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Wissenschaftler machen Zahnfunde im Meer vor La Graciosa

Der Megahai war schon da, als die Inseln entstanden

Wie so oft bei wissenschaftlich bedeutenden Funden spielte der Zufall eine große Rolle. Eigentlich waren die Wissenschaftler gar nicht auf der Suche nach Spuren des Megalodons, sondern an Bord der „Ángeles Alvariño“ unterwegs, um eine Inventur der marinen Fauna durchzuführen und durch den Beleg des Artenreichtums neue Gebiete als Kandidaten für die Aufnahme in das Natura 2000-Netz zu ermitteln.



Pedro Pascual (r.) mit seinem Kollegen Franco Cigala von der Fakultät für Paläontologie und Paläökologie der Universität Parma (Italien), welchen er zur Beratung hinzugezogen hat.
Fotogalerie© EFE
Pedro Pascual (r.) mit seinem Kollegen Franco Cigala von der Fakultät für Paläontologie und Paläökologie der Universität Parma (Italien), welchen er zur Beratung hinzugezogen hat.
22.09.2013 - Lanzarote - So erzählt der Meeresbiologe Pedro Pascual vom Spanischen Ozeanografischen Institut (Instituto Español de Oceanografía, IEO), der zusammen mit Kollegen bei einer Forschungsreise im vergangenen Jahr einen erstaunlichen Fund machte.
Im Auftrag des spanischen Umweltministeriums waren sie auf der Suche nach Spuren von wirbellosen Tieren in den tiefsten Gebieten des Atlantiks im Gebiet von Lanzarote und La Graciosa. Dort überraschte sie der Fund von insgesamt 15 fossilen Zähnen beachtlicher Ausmaße, die sich nach eingehender Untersuchung als Überreste von ausgestorbenen Riesenhaien erwiesen. Die Zahnfunde aus einer Tiefe von etwa 1.000 Metern stammen aus einer Zeit, in der sich die Kanarischen Inseln in der Entstehungsphase befanden, vermuten die Wissenschaftler. Außerdem fanden sie auch den nahezu intakten Schädel einer Seekuh.
Der Megalodon ist der größte bekannte Hai der Erdgeschichte. Er lebte vom Miozän bis in das Pliozän (zwischen 20 und 2 Millionen Jahre vor unserer Zeit) vermutlich in allen gemäßigten Meeren der Erde. Die Funde nahe der kanarischen Küste lassen vermuten, dass sich der Megalodon hier fortpflanzte und auch auf Nahrungssuche begab. Auf dem Speiseplan des monströsen Riesenfisches standen große Fische, Meeresschildkröten, Wale, Delfine, Seelöwen und andere marine Säugetiere.
Die bei La Graciosa gefundenen Zähne sind mit zehn Zentimetern im Vergleich zur geschätzten Größe ausgewachsener Megalodons und ihrer gewaltigen Kiefer klein, berichtet der Wissenschaftler weiter, und stammen deshalb vermutlich von Jungtieren. Daraus folgern die Experten wiederum, dass die Gewässer um die Kanaren seinerzeit wie ein großer Supermarkt für die Haie waren, denn die weiblichen Haie suchen sich für die Geburt immer Gebiete aus, in denen es nicht an Nahrung mangelt. Diese Annahme führt die Wissenschaftler wieder weiter zu der Überlegung, dass die Inseln – falls ein solcher Artenreichtum existiert haben sollte – vor Millionen Jahren ein ganz anderes Klima hatten als heute, mit sehr viel längeren Regenzeiten und wärmeren Temperaturen, die Meeressäuger wie Wale und Seekühe anlockten.
Der Megalodon starb vor rund 2 Millionen Jahren aus, auch wenn Zahnfunde aus dem Pazifik die Vermutung zulassen, der Megalodon könne bis vor wenigen Tausend Jahren noch existiert haben. Verwandt mit dem größten Raubfisch der Erdgeschichte ist der Weiße Hai, dessen Größe und Beißkraft jedoch mit den riesigen Vorfahren von bis zu 20 Metern Länge kaum zu vergleichen sind. Es wird vermutet, dass der Spitzenprädator Megalodon bis zu zehnmal kräftiger zubeißen konnte als der heutige Weiße Hai.




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