gesundheit
  Multimedia
  Kurz notiert
  Leserbriefe
 
  Archiv

Kleinanzeigen
  Ansehen
  Eintragen

Leserbriefe
  lesen
  schreiben

Suchen

   

Veranstaltungen
  Musik
  Ausstellungen
  Theater
  Sport
  Gesundheit
  Verschiedenes

Urlauberinfo
  Überblick
  Sehenswertes
  Inseltipps

Service
  Mediadaten
  Aboservice
  Kundenbereich
  Rufnummern
  Partner Webs
  Mietwagen

  Kontakt
  Impressum
  Datenschutz


Eine Liebesgeschichte

Sta. Cruz ist in vielen Teilen wunderschön und dahin fahre ich meist mit dem Bus.
Ich liebe das Auditorium, das aussieht wie die Kreation eines Ikebana-Meisters nach einem LSD-Trip, ich mag die Spritzkuchenfassaden der renovierten Altbauten und die gigantischen, weisen Lorbeerbäume in den Parks. Ich liebe die „Cruzeños“, die unverstellt so sind wie sie sind, die Frauen in Strickjacken und Hausschlappen in den älteren Vierteln, wenn sie miteinander ratschen und die Alten auf den Bänken, die so aussehen wie Alte überall auf der Welt, Hütchen auf, zahnlos und freundlich, den Stock zwischen den Knien. Ich liebe die Taxifahrer, knurrige Anarchisten, die prinzipiell nur mit der rechten Hand fahren,weil die Linke aus dem Fenster hängen muss und die immer auf den Staat schimpfen. Mit vielen habe ich in zehn Minuten intensivere Kontakte geknüpft als mit deutschen Landsleuten in zehn Jahren. Die Kellner sind den Kellnern in Bayern äußerst ähnlich, auch sie finden ihren Job ätzend, sie hassen Touristen und sie zeigen das unverblümt. Alles sehr vertraut, sogar der Busbahnhof. Wenn einen am Terminal der kühl klimatisierte Bus ausspuckt, hüllt einen erstmal eine Wärmeglocke ein und die Sonne knallt einem ins Gesicht. Alle blinzeln, nur die kids mit den Pampershosen haben aus Prinzip immer eine total coole Sonnenbrille auf.
Und dann steht man da und ist erstmal ganz klein, Kopf im Genick, denn gerade gegenüber dräut der „Corte Inglés“, die Super-Trooper-Glitzer-Abzocke in Marmor und Glas. Riesig steht er da, der Palast und droht. Droht mit seinen amerikanischen Methoden und Ausmaßen, lächelt mit Brilli im Mafia-Zahn: Komm nur her, du Wicht, ich mache dir Angebote, die du nicht ablehnen kannst! Aber, wie man so hört, finden die zeitweise- hier-wohnenden Ausländer den „Corte Inglés“ ganz toll, genauso wie viele Touris, „waren Sie schon dort? Da müssen Sie unbedingt mal hin, man krischt wirklich alles! Und die Ausstattung, sensationell!“
Die „Cruzeños“ nehmen den gestylten Muskelprotz mit Schulterzucken, sie sind durch die Franco-Architektur abgehärtet. Doch viele vermissen eine Stadt, die einmal war wie sie, eben kanarisch, nicht amerikanisch. Die Seele des alten Sta. Cruz ist fast nirgendwo mehr zu finden, wenn man die Baupolitik darauf bezieht, doch durch die besondere Mentalität der Menschen gibt es immer wieder Momente, die einen bezaubern, lachen machen oder traurig.
Als ich kürzlich zum Beispiel wieder per Bus das Terminal verließ, musste der Fahrer neben dem „Corte Inglés“ an einer roten Ampel warten. Ich sah aus dem Fenster hinter einem geparkten Mercedes-Cabrio ein paar Angestellte bei ihrer Rauchpause. Sie waren in schicker Hausuniform und lehnten an der Gebäudewand, aufgereiht wie schwarze Hühner. Der heftige, kühle Wind bewegte die frisch gepflanzten Palmen zwischen den Parkzonen. Dann nahm ich eine Bewegung neben dem Mercedes wahr, so als sei dort jemand in Hockestellung gegangen. Nanu? dachte ich, Pinkelpause neben der Glanzkarosse? Ich verdrehte meinen Kopf noch weiter, gespannt, ob der Bus noch solange halten würde, bis ER oder SIE auftauchte! Was dann hochkam, war ein klapperdürres Männlein mit einer Ohrenklappenmütze, das etliche Plastiktüten in Brusthöhe zusammenraffte und dort etwas in seinem abgeschabten Mantel verbarg. Ein kleiner weißer Taubenkopf erschien kurz und verkroch sich wieder. Der Mann stellte die Plastiktüten zwischen seinen Füßen ab, man sah, dass er zu dem Taubenkopf hinabsprach oder hineinhauchte – seine fleckigen, braunen Hände behüteten derweil den kleinen Schatz wie die eines fürsorglichen Vaters.
Der Bus fuhr an, ich drehte mich noch lange um, sah den Obdachlosen mit seinen Tüten vor der Brust über die Straße gehen – der Wind wedelte die Ohrenklappen seiner Mütze umher, das sah irgendwie komisch aus.
Die rauchenden Mädchen an der Hauswand standen weiter dort, Passanten gingen her und hin, niemand hatte auch nur einen Blick auf die Szene geworfen. Es war so, als wäre das alles nicht gewesen, wie der Splitter aus einem Film oder Traum.
Da ist einer, den das Leben herumgestoßen hat, der nur noch seine Plastiktüten besitzt, der im Schatten eines mächtigen Geldbunkers neben einem Mercedes eine verunglückte Taube aufliest, ihr den Kopf streichelt und sie mitnimmt. Und niemand derer, die dort waren, hat es wahrgenommen, weder dass der Mann existierte, noch was er tat. Mir lief etwas am Kinn herab und ich bemerkte, dass es Tränen waren.
Da war doch mal etwas – „was ihr den Geringsten meiner Brüder tut, soll auch euch getan werden“ oder so ähnlich…..vielleicht gehört das nicht nur zu Weihnachten….!
Danke, alter „Cruzeño“, für den Moment.

Evelyn Lamberts




Wochenblatt Immobilienmarkt
  NEWSLETTER
  Ihre eMail-Adresse
Inmobiliaria Optima Canarias