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Bischof sprach von „frivoler Blasphemie“

Skandal um Drag Queen

Die Freizügigkeit der „Gala Drag Queen“ des Karnevals von Las Palmas de Gran Canaria hat dieses Jahr einen Höhepunkt erreicht, der eine landesweite Kontroverse ausgelöst hat.



Fotogalerie© EFE
08.03.2017 - Gran Canaria -
Die Performance des Siegers, der von einer Jury und dem Publikum gewählt wurde, empfanden die Katholische Kirche und viele Gläubige als Verspottung ihres Glaubens. Der Bischof der Kanaren bezeichnete die Show in einem empörten Schreiben gar als „frivole Blasphemie“. 
„Drag Sethlas“ – Künstlername des 26-jährigen Borja Casillas – war zunächst als Jungfrau Maria und danach als Christus am Kreuz auf der Bühne des Parque Santa Catalina erschienen. Das Publikum war begeistert. Nun wird die Staatsanwaltschaft Las Palmas prüfen, ob durch die Performance Artikel 525 des Strafgesetzbuchs verletzt wurde.
Persiflage? Verspottung der Kirche? Keinesfalls. Er habe mit seiner Performance niemanden verletzen wollen. Religion sei Geschichte, und er habe diese Geschichte in einer anderen Kunstform repräsentiert, sagte Borja Casillas am Tag nach seiner Wahl zur Drag Queen 2017 von Las Palmas de Gran Canaria. Der junge Mann war zunächst als Jungfrau Maria verkleidet zu Madonnas Song Like a Prayer auf der Bühne erschienen, um danach hinter einer Wand zu verschwinden und als Christus am Kreuz wieder aufzutauchen.
„Wer nichts wagt, gewinnt auch nicht, und ich habe das Publikum überzeugt“ erklärte Borja Casillas, alias „Drag Sethlas“ nach seiner Krönung.
Die Performances der Gala Drag Queen in Las Palmas sind längst für ihre Freizügigkeit und Gewagtheit bekannt. Sie sind pikant – mancher würde sie wohl auch als ordinär bezeichnen, doch das Publikum liebt sie. Dies wird seit 20 Jahren immer wieder mit dem großen Zuspruch dieser Gala unter Beweis gestellt, die auch außerhalb der Insel bekannt ist.
Der diesjährige Gewinner hat es allerdings geschafft, sämtliche Grenzen zu überschreiten und eine noch nie dagewesene Polemik auszulösen. Auf seinen Auftritt folgte eine Welle der Kritik, die der bekennende Agnostiker Casillas, der paradoxerweise derzeit eine Ausbildung zum Religionslehrer macht, gelassen nimmt. Im Interview erklärte er, dass er mit Kritik umgehen könne, denn er respektiere jede Meinung. Er habe etwas vollkommen Neues schaffen wollen, etwas, was sich niemand traut; „Ich habe es gewagt und alles riskiert.“ Publikum und Jury der Gala Drag Queen wählten ihn zum Sieger, doch durch die katholisch geprägte Gesellschaft der Inseln ging ein Aufschrei. 
Bischof Fernando Cases meldete sich mit einer entrüsteten Stellungnahme, in der er von „frivoler Blasphemie“ und „dem traurigsten Tag in meinem Leben, trauriger als der Tag des Flugzeugunglücks am Flughafen Barajas“ sprach und damit ebenfalls Kritik erntete. Der Bischof lud in seinem Schreiben alle Gläubigen am 3. März zu einer Heiligen Messe in die Kathedrale von Santa Ana ein, um den Herrn und die Mutter Maria um Verzeihung zu bitten. Hunderte Gläubige nahmen daran teil.
Teneriffas Cabildo-Präsident Carlos Alonso war nur einer von vielen, der sich auf Twitter zu der umstrittenen Performance äußerte: „Der Karneval ist Freizügigkeit und unglaubliche Freiheit. Doch diese sollte nie für Beleidigung benutzt werden“.
Der Bürgermeister von Las Palmas de Gran Canaria, Augusto Hidalgo, räumte zwar ein, dass er nicht damit einverstanden sei, religiöse Symbole für satirische Zwecken zu missbrauchen, bat jedoch um Verständnis dafür, dass der Karneval „maximale Freiheit“ bedeute und daher Meinungsfreiheit großgeschrieben werde. „Wir sind eine tolerante Stadt“, sagte er.
Die ehemalige Bürgermeisterin von Las Palmas de Gran Canaria, Josefa Luzardo, die vor zwanzig Jahren die Gala Drag Queen als neuartige Karnevalsveranstaltung förderte, bat auf Twitter, die Kinder im Publikum nicht zu vergessen und Beleidigungen jeder Art zu vermeiden. Ihrer Meinung nach müssten einige Richtlinien des Wettbewerbs überdacht werden. Auch Hidalgos Vorgänger, Ex-Bürgermeister Juan José Cardona, sprach von einer „unnötigen und vermeidbaren Provokation“.
Letzten Meldungen zufolge soll die Staatsanwaltschaft Las Palmas auf Betreiben des spanischen Verbands „Asociación de Abogados Cristianos“, der auf rechtlicher Ebene für den Schutz der christlichen Werte eintritt, ein Ermittlungsverfahren gegen Drag Sethlas eingeleitet haben.
Die Vorsitzende des Verbands Abogados Cristianos, Polonia Castellanos, bezeichnete den Auftritt der Drag Queen als „demütigend“ und „Attacke auf die religiösen Gefühle“. Diese Form von Verspottung und Verletzung der Gefühle von Religionsgesellschaften sei laut Artikel 525 des Strafgesetzbuchs verboten. Aus diesem Grund habe der Verband Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet.
Das spanische öffentlich-rechtliche Fernsehen Radiotelevisión Española RTVE hat infolge der Polemik sämtliche Inhalte seiner Website, die mit der Gala Drag Queen in Las Palmas und dem Auftritt von Drag Sethlas in Verbindung stehen, gelöscht.





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